ARCHÄOLOGIE: Zuger Kupferbeil ähnelt jenem von Ötzi

or neun Jahren entdeckten Archäologen in der Pfahlbaufundstelle Riedmatt in Zug eine 5000 Jahre alte Kupferbeilklinge. Jetzt ist klar, woher sie stammt.

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Auf Spurensuche: Archäologen arbeiten mitunter wie Kriminaltechniker. Hier sieht man einen Spezialisten bei der sorgfältigen Entnahme einer Metallprobe. (Bild: Gishan Schaeren)

Auf Spurensuche: Archäologen arbeiten mitunter wie Kriminaltechniker. Hier sieht man einen Spezialisten bei der sorgfältigen Entnahme einer Metallprobe. (Bild: Gishan Schaeren)

Schon als die kleine Beilklinge 2008 in der Pfahlbaufundstelle Riedmatt in Zug gefunden wurde, sorgte dies für Aufsehen. Jetzt, neun Jahre später, ist klar, woher das Kupferbeil ursprünglich stammt: Untersuchungen der Zuger Archäologie und der Universität Bern zufolge kommt es aus der südlichen Toskana. Das Spektakuläre aber ist laut den Experten, dass das Beil jenem von Ötzi stark gleicht. «Form und Rohmaterial der Zuger Klinge sind mit derjenigen des Beiles von Ötzi und einigen Beilklingen aus Gräbern in der Lombardei und der Toskana praktisch identisch», heisst es in einer Mitteilung des Amts für Denkmalpflege und Archäologie am Dienstag. Dort hatte man bereits vermutet, dass die Klinge aus der gleichen Region stammt wie jene des Beils, welches 1991 bei der Eismumie vom Tisenjoch gefunden wurde, wie Ötzi offiziell genannt wird.

Diese Vermutung sei nun bestätigt worden, sagt Gishan Schaeren, Leiter der Abteilung für Ur- und frühgeschichtliche Archäologie beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie. Die Verhältnisse der Bleiisotopen-Werte der beiden Klingen seien deckungsgleich. Dieser gemeinsame «Fingerabdruck» und die frappierende Übereinstimmung der chemischen Elementanalyse wiesen darauf hin, dass die beiden Klingen bezüglich Datierung, Herkunft und Werkstatttradition in einen vergleichbaren Zusammenhang der Kupferförderung und -verarbeitung im erzreichen Gebiet um Campiglia Marittima und der Colline Metallifere in der Toskana gehören. Der sogenannte «Fingerabdruck» sei ein ganz bestimmter Verhältniswert, der sich aus der Entstehungszeit der Metallerze und dem Herkunftsort des Metalls ergebe, erklärt Schaeren. Die Analyse habe Igor Villa am geologischen Institut der Uni Bern durchgeführt.

Das Zuger Beil, welches vor über 5000 Jahren vermutlich als Opfergabe im Wasser deponiert wurde, gehört zu den wenigen sicher datierten jungsteinzeitlichen Kupferbeilen in Europa. Der Pfahlbau Riedmatt wurde 2011 zusammen mit 110 weiteren solcher Fundstellen im Alpenraum zum Unesco-Welterbe erklärt. Weil man das genaue Alter der Klinge kenne, stelle sie «ein wichtiges Puzzleteil für die europäische Archäologie dar». Sie verdeutliche eine Vielzahl von kulturellen Verbindungen nach Süden sowie die Verteilungsnetze von Kupfer vor 5000 Jahren. «Diese wirkten bisher eher zusammenhangslos oder wurden unterbewertet», so Schaeren. Als das Kupferbeil 2008 gefunden wurde, habe es als Überrest der nordalpinen Kupferverarbeitung gegolten, die einige Jahrhunderte zuvor in den Pfahlbauten florierte.


Klinge ist ab Mittwoch ausgestellt

In zeitgleichen Fundstellen zur Riedmatt hätten Hinweise auf Kupferverarbeitung weitgehend gefehlt. «Es herrschte die Meinung, die alten Vorkommen hätten sich erschöpft und die Zuger Beilklinge sei wohl aus Altmetall recykliert worden. Dass dem nicht so ist, wissen wir nun auch dank der Analysen», sagt Schaeren. In der Toskana taten sich in der Zeit laut dem Experten neue Quellen für das begehrte Metall auf, die sogar über die Alpen hinweg Bedeutung entfalteten.
Die Zuger Kupferklinge ist ab Mittwoch im Museum für Urgeschichte(n) Zug ausgestellt.

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch


Hinweis
Am Donnerstag um 17 Uhr findet im Vereinslokal des türkischen Vereins die Vernissage des Jahrbuchs «Tugium» statt.

Die kleine Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt ist abgesehen von wenigen Kratzspuren auf der Oberseite unbeschädigt. Sie misst 6.5 Zentimeter. (Bild: Res Eichenberger)

Die kleine Kupferbeilklinge von Zug-Riedmatt ist abgesehen von wenigen Kratzspuren auf der Oberseite unbeschädigt. Sie misst 6.5 Zentimeter. (Bild: Res Eichenberger)

Einblick in Spundwandkasten: Die Fundschichten, in welchen die Klinge 2008 (gelber Pfeil) gefunden wurde, lagen unter sechs Meter mächtigen Aufschüttungen. (Bild: Rolf Glauser)

Einblick in Spundwandkasten: Die Fundschichten, in welchen die Klinge 2008 (gelber Pfeil) gefunden wurde, lagen unter sechs Meter mächtigen Aufschüttungen. (Bild: Rolf Glauser)

So könnte der Fundort Zug-Riedmatt im Delta der Lorze vor mehr als 5000 Jahren ausgesehen haben. (Bild: Rekonstruktionszeichnung: Eva Kläui und Eda Gross)

So könnte der Fundort Zug-Riedmatt im Delta der Lorze vor mehr als 5000 Jahren ausgesehen haben. (Bild: Rekonstruktionszeichnung: Eva Kläui und Eda Gross)