ASYLWESEN: Die Integration ist Knochenarbeit

Vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen einen Arbeitsplatz zu vermitteln, ist eine Herkulesaufgabe. Dank kurzer Wege gelingt dieses Vorhaben im Kanton Zug erstaunlich gut. Es hilft auch, dass Zug schon früh gewisse Hürden niedergerissen hat.

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Adem Yacob auf dem Enikerhof der Familie Rüttimann in Cham. (Bild: Carla Dittli)

Adem Yacob auf dem Enikerhof der Familie Rüttimann in Cham. (Bild: Carla Dittli)

Marco Morosoli
marco.morosoli@zugerzeitung.ch


Er hat es geschafft. Der 23-jährige Adem Yacob aus Eritrea arbeitet seit Anfang Mai als landwirtschaftlicher Mitarbeiter auf dem Enikerhof in Cham. Bis zu dieser Festanstellung haben er und auch verschiedene Stellen grosse Anstrengungen unternehmen müssen. Das zeigt sich daran, welche Parteien beim Projekt «Asylsuchende in der Landwirtschaft» alles involviert sind. Es sind mit von der Partie der Soziale Dienst Asyl, das Amt für Wirtschaft und Arbeit, die Berufsintegration der GGZ@Work, der Zuger Bauernverband und das landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Schluechthof.

Der grosse Einsatz lohnt sich. Per Ende April 2017 hat die Erwerbsquote der vorläufig Aufgenommenen 37,3 Prozent erreicht. Bei anerkannten Flüchtlingen liegt der Wert bei 36,1 Prozent. Beide Zahlen liegen viel höher als der Schweizer Durchschnitt. Noch besser sieht die Erwerbsquote bei anerkannten Flüchtlingen aus, die seit vier bis fünf Jahren in der Schweiz sind. Dieser Wert liegt im Kanton Zug bei 51,4 Prozent (Durchschnitt 28,3 Prozent). «Auf den Spitzenplatz bei der beruflichen Integration in diesem Bereich sind wir stolz», sagt denn auch Frau Landammann Manuela Weichelt-Picard. Die Vorsteherin der Direktion des Innern fügt dann noch an: «Wir wollen diese Position behalten.» Das koste zwar viel Geld, aber «wenn wir es nichts machen, kostet es uns noch mehr». Der Kanton Zug hat gestern an einer Pressekonferenz die Stossrichtung für die berufliche Integration im Asylwesen präsentiert. Grundlage bildet ein detailliertes Konzept, das davon profitiert, dass der Kanton Zug schon im Jahre 2000 bestimmt hat, dass Personen eine Lehrstelle antreten dürfen, sofern ihr Aufenthalt für zwei Jahre gesichert ist. Das vorgelegte Konzept baut auf bisherigen Strukturen mit gut funktionierenden Schnittstellen auf und ist für sämtliche Teilnehmer am Integrationsprozess eine verlässliche Richtschnur.

Da rund 50 Prozent der derzeit dem Kanton zugewiesenen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen unter 25 Jahre alt sind, besteht noch eine grosse Zuversicht, sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Weichelt sagt: «Sie sind motiviert und lernwillig, haben ihre Zukunft noch vor sich. Dies müssen wir gezielt nutzen.» Erster Knackpunkt ist, so sagt Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes, Deutsch zu lernen. Mit den Kursen in dieser Sprache soll möglichst früh begonnen werden. Aber auch anderer Schulstoff muss noch nachgeholt werden. Kommunikation ist wichtig, aber auch andere Fähigkeiten wie Rechnen sind ebenso ein notwendiges Rüstzeug für den beruflichen Erfolg. Auch soll schnell nach der Ankunft der Asylsuchenden abgeklärt werden, welche Beschäftigung in Betracht gezogen werden könnte. So kann der Förderbedarf ermittelt werden. Dafür wendet der Kanton viel Geld auf. Der Bund bezahlt pro zugewiesenen Flüchtling eine einmalige Pauschale von 6000 Franken. Manuela Weichelt sagt aber, dass für deren Betreuung eine Summe von 20 000 Franken pro Person eingesetzt werden muss. Hier bestehe Gesprächsbedarf mit dem Bund.

Integration macht auch volkswirtschaftlich Sinn

Doch es gilt in Sachen Flüchtlinge keine Zeit zu verlieren, wie Jris Bischof betont: «Je länger jemand keine Arbeit findet, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.» Zupass kommt dem Kanton dabei die Kleinräumigkeit. «Bei uns sind die Wege kurz», sagt Manuela Weichelt. Ziel ist es, dass möglichst viele Flüchtlinge einen Berufsabschluss machen können.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt ein Segen. Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel sagt: «Es liegt in der Verantwortung von Kantonen und Gemeinden, dass wir uns frühzeitig um all jene Personen kümmern, die aufgrund unserer schweizerischen Gesetzgebung ein vorläufiges Bleiberecht haben.» Diese Menschen sollen möglichst rasch derart integriert werden, «dass sie befähigt sind, wirtschaftlich und persönlich auf eigenen Beinen zu stehen». Mehr noch: Eine integrierte Person könne «sich volkswirtschaftlich und gesellschaftlich einbringen und unsere einheimische Bevölkerung bereichern». Jris Bischof vom kantonalen Sozialamt vergisst nicht zu erwähnen, dass es «eine Realität ist, dass nicht alle Asylsuchenden» in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können.

Die Gründe dafür sind, so sagt Michel, mannigfaltig: «Zu unterschiedlich sind die kulturellen, sprachlichen und bildungsbezogenen Voraussetzungen dieser Menschen.» Erschwerend kämen oft schwierig zu verarbeitende, traumatische Erlebnisse hinzu. Der Fokus liege auf der Jugend und auf Menschen mit einer Erfolg versprechenden Ausgangslage. Doch auch die anderen, so Michel, sollen entsprechend der wesentlichen Bedürfnisse unterstützt und gefördert werden.