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Zuger Bloggerin gibt Tipps, wie man Abfall vermeiden kann

Auf ihrem Blog «Outside the Box» beschäftigt sich Marie Hélène Westholm mit Ideen zur Abfallvermeidung. Dafür interviewt sie spannende Personen aus aller Welt und macht den einen oder anderen Selbstversuch.
Interview: Christopher Gilb
Ihren Blog zu pflegen, bereitet der 35-Jährigen viel Freude. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 25. Februar 2019))

Ihren Blog zu pflegen, bereitet der 35-Jährigen viel Freude. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 25. Februar 2019))

Die Französin Marie Hélène Westholm lebt seit zwei Jahren im Kanton Zug. Nach Stationen in Skandinavien und Dubai zog sie mit ihrer Familie aus beruflichen Gründen und wegen der Nähe zu ihrer Heimat Frankreich in die Schweiz um. Seit Mitte 2017 betreibt die Umweltmanagerin in der Freizeit ihren Blog auf «outsidetbox.com». Zwei bis drei Artikel veröffentlicht die 35-Jährige pro Woche.

Marie Hélène Westholm, wie wurden Sie zur Nach- haltigkeitsbloggerin?

Das lief über mehrere Etappen: Die Natur lag mir schon von klein auf am Herzen. Meine Mutter ist Französin und mein Vater Schwede. Der nachhaltige Umgang mit der Umwelt ist Teil der schwedischen DNA. Das wurde mir mit auf den Weg gegeben. Da ich aber in der Grossstadt Paris aufwuchs, wo es wenig Natur gibt, war diese teils etwas abstrakt für mich. Das änderte sich beim gemeinsa- men Urlaub in Schweden, wo wir irgendwo im Nirgendwo campen waren und ich die Schönheit der Natur hautnah erlebte.

Und dann wurden Sie Umweltmanagerin?

Ja, zuletzt lebte ich mit meiner Familie in Dubai. Ich habe dort im Bereich Green Buildings gearbeitet, also bei der Konzipierung von Häusern mit hoher Ressourceneffizienz und möglichst minimen Auswirkungen auf die Umwelt. Da Dubai sich rasant entwickelt, gibt es diesbezüglich diverse Projekte. Die Welt verändert sich überhaupt. Immer mehr konzentriert sich auf Grossstädte. Um so spannender sind Projekte, in denen es darum geht, durch vorausschauende Planung die Natur in die Stadt zu integrieren. Das reizt mich. Da mein Mann, der aus dem Schwarzwald stammt, einen neuen Job in Zug fand und wir auch wieder näher bei unseren Familien sein wollten, zogen wir um.

Und hier starteten Sie dann mit dem Bloggen?

Der Arbeitsmarkt im Bereich Umweltmanagement ist überschaubar, es ging also einige Zeit, bis ich meinen heutigen Job bei ABB in Baden fand. So hatte ich Zeit, ein lang gehegtes Projekt umzusetzen. Ein Blog, auf dem ich Ideen rund ums Thema Nachhaltigkeit, beispielsweise zu Zero Waste, also einem Leben mit möglichst wenig Abfall, sammeln kann und wo sich Leute zu dem Themenbereich austauschen können. Seitdem versuche ich, rund zwei bis drei Beiträge wöchentlich zu veröffentlichen.

Wie finden Sie Ihre Interviewpartner?

Über den Mann, der leidenschaftlich alte Spielzeuge repariert, habe ich beispielsweise einen Beitrag im französischen Fernsehen gesehen und ihn dann angeschrieben, ob er mir ein paar Fragen beantworten könnte. Er machte mit. Es funktioniert immer nach dem gleichen Schema: Die Leute erzählen von ihrem Beitrag zur Minimierung der Ressourcenverschwendung oder von ihrem persönlichen Einsatz für die Umwelt und darüber, welche Erfahrungen sie damit machen.

Der neuste Beitrag ist ein Interview mit einer Deborah aus Zug.

Sie macht vieles im Bereich Zero Waste. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und um Abfall zu vermeiden, stellt sie beispielsweise teils Hygiene- und Kosmetikprodukte selbst her. Sogar das Haarwachs für ihren Mann, was aber, wie sie mir berichtet hat, noch nicht so gut funktionierte. Ihr Fazit ist aber eben, es immer wieder zu versuchen und zu experimentieren. Diesen Tipp gibt sie auch den Lesern des Blogs.

Sie beschreiben auch regelmässig Ihren Selbstversuch, möglichst wenig neue Kleider zu kaufen, und geben ein monatliches Fazit dazu ab.

Ich kaufe sehr gerne ein, auch solche Sachen, die ich manchmal nicht brauche, aber mit dem Online-Shopping habe ich beispielsweise wegen des Verpackungsmülls ganz aufgehört. Und sonst versuche ich mich einfach wirklich bewusst zu fragen, ob ich etwas brauche, oder gebe für etwas Neues auch etwas Altes weg. Aber natürlich komme ich auch manchmal an mein Limit.

Auch den Wahlkampf in Zug haben Sie thematisiert und dazu ein Foto von Ihrem Briefkasten gepostet. Er war voll gestopft mit Flyern von Kandidaten und Parteien.

Für diese ganzen Flyer hatte ich wirklich kein Verständnis. Da ich Ausländerin bin, kann ich sowieso nicht wählen. Ich finde, solch eine Information müsste bei der Verteilung berücksichtigt werden. Da könnte viel Papier gespart werden, und ich hätte nicht gefühlt 500-mal den gleichen Flyer im Briefkasten gehabt.

Haben Sie einen Tipp? Wie geht man am besten vor, wenn man den eigenen Konsum nachhaltiger gestalten will?

Wichtig ist, klein und einfach zu starten. Ich liebe zum Beispiel Nutella. Aber an der Verwendung von Palmöl habe ich keine Freude, also habe ich mich nach Alternativen umgesehen.

Letztens haben Sie auch ein Projekt auf Twitter lanciert.

Mit einigen Freundinnen habe ich den Hashtag «52Weekly­actions» lanciert. Ziel ist es, dass Leute jede Woche etwas posten, was sie persönlich in besagtem Zeitraum zum Umweltschutz beigetragen haben. Beispielsweise: «Diese Woche habe ich weniger Nahrungsmittel mit Verpackungen gekauft.» Oder: «Ich habe meine Flugemissionen kompensiert.»

Sie haben ja jetzt schon in mehreren Ländern gelebt. Wie erleben Sie die Schweiz oder insbesondere Zug in Bezug auf die Nachhaltigkeit?

Ich beschreibe Freunden Zug zwar immer wieder als Stadt, aber als eine, die man in einer Viertelstunde verlassen kann und in der man mitten in der Natur ist, beispielsweise beim Bauer frische Milch kaufen kann. Das war auch für unser Kind eine wichtige Erfahrung. Ich finde, hier in der Schweiz wird schon sehr viel gemacht, auch bei den grossen Lebensmittelhändlern. Auch den selbstfahrenden Bus finde ich ein spannendes Projekt, was ich ja auch im Blog beschrieben habe. Die Schweiz und die skandinavischen Länder haben mich bisher am meisten überzeugt. In Dubai beispielsweise gibt es dazu im Vergleich noch einiges zu tun im Bereich Recycling oder nachhaltiges Verhalten. Wichtig ist aber immer: Man kann noch mehr machen, und dazu soll der Blog Anregungen geben.

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