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Der Zuger Polizeikommandant sagt: Auch junge Zuger wollten zum IS

Der abtretende Polizeikommandant Karl Walker (62) sprach vor Senioren über die Aufgaben und Herausforderungen der Zuger Polizei. Dabei ging er auch auf die Sorgen und Fragen des Publikums ein.
Christian Tschümperlin
Karl Walker referiert vor den Senioren im Mehrzweckraum Eu. (Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 27. September 2018))

Karl Walker referiert vor den Senioren im Mehrzweckraum Eu. (Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 27. September 2018))

Noch bis Ende November ist Karl Walker Kommandant der Zuger Kantonspolizei. Am Donnerstag schöpfte er vor Senioren in Menzingen aus 15 Jahren Erfahrung als oberster Polizist. Der Anlass wurde vom Seniorenrat Menzingen organisiert. Für Walker war es ein Heimspiel. Wie man es von einem Polizeikommandanten erwartet, schaute er für seine einleitenden Bemerkungen zuerst im Gesetz nach. «Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Sicherheit der Bevölkerung», zitiert er aus der Bundesverfassung. Die Sicherheitsarchitektur sei ein komplexes Gebilde, das eine hohe Koordination erfordere. «Manchmal denkt jedes Departement, es habe den Lead. Da braucht es Leidensdruck, damit man sich findet.»

Was passiert bei einem Stromausfall?

Walker kam bald auf die Achillesferse der modernen Gesellschaft zu sprechen. «Wie hätte Ihr heutiger Morgen ausgesehen ohne Strom?», will er vom Publikum wissen. Das sei kein abwegiges Szenario: Zunehmende Wetterkapriolen, Betriebsstörungen oder Cyberangriffe auf Atomkraftwerke – ein mehrtägiger und flächendeckender Stromausfall könnte auch die Schweiz treffen.

Dabei kommt es zu vielen Einzelereignissen: Menschen bleiben im Lift stecken, an Kreuzungen häufen sich Unfälle und es entstehen Versorgungsengpässe. Das Ereignis hat die Kantonspolizei bereits geprobt. Wichtig sei aber auch, dass sich der Einzelne richtig verhalte. «Haben Sie einen Notvorrat angelegt?», fragte er. Nur wenige im Publikum bejahen. «Den müssen Sie gut schützen, denn im Raum haben 60 bis 80 Prozent keinen Notfallvorrat», kommentierte Walker.

Kein Auftrag, Bussen zu generieren

Ein Thema, das der Bevölkerung immer wieder unter den Nägeln brennt, sind die Blitzkästen. Oft fühlen sich Autofahrer ungerecht behandelt. «Wir haben keinen politischen Auftrag, Bussen zu generieren», stellte Walker klar. Bis vor einigen Jahren unterhielt die Kantonspolizei 13 Radaranlagen. Inzwischen habe man auf drei semistationäre Anlagen umgestellt. «Anfänglich hat das zu vielen Bussen geführt, die Zahl ist aber zurückgegangen», führte Walker aus. Ein Blick auf die Unfallstatistik zeigt, dass sich die Strategie bewährt hat. Während es 2003 noch 1133 Unfälle gegeben hatte, waren es im vergangenen Jahr noch 832. «Die Entschärfung von Kreuzungen sowie neue Verkehrs- und Velowege haben ebenfalls zum Rückgang beitragen», erklärte der Polizeikommandant.

Auch die Kriminalitätsentwicklung zeigt eine erfreuliche Kurve. Gegenüber 2013 ging die Zahl der Straftaten von 8228 um fast 2000 zurück. Für die Zuhörer hatte der Polizeikommandant ausserdem einen Tipp: «Fotografieren Sie Ihren Schmuck!» Denn dokumentierte Wertsachen können der Fahndung im Bedarfsfall nützen.

«Terror ist wie Krieg»

Zwei aktuelle Herausforderungen sind laut Walker die Vorbeugung von Terrorismus und die Terrorismusbekämpfung. «Wir hatten auch schon junge Menschen im Kanton Zug, die Handlungen vorbereiteten, um ins IS-Kriegsgebiet zu reisen», sagte er. Daraufhin habe man die Angehörigen informieren müssen. «Terror ist wie Krieg», weiss Walker. Heute müssten die Schutzwesten der Polizisten auch die Munition von Sturmgewehren abwehren können. Und um an die Objekte heranzukommen, habe man zudem die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der Armee mit gepanzerten Fahrzeugen vorzurücken.

Bei der anschliessenden Fragerunde kamen Bodycams, wasserwerfende Fahrzeuge und der Nachwuchs zur Sprache. «Die Bodycam wollen wir nicht», stellte Walker klar. Die Ausrüstung müsse den örtlichen Gegebenheiten angepasst sein, Zug habe ganz andere Bedürfnisse als Zürich oder Genf. Einen Wasserwerfer könne man sich von den Luzerner Kollegen ausborgen, und um den Nachwuchs stehe es prächtig. «Wir haben genug Anmeldungen», sagt der ehemalige Instruktor und Primarlehrer.

Und was wird «Kari» Walker nach seinem Austritt bei der Polizei tun? «Ich habe sehr stark für den Beruf gelebt und möchte noch etwas von der Welt sehen», sagt er. Der 62-Jährige wird mit seiner Partnerin eine längere Weltreise unternehmen.

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