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Auf dem Velo vom Pazifik bis zum Atlantik

5440 Kilometer legte Emil Steiner (70) mit dem Velo zurück. Er radelte mit 23 weiteren Teilnehmern von der Westküste bis zur Ostküste der USA. Ans Limit kam er dabei nie – wohl auch aufgrund seiner langen Erfahrung.
Carmen Rogenmoser
Emil Steiner mit dem Velo, das er aus den USA mitgebracht hat. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 24. September 2018))

Emil Steiner mit dem Velo, das er aus den USA mitgebracht hat. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 24. September 2018))

15 Staaten der USA durchquerte Emil Steiner in 50 Tagen, 5440 Kilometer hat er zurückgelegt und das alles aus eigener Kraft. Emil Steiner fuhr mit dem Velo von der Westküste bis zur Ostküste, von Pazifik bis zum Atlantik. Seit gut einem Monat ist der 70-jährige pensionierte Kantilehrer zurück in Baar. Seine Erinnerungen und die Erzählungen von diesem Abenteuer sind lebendig. «Die letzte Etappe war nur noch knapp 17 Meilen lang und endete beim Strand in Boston», berichtet er. «Je näher wir Richtung Meer kamen, desto kühler wurde die Luft, die durch die Häuser zog. Es gab eine letzte Kurve und dann sahen wir den Atlantik vor uns.» Das sei erhebend gewesen. Es habe ihn sehr berührt und er sei den Tränen nahe gewesen. «Obwohl ich sonst nicht so der Typ dafür bin», sagt er und lächelt.

Wie den Erzählungen zu entnehmen ist, hat Steiner die Strecke nicht alleine bewältigt, sondern im Rahmen einer organisierten Tour. Die Übernachtungen sowie Morgen- und Abendessen waren organisiert, genauso wie täglich zwei bis drei Verpflegungsposten. 24 Teilnehmer sind gemeinsam in Los Angeles gestartet, elf sind schliesslich im Ziel angekommen. Einige haben nur bestimmte Etappen mitgemacht, andere mussten aufgeben.

Die gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt

Emil Steiner hat durchgehalten. «Ich habe mich gut vorbereitet. Seit 40 Jahren ist Velofahren mein Hobby.» Der Baarer hat schon einige längere Touren gemacht, spult jährlich 6000 bis 8000 Kilometer ab. «Ich wusste, dass ich zwei Wochen im Sattel gut durchhalten kann, ob ich mehr schaffe, wusste ich im Vornherein aber nicht.» Doch er hat es geschafft, und zwar richtig gut. «Ich war nie am Limit, hätte beim Tagesziel noch weiterfahren können.»

Die Unterstützung in der Gruppe sei wichtig gewesen und etwas vom Schönsten, was er während der Tour erlebt hat. «Hatte man einen Platten, und das kam oft vor, wurde sofort weitergeholfen.» Steiner fand sich in der Gruppe schnell zurecht. Er hat sich mit zwei Engländern, den einzigen anderen Europäern und einem Amerikaner zusammengetan. «Wir sind meist zu viert gefahren, haben uns gut verstanden.» Der Kontakt ist bis heute geblieben, weitere gemeinsame Touren sind nicht ausgeschlossen.

Begleitet wurde Emil Steiner währen von seiner Frau Eve, einer gebürtigen Kalifornierin. Sie fuhr die Strecke im Mietwagen vor und half bei der Betreuung. Nach der absolvierten Tour fuhren sie wieder zurück nach LA. «Wir waren also nicht 50 Tage in den USA, sondern ganze 100.» Eve Steiner hat das ganze Abenteuer auf ihrem Blog festgehalten (www.swisscyclingacrossamerica.blogspot.com).

Natur und Landschaft erfahren, statt bewundert

Der Reiz, einen ganzen Kontinent aus eigener Kraft zu durchqueren, hat ihn motiviert, die Tour auf sich zu nehmen. Während der Fahrt habe er sich sehr konzentriert. «Ich wollte unter allen Umständen einen Unfall vermeiden.» Die Natur und Landschaft habe er daher eher erfahren als gesehen. «Als wir den Mississippi überquerten, war es von einem Tag auf den anderen feucht und nicht mehr heiss und trocken.» Als Velofahrer sei das schwerer zu ertragen gewesen. Dafür gab es mehr Bäume, die den Wind abhalten. Besonders gut gefallen hat ihm die Abwechslung: «Wir sind in LA gestartet und mussten uns durch die Grossstadt bewegen, dann kam die Wüste.» Dort sei die Luft besonders gut gewesen. «Die Strasse ging meilenweit geradeaus, man konnte nicht abschätzen, wann die nächste Kurve kommt.» Die Rocky Mountains, entlang dem Eriesee und dem Erie Kanals, das sind Etappen, die Emil Steiner nicht vergessen wird. Die Erleichterung im Ziel war dennoch gross.

Symbolisch hat er gleich nach der Ankunft Wasser aus dem Pazifik, das er während der ganzen Tour in einer Flasche mit sich getragen hat, in den Atlantik gegossen. «Der Tour Organisator hat vorgeschlagen, dass wir das Vorderrad des Velos in die beiden Meere tauchen sollten», sagt Steiner. Das aber kam für den passionierten Velofahrer nicht in Frage. «Das Salz hätte dem Rad geschadet.» Mit seinem Tourenrad, das er sich in den USA gekauft hat, war er so zufrieden, dass er es mit nach Hause genommen hat. «Jetzt zeige ich ihm die Landschaft hier», sagt er und lacht.

Tatsächlich ist Emil Steiner schon wieder regelmässig mit dem Velo unterwegs. «Emil fährt um die Rigi und über Schwyz an den Ägerisee, ich über den Rossberg nach Ägeri», erklärt seine Frau Eve. «Innerhalb von zwei bis drei Minuten treffen wir uns im Restaurant Eierhals in Morgarten zum Kaffee.» Velofahren, das gehört bei der Familie Steiner dazu. Auch die Enkelkinder, fünf sind es insgesamt, teilen das Hobby. «Die beiden ältesten sind jetzt sieben Jahre alt und fahren schon Rennen», sagt Emil Steiner stolz. Besuchen sie die Grosseltern, gehört eine Velotour selbstverständlich dazu.

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