ASYL: Asylwesen: Jetzt soll der Kanton Zug aktiv werden

Die Regierung soll Integrationsklassen für Flüchtlingskinder einführen. Das fordern Kantonsräte in einer Motion. Damit sollen auch die Schulen entlastet werden.

Samantha Taylor
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«Unser Anliegen zielt in zwei Richtungen.» Andreas Hostettler, FDP-Kantonsrat, Baar. (Bild: pd)

«Unser Anliegen zielt in zwei Richtungen.» Andreas Hostettler, FDP-Kantonsrat, Baar. (Bild: pd)

Flüchtlingskinder sollen im Kanton Zug in speziellen Klassen unterrichtet, auf unser Schulsystem vorbereitet und mit den kulturellen Gegebenheiten vertraut gemacht werden. Diese Forderung stellt eine Gruppe von Kantonsnräten in einer Motion. Ihre Idee: zentrale kantonale Integrationsklassen. Das Anliegen ist über Parteigrenzen hinaus abgestützt. Die Motionäre sind Esther Haas (Alternative-die Grünen, Cham), Andreas Hostettler (FDP, Baar), Peter Letter (FDP, Oberägeri), Beat Unternährer (FDP, Hünenberg), Beat Iten (SP, Unterägeri), Zari Dzaferi (SP, Baar), Pirmin Andermatt (CVP, Baar) und Karin Andenmatten (CVP, Hünenberg). Der Massnahmenkatalog der Motionäre ist ausführlich. So verlangen sie von der Regierung unter anderem, dass in diesen kantonalen Integrationsklassen alle schulpflichtigen Kinder aus dem Asylbereich zu unterrichten seien. Die Klassen sollen an mehreren zentralen Standorten geführt werden. «Idealerweise sollten diese in der Nähe zu den bestehenden oder geplanten Durchgangszentren positioniert sein.» Die Motionäre verlangen weiter, dass die Schulung mindestens ein Jahr dauert und jeder Schüler durch den schulpsychologischen Dienst abgeklärt und begleitet wird. «Die Zielsetzung der Integrationsklassen ist die Sicherstellung und Gewährleistung der Anschlussfähigkeit an die gemeindlichen Schulen und umfasst die sprachlichen sowie verhaltensmässigen Voraussetzungen für die Integration in eine Schulklasse der Gemeindeschulen», führen die Motionäre weiter aus. Kinder aus dem Asylbereich, die noch nicht schulpflichtig seien, sollen in einer «Deutschspielgruppe» betreut und auf die Schule vorbereitet werden.

Heute eine grosse Herausforderung

«Unser Anliegen zielt in zwei Richtungen», sagt Andreas Hostettler, der mit Esther Haas die treibende Kraft hinter dem Vorstoss war. «Es geht uns einerseits darum, dass die Flüchtlingskinder gut betreut und möglichst rasch integriert werden können.» Andererseits sei es auch Ziel, die gemeindlichen Schulen zu entlasten. «Die Schulen in den Gemeinden stehen bereits heute vor grossen integrativen und auch organisatorischen Herausforderungen. Mit den zusätzlichen Kindern aus dem Asylbereich leidet die Qualität der Regelklassen», führt Hostettler weiter aus.

Denn: Heute ist die Schulung von Flüchtlingskindern Sache der Gemeinden und damit der gemeindlichen Schulen. «Die Gemeinden sind grundsätzlich zuständig für die obligatorische Schulzeit und damit für die Integration von Flüchtlingskindern», sagt Werner Bachmann, Leiter des Amts für gemeindliche Schulen. Allerdings könne man nicht pauschal sagen, dass alle Kinder in einer Regelklasse integriert werden können. «Einzelne Gemeinden betreiben Kleinklassen, in denen vor allem Deutsch gelernt wird. Diese Klassen werden teilweise von Flüchtlingskindern besucht», so Bachmann weiter. Grundsätzlich sei es aber so, dass das Thema nicht zentral beim Kanton geregelt sei. Bachmann: «Wir haben schon Rückmeldungen von Schulleitungen erhalten, die in die Richtung der Motionäre gehen und die sich Unterstützung des Kantons wünschen.»

Vorstoss sei sinnvoll

Das bestätigt auch Manuela Weichelt, Direktorin des Innern. Zurzeit seien im Kanton 141 Kinder aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich im schulpflichtigen Alter. Die dem Kanton Zug zugewiesenen Erwachsenen und Kinder werden zuerst in der Durchgangsstation Steinhausen aufgenommen. Während dieser Zeit besuchten die Kindergartenkinder den Kindergarten in Steinhausen und die älteren Kinder die Kleinklasse Deutsch in Cham. «Mit dem Übertritt von der Durchgangsstation in eine längerfristige Unterkunft in einer Gemeinde werden die Kinder meist in der Regelklasse eingeschult, obwohl unter Umständen ihre Sprachkenntnisse noch nicht optimal sind», so Weichelt. Je nach Bedarf würden die Kinder darum zusätzlich durch Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache unterstützt.

Sowohl die Direktorin des Innern wie auch Bildungsdirektor Stephan Schleiss erachten den Inhalt des Vorstosses darum als sinnvoll. «Pädagogisch halte ich den separativen Ansatz mit Spezialklassen für fremdsprachige Kinder aus dem Asylbereich für Erfolg versprechend», so Schleiss. In der «Task Force Asyl», die die Regierung aktuell im Einsatz hat, würden die zuständigen Arbeitsgruppen die Schaffung von regionalen Integrationsklassen prüfen. «Ob und wie der Ansatz sinnvoll umgesetzt werden kann, wird zurzeit abgeklärt. Es geht insbesondere auch um formelle, finanzielle und auch logistische Fragen», so der Bildungsdirektor.

Für die Motionäre ist eine möglichst rasche Behandlung zentral. «Wir hoffen nun, dass der Vorstoss an der Kantonsratssitzung im Februar überwiesen und für dringlich erklärt wird», sagt Hostettler.

Samantha Taylor

Damit sich Flüchtlingskinder im Zuger Schulalltag schneller zurecht finden, soll es Integrationsklassen geben. Dies fordern einige Kantonsräte. (Symbolbild Keystone / Christian Beutler)

Damit sich Flüchtlingskinder im Zuger Schulalltag schneller zurecht finden, soll es Integrationsklassen geben. Dies fordern einige Kantonsräte. (Symbolbild Keystone / Christian Beutler)