Morgarten: Der Schützenkönig Cyrill Wyss beendete eine lange Durststrecke

Der 28-jährige Cyrill Wyss aus Morgarten gewann das 106. Morgartenschiessen – als alleiniger Schütze mit dem Punktemaximum.

Martin Mühlebach
Drucken
Teilen
Cyrill Wyss posiert beim Morgarten-Denkmal fürs Foto. (Bild: Maria Schmid, Morgarten, 20. November 2019)

Cyrill Wyss posiert beim Morgarten-Denkmal fürs Foto. (Bild: Maria Schmid, Morgarten, 20. November 2019)

Sein erster Schuss war eine Mouche, ein Schuss mitten in die 5er-Scheibe. Cyrill Wyss wusste sofort, dass er sein Gewehr richtig eingestellt hatte. In der darauffolgenden 3er- und 6er-Serie erzielte er immer 5 Punkte. Damit erreichte er das maximale Punktetotal. Als alleiniger Schütze? Oder erzielte noch jemand das Maximum von 50 Punkten? Cyrill Wyss wurde an der abschliessenden Rangverkündigung auf die Folter gespannt.

Er erzählt: «Die Spannung stieg, als verkündet wurde, dass der Drittplatzierte ein Total von 49 Punkten erreicht hatte. Und als bekanntgegeben wurde, dass auch der Zweitplatzierte das Punktemaximum nur haarscharf verpasst hatte, wusste ich, dass ich den 1. Rang mit niemandem teilen muss. Meine Freude war grenzenlos, als ich als Meisterschütze ausgerufen wurde.» Den Siegespreis habe er vorerst in Form eines Gutscheins für ein vom Bund gestiftetes Sturmgewehr 90 erhalten. Um in den Besitz des Gewehrs zu kommen, müsse er nun in den nächsten Tagen auf dem Polizeiposten vorbeigehen und den Waffenerwerbsschein abholen.

Die Krönung seiner bisherigen Erfolge

Der heute 28-jährige Cyrill Wyss betont: «Als Jungschütze der Schützengesellschaft am Morgarten konnte ich enorm von der grossen Erfahrung der erfolgreichen Schützen Erwin Barmettler, Anton Hotz und Armin Besmer profitieren. Sie waren meine Trainer, mir nebst den schiesstechnischen Grundlagen auch die Freude am Schiesssport vermittelt haben. Dafür bin ich ihnen unendlich dankbar.» Anzumerken ist, dass sich die fundierte Grundausbildung schon früh auszahlte. Im Jahr 2007 gewann Cyrill Wyss am Morgartenschiessen mit 43 Punkten den begehrten Gruppenbecher, und 2017 errang er mit 48 Punkten erstmals den Kranz.

Mit dem Titel «Meisterschütze» hat er nun seine bisher schon guten Schiessleistungen gekrönt. «Es freut mich ganz besonders», schiebt Cyrill Wyss nach, «dass ich genau 25 Jahre nach dem Titelgewinn eines Ennetseer Schützen eine lange Durststrecke für unsere Region zu beenden vermochte». Und es gibt noch eine weitere Durststrecke, die Cyrill Wyss gerne beenden möchte. Er sagt: «Seit die Schützengesellschaft am Morgarten sich mit den Schützengesellschaften Unter- und Oberägeri zu den Schützen Ägerital-Morgarten zusammengeschlossen hat, landeten wir an diversen gesamtschweizerischen Schiessanlässen mehrmals auf dem 2. Rang. Silber haben wir nun langsam genug, nun sollte endlich mal Gold her.»

Über die Faszination des Schiesssports

Cyrill Wyss betont: «Das Sportschiessen erfordert vom Schützen viel mentale Bereitschaft. Als Jungschütze habe ich mir vor dem Einschlafen oftmals ein Zielbild visualisiert. Sinnbildlich habe ich die Waffe in den Anschlag genommen und abgedrückt.» Um erfolgreich schiessen zu können, müssten die Konzentration, die Atmung, das Auge, die Hand und der zum Abzug benötigte Finger – also die gesamte Körperfunktion – übereinstimmen. Erst wenn das alles zusammenpasse, könnten sowohl im Einzel- als auch im Gruppenschiessen Erfolge erzielt werden. Diese Komplexität mache letztlich die Faszination des Schiessens aus. Fast schon philosophisch fügt Cyrill Wyss an: «Ich verurteile jeden Waffenmissbrauch, ein Gewehr sollte von uns Schützen einzig und allein als Sportgerät benutzt werden.»

Cyrill Wyss ist nicht nur ein begeisterter Sportschütze. Im Ländlertrio «Echo vom Heuboden» spielt er Handorgel und Schwyzerörgeli. Er verrät: «Mir gefällt vor allem die rassige, urchige Illgauer-Musik.» In der Feuerwehr gehört Cyrill Wyss der Atemschutztruppe an, und bei der Fasnachtsgesellschaft Morgarten amtet er als Wagenbauchef. «Ich hoffe, dass am 1. Februar 2020 viele Zuschauer am Strassenrand stehen werden, wenn wir mit einem grandiosen Umzug unser 70-Jahr-Jubiläum feiern.»