Astrounaut Claude Nicollier zu Gast in Zug: «Die NASA betonte immer wieder: Misserfolg ist keine Option!»

Zum 50-Jahr-Jubiläum der Zuger Volkshochschule Loreto hielt am Freitag der Astronaut Claude Nicollier einen Vortrag an der Kantonsschule Zug. 20 Jahre nach seinem letzten Ausflug ins All erzählte er von seinen Erlebnissen.

Janis Büchel
Hören
Drucken
Teilen
Astronaut Claude Nicollier spricht in der Aula der Kantonsschule Zug.

Astronaut Claude Nicollier spricht in der Aula der Kantonsschule Zug. 

Matthias Jurt, Zug,
29. November 2019

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, setzte Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuss auf den Mond. Ebenfalls 1969 wurde von der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug das Loreto - früher Freizeitanlage Loreto/Volkshochschule Zug genannt - eröffnet.

Sprachen lernen, Wissen vertiefen, Fähigkeiten entdecken, Ideen umsetzen – das alles bieten die Freizeitkurse. In den eigenen Werkstätten können mit Holz, Metall, Keramik und anderen Materialien kreative Ideen umgesetzt werden. Jährlich werden in Kursen und Werkstätten insgesamt rund 35'000 Eintritte verzeichnet.

Aus Anlass zu diesem doppelten Jubiläum wurde der renommierte Schweizer Astronaut Claude Nicollier eingeladen. Christof Theiler, Geschäftsführer des Loretos, begrüsst die zahlreichen Interessierten.

Schon als kleiner Junge träumte Claude Nicollier vom Weltraum. «Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für den Himmel, Flugzeuge und die Raumfahrt», erzählt Nicollier in seinem Vortrag. Er diente der Schweizer Armee als Milizpilot in der Fliegerstaffel 5 und flog 22 Jahre auf dem Hawker Hunter. Weiter studierte er Physik in Lausanne und später Astrophysik in Genf. 1978 gelang Nicollier die Aufnahme in die erste Astronautengruppe der ESA, der europäischen Weltraumorganisation. So konnte er die Rekrutierung zum Astronauten beginnen.

Wettlauf zum Mond

1961 öffnete der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin die Türen zum Weltraum. Kurze Zeit später kündigte Präsident John F. Kennedy das Apollo-Programm an. Noch im gleichen Jahrzehnt vollbrachten es die Amerikaner, die ersten Menschen sicher zum Mond und wieder zurück zu bringen. Insgesamt sechs Mal gelang ihnen eine erfolgreiche Mondlandung. Im Dezember 1972 stand bei der Apollo 17-Mission zum letzten Mal ein Mensch auf dem Mond. «Das Apollo-Programm entstand durch den Wettbewerb im Kalten Krieg zwischen den Amerikanern und der Sowjetunion», erklärte Nicollier.

«Prinzipiell war die Landung auf dem Mond ein politisches Ziel.»

Claude Nicollier verbrachte auf vier Missionen insgesamt 43 Tage im Weltraum. Während seiner Zeit bei der NASA lebte er 25 Jahre in Houston, USA, wo er durch diverse Jobs und viel Training auf seinen ersten Flug vorbereitet wurde. Im Sommer 1992 war es dann soweit: Nicollier war Teil der Spaceshuttle-Mission STS-46 und flog als erster Schweizer ins All.

Atemberaubende Aussicht auf die Erde

Seine erfolgreichste Mission gelang ihm und seinem Team im Dezember 1993. Die Mission STS-61 hatte das Ziel, den Fehler des Hauptspiegels des Hubble-Weltraumteleskops zu korrigieren, um scharfe Aufnahmen von Sternen und Galaxien machen zu können. «Es dauerte nur achteinhalb Minuten, um nach dem Start die Umlaufbahn 600 Kilometer über der Erde zu erreichen», so der Astronaut begeistert.

«In der wenigen Freizeit, die wir während dem Flug hatten, bestaunten wir die atemberaubende Aussicht auf unseren Planeten.»

Das Publikum staunte während des Vortrags über die faszinierenden Bilder, die seine Präsentation untermalten.

Seine letzte Mission bestritt Claude Nicollier im Dezember 1999 mit der Mission STS-103; die Destination war wieder das Hubble-Weltraumteleskop. Während acht Stunden arbeitete er am Teleskop und meisterte so seinen ersten Weltraumspaziergang. «An Weihnachten verliessen wir das Teleskop wieder, das war schon emotional», sagte Nicollier. «Trotz der Aussicht mussten wir unsere Arbeit sehr ernst nehmen, die NASA betonte immer wieder: Misserfolg ist keine Option!»

Die USA will mit dem Artemis-Programm in Zukunft wieder bemannte Flüge zum Mond durchführen und später irgendwann zum Mars. Wann dies aber der Fall sein wird, steht noch in den Sternen. Der Vortrag von Claude Nicollier zeigte dem Publikum faszinierend auf, was alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt und auch bereit ist, ein Risiko einzugehen.

Mehr zum Thema

Mit einem Astronauten auf Tuchfühlung

Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Freizeitanlage Loreto hält der Schweizer Austronaut Claude Nicollier in Zug einen Vortrag. Das Loreto und die Mondlandung haben mehr gemeinsam, als gedacht.
Serie

50 Jahre Mondlandung

Vor 50 Jahren – am 21. Juli 1969 – betrat der erste Mensch den Mond. Alles zur Mondlandung gibt es in den nachfolgenden Artikeln: