ASYL: Zug gibt bei Integrations-Lehre Gas

Ab Sommer 2018 sollen schweizweit rund 800 Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine Integrationsvorlehre absolvieren. Finanziell gefördert wird diese vom Bund, umsetzen müssen sie die Kantone. Im Kanton Zug läuft sie bereits.

Christopher Gilb
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Deutschunterricht für Asylbewerber aus Eritrea. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Deutschunterricht für Asylbewerber aus Eritrea. (Archivbild: Philipp Schmidli)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Wie können Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene für den hiesigen Arbeitsmarkt fit gemacht werden? Diese Frage steht immer wieder politisch im Raum. Denn wer den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht schafft, wird in der Konsequenz zum Sozialfall und verursacht hohe Kosten. Ein neues vierjähriges Pilotprogramm des Bundes soll nun eine mögliche Antwort auf diese Frage liefern.

Ab 2018 sollen jährlich schweizweit rund 800 Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine sogenannte Integrationsvorlehre absolvieren (Ausgabe vom 2. Oktober). Pro Platz und Jahr zahlt der Bund den Kantonen für die Umsetzung 13000 Franken. 19 Kantone haben bis Mitte September beim Bund einen Vorschlag eingereicht, wie sie diese Lehre jeweils umzusetzen gedenken. Darunter auch der Kanton Zug. «Wir hoffen nun, das unser Vorschlag gutgeheissen wird, die Antwort erhalten wir im November», sagt Sandra Buchenberger, Bereichsverantwortliche Kommunikation und Pädagogik beim Amt für Berufsbildung des Kantons Zug. Dieses ist für die Entwicklung der kantonalen Um­setzungsvariante des Bundesprojekts zuständig.

Platz für 15 Flüchtlinge

Nun teilt das Amt auf Nachfrage erste Details dazu mit. 15 Personen sollen im Kanton Zug jährlich diese Integrationsvorlehre absolvieren können, und dies in Berufen, die im Gewerblich-indus­triellen Bildungszentrum (GIBZ) beschult werden, wie beispielsweise Automobil-Assistent, Assistent Gesundheit und Soziales, Hauswirtschaftspraktiker oder Küchenangestellter, erklärt Sandra Buchenberger. Dauern soll die Vorlehre ein Jahr. «Voraussetzung, dass ein Unternehmen diese anbieten darf, ist jedoch, dass es gewillt ist, dem Flüchtling anschliessend eine normale Lehrstelle anzubieten.» Sofern dieser natürlich bestehe. Durch dieses Kriterium soll gesichert werden, dass der Flüchtling durch die Vorlehre eine nachhaltige Perspektive erhalte und anschliessend auf ein eidgenössisches Berufsattest oder Fähigkeitszeugnis hinarbeiten könne. Aber auch nicht jeder Flüchtling kommt für eine Inte­grationslehre in Zug in Frage. «Es gibt gewisse Kriterien, die erfüllt sein müssen», sagt Buchenberger. So müsse dieser unter anderem mindestens 16 Jahre alt sein, über Grundkompetenzen, zu denen unter anderem Pünktlichkeit, aber auch ein gewisses Mass an Deutschkenntnissen gehören, verfügen und eine umfassende Potenzialabklärung beim Berufsinformationszentrum durchlaufen haben.

Praktische Prüfung als Lehrabschluss

Falls er die Stelle erhalte, habe er während der Vorlehre dann analog zur klassischen Lehre zwei Tage pro Woche schulischen Unterricht und drei Tage sammelt er in seinem Ausbildungsbetrieb Praxiserfahrung. Um zu bestehen, muss am Ende dann eine praktische Prüfung im Betrieb absolviert werden. Laut Buchenberger gebe es bereits erste Betriebe, die gerne eine solche Lehre ab August 2018 anbieten würden. Zuständig für die schulische Umsetzung der Vorlehre ist das GIBZ gemeinsam mit dem Amt für ­Brückenangebote. Bei Letzterem ­seien bereits bestehenden Strukturen und Erfahrungen aufgrund des Integrationsbrückenangebots (IBA) vorhanden.

Dass im Kanton Zug schon Strukturen vorhanden sind und es deshalb nicht nötig ist, diese bis Mitte nächstens Jahrs aufzubauen, ist auch der Grund, wieso der Kanton Zug einer von vier Kantonen ist, die schon jetzt eine Art Pilotprojekt der Integrationsvorlehre gestartet haben. Wie die anderen drei Kantone hat er beim Staatssekretariat für Migration (SEM) ein Gesuch für eine Mit­finanzierung von Vorlehren, die bereits im Sommer 2017 gestartet haben, eingereicht. «Wir wollten keine wertvolle Zeit verstreichen lassen und haben innert kürzester Frist ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt», so Buchenberger. «Da dafür schon Betriebe auf uns zugekommen sind, konnte dieser bereits mit vier Verträgen gestartet werden, unter ­anderem mit folgenden Berufen: Hauswirtschaftspraktikerin, Haustechnikpraktiker und Dachdecker.» Finanziert wird das Pilotprojekt derzeit noch aus den Mitteln für das IBA 20+. «Dieses Angebot haben wir mit den bestehenden Ressourcen an die Integrationsvorlehre angepasst», sagt Sandra Buchenberger. Man rechne aber damit, dass das Pilotprojekt vom SEM ab Januar 2018 mitfinanziert werde.