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ASYLWESEN: In Zug ist Aufklärung für einen Teil der Asylsuchenden Pflicht

Im Kanton müssen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchende Sexualkunde- und Aufklärungskurse besuchen. Im Unterricht geht es oft um alltägliche Themen und kulturelle Unterschiede.
Samantha Taylor
Der Kanton Zug hat mit dem Aufklärungsunterricht für Asylsuchende gute Erfahrungen gemacht. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally)

Der Kanton Zug hat mit dem Aufklärungsunterricht für Asylsuchende gute Erfahrungen gemacht. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Sprache lernen, die Kultur verstehen, nach Möglichkeit einen Weg in den Arbeitsmarkt finden: Flüchtlinge und Asylsuchende, die in die Schweiz kommen, sollen sich integrieren. Diese Meinung vertritt wohl ein Grossteil der Bevölkerung.

Der Kanton Zug bietet dazu in verschiedenen Bereichen Unterstützung an. So wird etwa im Kanton die berufliche Ausbildung von vorläufig Aufgenommenen bereits seit dem Jahr 2000 gefördert. Arbeit und Sprache sind allerdings nicht die einzigen Bereiche, in denen sich der Kanton engagiert.

Auf dem Zuger Integrationsprogramm stehen auch die Themen Sexualkunde und Aufklärung. So bietet der Kanton Aufklärungskurse für Flüchtlinge an. Laut Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes, arbeitet der Kanton dabei mit der Zuger Frauenzentrale zusammen. Die Kurse sind für unbegleitete Minderjährige Asylsuchende (UMA) obligatorisch. Wie Bischof ausführt, nutzen aber auch immer wieder Erwachsene, die in der Durchgangsstation Steinhausen leben, das Angebot.

Angebot besteht seit 2015

Der obligatorische Aufklärungskurs für UMA wird im Kanton laut Bischof seit dem Jahr 2015 durchgeführt, also seit der Bund dem Kanton UMA zuweist. «Im Sinne einer umfassenden Integration waren und sind die Themen aus dem Kurs aber schon immer Teil des Integrationsauftrags unserer Mitarbeitenden und der punktuell eingekauften Integrationskurse im Kanton», erklärt Bischof.

Thematisiert werden in dem Unterricht unter anderem die Themen Sexualität, Pubertät, Schwangerschaft, Abtreibung, Verhütung oder sexuell übertragbare Krankheiten. Daneben geht es laut Bischof aber auch um ganz andere, ganz alltägliche Bereiche.

Denn die Kantone hätten den Auftrag, den Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich die schweizerischen Normen und Werte zu vermitteln. «In der täglichen Arbeit unserer Mitarbeitenden an der Front, also in der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen, gehört das Thema Sexualität und Aufklärung zwar dazu.

Genauso wichtig sind aber das Thematisieren des Umgangs zwischen den Geschlechtern, allgemeine Verhaltensregeln oder Rechte und Pflichten in einer gleichberechtigten Gesellschaft.»

Dies nicht zuletzt, weil zahlreiche Flüchtlinge aus Ländern oder Kulturkreisen kommen, in denen diesbezüglich andere Regeln, Ansichten und Gewohnheiten herrschen. «Insbesondere bei Themen wie Heirat, Jungfräulichkeit oder Homosexualität gibt es Unterschiede», sagt Bischof.

Das Interesse scheint gross

Mit den Kursen hat man im Kanton bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Das bestätigt Markus Noser. Er ist Leiter Beratung und Prävention bei der Frauenzentrale. «Die Teilnehmer, vor allem die Jugendlichen, sind erst oft etwas verhalten. Nach einer gewissen Zeit legen sie dies aber ab und man spürt ein grosses Interesse und auch grosse Dankbarkeit.»

Diesbezüglich seien UMA nicht anders als Schweizer Jugendliche. «Auch Schweizer Jugendliche sind erst oft zurückhaltend und geben sich beim Thema Sexualität gerne so, als wüssten sie alles. Wenn man dann aber etwas genauer hinschaut, merkt man rasch, dass das Wissen oft nicht sehr gross ist», so Noser.

Zudem seien die Themen rund um die Sexualität in der Pubertät sowohl bei UMA wie auch bei Schweizer Jugendlichen häufig schambesetzt. Auch aus diesem Grund werden die Kurse, die jeweils ungefähr einen halben Tag dauern, für Flüchtlinge in reinen Männer- und Frauengruppen unterrichtet. Das erleichtere den Unterricht und führe zu einer entspannteren Atmosphäre und man komme so besser an die Teilnehmer heran.

Markus Noser betont aber auch, dass die Sexualkunde nur ein Teil des Unterrichts sei. «Der Kurs bietet vielen auch eine Art Kommunikationsunterstützung. Das ist mindestens so wichtig.»

Dabei gehe es um ganz simple Fragen wie: Wie spricht man jemanden an? Wie kommt man mit Einheimischen in Kontakt? «Es geht darum, dass die Jugendlichen lernen, die kulturellen Codes richtig zu lesen und diese anzuwenden.

Für viele sei es nicht einfach zu verstehen, dass es in einer so freien Gesellschaft – einer oft freieren, als die Teilnehmer kennen, trotzdem zahlreiche Grenzen gebe. Noser: «Gerade deshalb sind die Kurse so wichtig und wertvoll.»

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