Leserbrief

Auch einmal eine andere Meinung

«Schulen hätten schon letzte Woche öffnen sollen», Ausgabe vom 27. April

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Ich möchte dieser Zeitung recht herzlich danken für das Interview mit dem Infektiologen Pietro Vernazza. Endlich getraut man sich, auch eine andere Meinung zu veröffentlichen. Denn was bisher von unseren Medien, allen voran dem Staatsfernsehen SRF aber auch vom Grossteil der Medien an Coronainformationen verbreitet wurde, ist einer Demokratie nicht würdig. Ich rede dabei nicht vom Zeitraum bis Ende März, ein Schulterschluss am Anfang war sicherlich nötig. Aber seit April wäre es den Medien gut angestanden, differenzierter zu berichten. Fakt ist, dass der Höchststand an Neuinfizierungen am 27. März stattfand. Fakt ist ebenso, dass die Spitäler nie an ihre Kapazitätsgrenzen kamen. Fakt ist, dass bis zum 26. April nur 34 Tote zu beklagen sind, die jünger als 60 Jahre waren. Fakt ist auch, dass man bei den über 60-Jährigen gar nicht weiss, wie viele am oder mit dem Virus gestorben sind. Gemäss K-Tipp gibt es keine relevante Abweichung der Anzahl Toten in den ersten 14 Wochen der Jahre 2015 und 2020 in dieser Altersgruppe! All die Horrorszenarien, die uns der Bundesrat und viele Virologen und Epidemiologen erzählt haben, waren nur darauf ausgerichtet, die Bevölkerung zu verunsichern.

Das wäre jedoch meines Erachtens nie gelungen, wenn die Medien nicht so willig mitgemacht hätten. Es gab schon von Anfang an anerkannte Wissenschaftler, die den Lockdown-Massnahmen kritisch gegenüber standen. Nur, ihre Meinungen wurden durch die Medien konsequent ignoriert. Dies obwohl die Medien hätten feststellen müssen, dass die Entscheide des Bundesrates wissenschaftlich nicht gut abgestützt waren, und dass die Argumentation lückenhaft war. Länder mit Lockdown-Massnahmen wurden uns als gute Beispiele verkauft, während Schweden als Horrorszenario galt. Fakt ist, dass am 26. April Schweden ohne Lockdown-Massnahmen 463 Neuinfizierte gemeldet hat, während Singapur 931 und Portugal 472 Neuinfizierte hatten, trotz Lockdown-Massnahmen.

Schlimm für mich ist, dass aufgrund dieser einseitigen Kommunikation ein grosser Teil der Bevölkerung offensichtlich sehr verunsichert ist, ja sich sogar dem Denunziantentum verpflichtet fühlt. Wenn der Bundesrat und das BAG nun plötzlich zurückrudern müssen, z.B. Masken, Kleinkinder kann man umarmen etc., ist der Vertrauensverlust gegeben. Aber Vertrauen in diese Institutionen braucht es für die Zukunft. Wenn der Bundesrat eine Tracing App oder am Ende eine Impfung einführen will, wer glaubt ihm dann noch? Und genau deshalb wünschte ich mir Journalisten, die ausgewogen berichten würden. Damit zwingt man die Behörden, nicht nur Klientelpolitik betreiben zu können.

Stefan Betschart, Cham