Archäologische «Schatztruhe» im Alpenblick

In den vergangenen 18 Monaten wurden bei der archäologischen Rettungsgrabung Alpenblick bei Cham Überreste von fünf prähistorischen Pfahlbaudörfern freigelegt. Darunter war auch das jüngste Steinzeit-Seeuferdorf der Schweiz überhaupt.

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Kurz vor Grabungsende kam als besonders wertvolles Fundstück ein Golddraht aus der Bronzezeit zum Vorschein. (Bild: PD)

Kurz vor Grabungsende kam als besonders wertvolles Fundstück ein Golddraht aus der Bronzezeit zum Vorschein. (Bild: PD)

Die Rettungsuntersuchungen der archäologischen Grabung Alpenblick bei Cham wurden termingerecht Anfang Dezember abgeschlossen. Dies meldet die Direktion des Innern des Kantons Zug.
«Wir haben bei der Kreditvorlage an den Kantonsrat gewusst, dass es sich beim «Alpenblick » um eine Schatztruhe handelt. Die Fülle der geborgenen Funde hat die Erwartungen übertroffen», freut sich Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard über die freigelegten Funde. Aufgrund der Vorabklärungen konnte angenommen werden, dass Reste von zwei jungsteinzeitlichen Dörfern gefunden werden. Nun wurden drei steinzeitliche Dorfanlagen und zwei spätere Dörfer entdeckt.

Kurz vor Grabungsende kam als besonders wertvolles Fundstück ein Golddraht aus der Bronzezeit zum Vorschein. (Bild: PD)

Kurz vor Grabungsende kam als besonders wertvolles Fundstück ein Golddraht aus der Bronzezeit zum Vorschein. (Bild: PD)

Bedeutender Fund

«Der jüngste gemessene Jahrring von 2420 vor Christus ist gleichbedeutend mit dem jüngsten jungsteinzeitlichen Seeuferdorf der Schweiz und dem vermutlich zweitjüngsten in Europa», so der Zuger Kantonsarchäologe Stefan Hochuli. «Fundmaterial aus dieser Zeitepoche ist sehr selten und für die Forschung deshalb von hohem Interesse.» Doch der Alpenblick bot noch weitere Überraschungen: Neben den drei Steinzeit-Dörfern wurden sogar gut erhaltene Reste einer jüngeren, frühbronzezeitlichen Siedlung freigelegt. "Nun konnten wir Überreste vieler Tongefässe aus grosser Tiefe bergen," erklärt der Kantonsarchäologe. Ebenfalls unerwartet waren Funde der mittleren Bronzezeit, die wohl zu einem fünften Pfahlbaudorf - der jüngsten prähistorischen Siedlung im Alpenblick - gehören.

Faszinierenden Einblick

Es sind ausserordentlich reiche Überreste vom täglichen Leben der Bewohnerinnen und Bewohner dieser Pfahlbaudörfer erhalten. Tief im Boden steckten Holzpfähle, die ehemals die Wände der Pfahlbauhäuser bildeten. Ihre Auswertung wird es erlauben, die einzelnen Gebäude der fünf Pfahlbaudörfer und damit auch das Aussehen der Dörfer selbst zu rekonstruieren. Vom täglichen Handwerk zeugen zahlreiche Werkzeuge aus Knochen und Feuerstein, steinerne Pfeilspitzen belegen die Jagd auf Wildtiere.


Harter und langer Rettungseinsatz

Die Rettungsgrabung war nötig geworden, weil nördlich der bestehenden Überbauung «Alpenblick » in Cham zwei neue Hochhäuser («Alpenblick II») mit einer Tiefgarage erstellt werden. Deshalb wurden gemäss gesetzlichem Auftrag vor Baubeginn die 5000 Jahre alten Siedlungsreste wissenschaftlich untersucht und die Funde sichergestellt. Für diese Rettungsgrabung hiess der Kantonsrat 2009 fast einstimmig einen Objektkredit von 4,27 Millionen Franken gut. Die Grabung begann im Juli 2009 und wurde termingerecht Anfang Dezember 2010 beendet.

pd/bep