ARMEE: Wo Feldgrün noch chic ist

Als eine von aktuell nur noch zwei Gemeinden im Kanton beherbergt Neuheim Wiederholungskurse. Dies ist die Geschichte eines unterirdischen Erfolgsmodells.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Vor der Lindenhalle in Neuheim befindet sich gegenwärtig der Fahrzeugpark des ansässigen Wiederholungskurses. (Bild Maria Schmid)

Vor der Lindenhalle in Neuheim befindet sich gegenwärtig der Fahrzeugpark des ansässigen Wiederholungskurses. (Bild Maria Schmid)

Raphael Biermayr

Früher waren sie auf vielen Pausenplätzen im Kanton präsent: Soldaten, die zur Freude der Schulkinder die von ihnen oft verschmähten Militärschokolade und -biscuits grosszügig verteilten. Heutzutage ist das fast nur noch eine Erinnerung. Denn ausser in Baar und Neuheim sind nirgends mehr Militärangehörige untergebracht. Die ebenfalls betriebene Anlage auf dem Gubel wird derzeit bekanntlich vom Bund als Asylzentrum genutzt. Auf dem Gelände davor werden ab und zu Militärübungen durchgeführt.

Der Hauptgrund für den Rückgang ist schnell ausgemacht: Die Armee ist kleiner geworden seit der grossen Reform im Jahr 2003. Darüber hinaus sei Zug «kein klassischer Militärkanton», wie Urs Marti sagt, der Leiter des Amts für Zivilschutz und Militär. Dieser Feststellung zu Grunde liegen die fehlenden Waffenplätze sowie das beschränkte Angebot an Unterkünften und Parkplätzen für die Fahrzeuge. Dennoch: Zug weist mehr Übernachtungen von Armeeange­hörigen aus als der Kanton Uri – letztes Jahr waren es rund 18 000. Für Unterkunft, Verpflegung sowie individuelle Ausgaben von Militärangehörigen wurde im Kanton Zug Schätzungen zufolge über 1 Million Franken ausgegeben.

Geld für die Gemeindekasse

In Neuheim aber empfängt man die feldgrünen Männchen mit offenen Armen. Gegenwärtig ist ein Wieder­holungskurs in der Unterkunft unter dem Feuerwehrdepot einquartiert. Die Fahrzeuge sind vor der Lindenhalle abgestellt, die von den Dienstleistenden als Sporthalle genutzt wird. Für die Gemeinde ist die Truppenbeherbergung ein einträgliches Geschäft, wie ein Blick in die Rechnungen der letzten Jahre zeigt. Die Zahlen variieren stark wegen der unterschiedlichen Belegschaft respektive unterschiedlich hoher Investitionen. Aber es hat in der Regel ein Gewinn resultiert – im Jahr 2014 waren es wegen einer hohen Bundesbeteiligung sogar 50 000 Franken.

Dieses unterirdische Erfolgsmodell ist auf den Weitblick eines Mannes zurückzuführen: Urs Inglin, seit 1987 auf der Gemeindeverwaltung tätig und mit einem militärischen Hintergrund ausgestattet, fühlte im Jahr 1992 beim Bund vor, ob dieser in der Gemeinde eine Truppenunterkunft bauen will. Er wollte – und die Neuheimer erstellten auf dieses kostenlose Fundament ihr Feuerwehrdepot. Seither benötigte die maximal 110 Personen fassende Anlage einige Auffrischungen. Einerseits, um den Vorgaben des zuständigen Bundesamts gerecht zu werden, andererseits auch auf Initiative der Gemeinde selbst. Das Ziel ist, so viele Truppen wie möglich zugeteilt zu erhalten, denn eine tiefe Belegung gefährdet den finanziellen Erfolg: Die Kosten für den Unterhalt der Anlage bleiben (2014 rund 7000 Franken). «Bis zu acht WK wären tragbar», rechnet Inglin vor.

Weniger Militär im Lokal

Die bisherige Rekordmarke liegt bei fünf. Wegen der geplanten weiteren Verschlankung der Armee dürfte eine hohe Auslastung mit Zusatzanstrengungen seitens der Gemeinde verbunden sein. Für den Amtsleiter ist aber klar: «Im Fall eines Verlustgeschäfts wäre es sehr heikel, weiterhin Truppen unterzubringen.» Doch nicht nur die Gemeindekasse freut sich über das Militär. Wie üblich profitieren auch die ansässigen Geschäfte. Im Fall der Kleingemeinde sind das vor allem das Hotel-Restaurant Schäfli, die Bäckerei Staub und der Volg. Aus dem «Schäfli» heisst es allerdings, die Besuche von Soldaten im Lokal hätten grundsätzlich abgenommen. «Es variiert stark von WK zu WK», hat die Wirtin Gaby Staub festgestellt, die seit 2003 im Dorf tätig ist. Auch die Herkunft der Soldaten spiele eine Rolle: «Westschweizer sieht man nie ausgehen – es sei auch, weil es hier in der Gegend zu teuer sei.» Dass viele Soldaten im Ausgang den Bus – oder den manchmal selbst eingerichteten Shuttleservice – nach Zug nehmen, versteht Staub: «In einer Stadt gibt es halt für junge Männer mehr zu erleben.»

Besondere Aktionen, um das Militär ins Haus zu locken, hätten sie und ihr Mann nie unternommen. «Das würden die Stammgäste nicht verstehen», mutmasst Staub. Was ist mit dem Hotelgeschäft? Die Offiziere übernachten während der WK in der Regel in Hotels. Gaby Staub sagt, sie hätte immer mal wieder Gäste vom Militär beherbergt. Doch mit seinen nur neun Betten musste das «Schäfli» eine Reservationsanfrage auch schon abschlägig beantworten. Dieses Jahr sei indes keine Anfrage eingegangen, denn die «Hohen» schlafen offenbar auch in der Unterkunft. Dort gibt es einen Offiziersbereich.