Auch in Zug wird der Wahlkampf persönlicher

Neue Strategien gehen in Richtung Direktkontakt mit potenziellen Wählern, wie Politologe Olivier Dolder feststellt.

Cornelia Bisch
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Wahlplakate mit den Köpfen der neuen und altbewährten Kandidaten, Standaktionen, Flyer, Giveaways: Traditionelle Wahlwerbung wie diese ist hierzulande bekannt und vertraut. «Eine neue Erscheinung jedoch sind Telefonwerbung und Hausbesuche direkt bei den Wählerinnen und Wählern durch Kandidatinnen oder Wahlhelfer», berichtet Politik- und Verwaltungswissenschaftler Olivier Dolder von Interface Politikstudien.

In der Schweiz hätten vor vier Jahren die Sozialdemokraten systematisch damit begonnen, Telefonaktionen durchzuführen. Auch Social-Media-Kanäle werden heute verbreitet für den Wahlkampf genutzt. «Kantonal- und Ortsparteien sind vermehrt auf Facebook oder Instagram präsent», beobachtet Dolder. Er stellt jedoch fest, dass die traditionellen Wahlkampfmethoden nach wie vor am meisten genutzt werden. «Plakatwerbung in der Form, wie sie in der Schweiz nicht selten betrieben wird – inhaltsleer, ohne politische Botschaft–, ist meiner Ansicht nach wenig effektiv.» Für neue Kandidaten sei dies zwar eine Möglichkeit, sich bekannter zu machen, sagt Dolder, jedoch sei der Streuverlust gross.

Parteizugehörigkeit tritt in den Hintergrund

Vor einigen Wochen stellte die FDP des Kantons Zug bereits ihre National- und Ständeratskandidaten für die Wahl im kommenden Herbst auf Plakaten vor, als erste Partei. «Die FDP steht etwas unter Druck. Nach ihrem Höhenflug der letzten Jahre ist sie nun etwas ins Stolpern geraten», so Dolder. Deshalb zeige sich die Partei wohl jetzt besonders aktiv. «Der Vorteil eines solch frühen Alleingangs ist sicher die Exklusivität. Nachteilig ist der Bruch, den die Sommerferien mit sich bringen», wägt Dolder ab. Wahrscheinlich sei Letzteres auch der Grund, warum die übrigen Parteien mit ihrer Werbung zuwarteten.

Mit einem Schöne-Sommerferien-Wunsch auf einer gepflegten Postkarte meldete sich Regierungsrat Heinz Tännler (SVP) jüngst bei den Zugerinnen und Zugern. Auch auf einigen Plakaten im Kanton Zug lächelt der Ständeratskandidat in die Kamera. Auffallend dabei ist die fehlende Erwähnung seiner Parteizugehörigkeit. «Als Ständeratskandidat ist er auch auf Stimmen anderer Parteien angewiesen», erklärt Olivier Dolder. Bei Majorzwahlen werde die Parteizugehörigkeit daher gerade bei linken und rechten Parteien gerne in den Hintergrund gerückt. «Die Partei profitiert ja letztlich auch, wenn ihr Kandidat gewinnt.»

Grundsätzlich rät der Politologe den Parteien und Kandidaten, nach dem Motto «Nach der Wahl ist vor der Wahl» zu verfahren. «Nimmt eine Kandidatin oder ein Kandidat beispielsweise nur während des Wahlkampfs an Veranstaltungen teil, kann das als opportunistisch wahrgenommen werden», erklärt Olivier Dolder und fügt hinzu: «Ist er jedoch Dauergast, wird dies als persönliches Interesse an der Veranstaltung gewertet.» Dies hätten Parteien und Kandidaten in der Schweiz teilweise noch zu wenig verstanden. «Am besten verstanden hat es die SVP. Sie zeigt sich rund ums Jahr präsent. Schätzungen zufolge hat sie allerdings auch das höchste Budget.» Ausserdem sei es wichtig, erst einmal eine Gesamtstrategie zu entwickeln. «Eine Partei sollte sich fragen, welche Inhalte sie vermitteln, welche Ziele sie mit welchen Slogans verfolgen will. Erst danach sollte sie gezielt die geeigneten Werbeinstrument auswählen.»