Auch kleine Betriebe wären in der Lage, die Sicherheitsmassnahmen zu treffen

Zu den Massnahmen des Bundesrats, den coronabedingten Lockdown schrittweise zu lockern.

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Jetzt wissen wir also den Fahrplan des Bundesrates, wie die Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann. Einmal mehr müssen die KMU in den sauren Apfel beissen und den «Grossen» den Vortritt lassen, indem Grossverteiler, Baumärkte et cetera bereits ab 27.  April wieder voll verkaufen dürfen. Der Grossteil der Läden muss bis 11. Mai auf so wichtige Einnahmen verzichten, um Löhne und Mieten bezahlen zu können.

Der Gipfel der Ungerechtigkeit ist der Passus «Sortimentsbeschränkungen sind aufzuheben». Also können die «Grossen» in ihren Läden auch «Nicht lebensnotwendige Sortimente» anbieten. Zum Beispiel kann der Baumarkt Velos und Zubehör, der Lebensmittelhändler Kleider, Papeterie und Spielwaren verkaufen. Der Gewerbebetrieb in der gleichen Strasse oder Stadt hat das Nachsehen. Immerhin kann dann der Velohändler in ein paar Monaten das beim Grossverteiler (oder im Onlineshop) erworbene Fahrrad flicken – grossartig!

Liebe Bundesräte, Sie haben Ihre nicht einfache Aufgabe bisher ausgezeichnet erledigt und auch klar kommuniziert. Beim neuesten Entscheid kann ich nicht nachvollziehen, warum nicht mit gleichen Ellen gemessen wird. Auch kleine Betriebe wären in der Lage, die geforderten Sicherheitsmassnahmen zu treffen.

Der Kanton und die Stadt Zug haben bewiesen, dass sie selber einschätzen können, wo die Not am grössten ist. Deshalb finde ich den Vorschlag von Leserbriefschreiberin Frau Madeleine Treichler gar nicht so abwegig, einen Beitrag à fonds perdu den direkt betroffenen Gewerbetreibenden zu gewähren.

Der Pro-Zug-Gutschein von 100 Franken ist zwar eine nette Geste, aber verteilt mittels «Giesskannenprinzip» irgendwie auch nicht gerecht. Und wo werden diese Gutscheine am meisten eingelöst? Natürlich wieder beim Grossverteiler.

Willi Huwiler, Unterägeri

Für das Gastgewerbe und den Detailhandel sind die zaghaften Lockerungsschritte des Bundesrates ein herber Rückschlag. Was der Bundesrat angeordnet hat, führt zu Wettbewerbsverzerrung. Die Grossverteiler dürfen ihr gesamtes Sortiment wieder bedingungslos anbieten, während der kleinere Detailhandel, welcher genauso in der Lage wäre, die BAG-Auflagen einzuhalten, zuschauen muss. Das ist KMU-feindlich, dirigistisch und für die Unternehmerinnen und Unternehmer sowie für viele Konsumentinnen und Konsumenten nur schwer nachvollziehbar. Nicht alle Detaillisten werden das verdauen können, einzelnen wird der finanzielle Schnauf vorher ausgehen.

Noch schlimmer, ja geradezu brutal, ist es für das Gastgewerbe. Es steht praktisch perspektivenlos da. Zahlreiche Betriebe kämpfen ums blanke Überleben. Die Frage, ob man sich verschulden soll, oder zwecks Schadensbegrenzung lieber gleich die Schotten für immer dichtmacht, müssen sich verschiedene Gastrobetreiber zwangsläufig stellen.

Aufgrund dieser dramatischen Situation wäre es begrüssenswert, wenn der Kanton Zug diesem Branchenzweig unter die Arme greift. Ansonsten geht dereinst viel von unserem gesellschaftlichen und sozialen Leben bachab, das wir alle uns sehnlichst zurückwünschen.

Cornelia Stocker, Kantonsrätin FDP, Zug