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Auf einem Chamer Hof werden Pferde und Ponys integriert

Auf dem Hof Biberlo in Cham leben Pferde und Ponys im gleichen Stall. Der erste Aktivstall im Kanton wurde kürzlich ausgezeichnet.
Riccardo Cicchetti
Der erste Aktiv-Stall für Pferde im Kanton Zug: Claudia und Stefan Knüsel pflegen ihre Tiere auf dem Hof Biberlo regelmässig. (Bilder: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)

Der erste Aktiv-Stall für Pferde im Kanton Zug: Claudia und Stefan Knüsel pflegen ihre Tiere auf dem Hof Biberlo regelmässig. (Bilder: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)

Bereits bei der Anfahrt sieht man das grosse Gehege, welches im April fertiggestellt wurde. Der ganze Platz ist mit Ziegelsand bedeckt. Einige Pferde drehen draussen ihre Runden, die anderen haben es sich wohl in der Halle gemütlich gemacht. Seit gut fünf Monaten existiert an der Knonauerstrasse in Cham der erste Aktivstall nach dem Modell der deutschen Firma Hit. Der Stall auf dem Hof Biberlo wurde kürzlich auch vom Schweizerischen Tierschutz ausgezeichnet. Aktivstall, das bedeutet, dass derzeit 21 Tiere in einer Herde leben. «Dabei kann es natürlich auch zu Problemen kommen, doch grundsätzlich haben sich die Tiere schnell an ihre neue Umgebung gewöhnt», erklärt Claudia Knüsel, die sich intensiv um den Aktivstall kümmert.

Auch für sie und ihren Mann Stefan Knüsel bietet der neue Stall viele Vorteile. So nehme die Pflege der Pferde viel weniger Zeit in Anspruch, als dies vor der Fertigstellung der Fall war. «Wir müssen die Tiere nicht mehr selbst füttern und sie sind auch frei, ob sie sich draussen oder drinnen aufhalten möchten.» Claudia Knüsel nimmt eine Mistgabel und meint schmunzelnd: «Diese Arbeit bleibt einem auch mit dem Aktivstall nicht erspart. Aber ich nutze die Zeit im Stall auch dafür, zu schauen, wie sich die Pferde fühlen und ob alles in Ordnung ist.»

Mehr Selbstständigkeit durch Futterautomat

Viele Gegner der gemeinsamen Haltung fügen an, dass die Bindung zum Pferd nicht mehr dieselbe sei, wenn man nicht mehr so viel für das Pferd tun müsse. Dem widerspricht Knüsel: «Ich verbringe nach wie vor viel Zeit mit den Tieren. Durch die grössere Selbstständigkeit der Vierbeiner ist es mir möglich, ein Verhalten wie in der Natur zu beobachten.» Diese Selbstständigkeit kommt auch durch die Futterautomaten zu Stande, sagt Knüsel: «Die Pferde können hier ungestört essen, da nur ein Tier hinein kann. So kommen auch rangniedrigere Pferde zu genügend Nahrung.» Beim Auslauf der Tiere wurde keineswegs gespart. 2000 Quadratmeter stehen ihnen permanent zur Verfügung. Zwei bis drei Stunden am Tag werden sie auf die Weide gelassen. Die grosse Halle, die früher der Obstproduktion gedient hat, wurde zum Rückzugsort für die Tiere umfunktioniert. Darin sieht man auch einen abgegrenzten Raum, der für die Ponys vorbehalten ist. «Meistens schlafen die Pferde und Ponys aber gemeinsam im grösseren Teil der Halle. Das hat anfangs uns ein wenig erstaunt», sagt Knüsel.

Hof Biberlo Cham: Claudia und Stefan Knüsel betreiben den ersten Aktiv-Stall für Pferde im Kanton Zug. Dabei werden die Tiere automatisch gefüttert und können sich auf dem Gelände und in den Ställen frei bewegen. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)Hof Biberlo Cham: Claudia und Stefan Knüsel betreiben den ersten Aktiv-Stall für Pferde im Kanton Zug. Dabei werden die Tiere automatisch gefüttert und können sich auf dem Gelände und in den Ställen frei bewegen. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)
Die Futterautomaten bieten jeweils nur für ein Pferd Platz. Die anderen müssen warten. Das vermeidet Futterneid. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)Die Futterautomaten bieten jeweils nur für ein Pferd Platz. Die anderen müssen warten. Das vermeidet Futterneid. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)
Die Futterautomaten bieten jeweils nur für ein Pferd Platz. Die anderen müssen warten. Das vermeidet Futterneid. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)Die Futterautomaten bieten jeweils nur für ein Pferd Platz. Die anderen müssen warten. Das vermeidet Futterneid. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)
Die Pferde und Ponys seien immer noch sehr gesellig und mehr entspannt, betonen Claudia und Stefan Knüsel. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)Die Pferde und Ponys seien immer noch sehr gesellig und mehr entspannt, betonen Claudia und Stefan Knüsel. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 10. September 2019)
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Pferde

Seitdem sie in den Aktivstall eingezogen sind, habe sich der Gemütszustand der Pferde verändert. «Sie sind viel ausgeglichener und freundlicher. Auch die Muskulatur hat sich durch die weiteren Wege aufgebaut und sie sportlicher gemacht.» Claudia Knüsel zeigt ein Video, in dem die Pferde schlafen. Dabei ist ein Schnarchen zu hören. «Das ist mir vorher nie aufgefallen. Der Schlaf der Tiere war vorher nicht so tief.»

Schnarchende Pferde und ein Integrierungsprogramm

Dass die Pferde den Bezug zum Menschen nicht verloren haben, zeigt sich in der nächsten Szene. Als es darum geht, ein Foto zu machen, wie Stefan und Claudia Knüsel den Brunnen putzen, kommen viele Pferde in die Nähe. «Das ist immer so», sagt Stefan Knüsel. «Die Tiere halten sich immer dort auf, wo die anderen sind, denn auch in der Natur sind die Vierbeiner Herdentiere. Wir versuchen, mit dem Aktivstall der Natur am nächsten zu kommen.» Für neue Tiere, die sich das nicht gewohnt sind, ist die Situation zu Beginn oft etwas schwieriger.

Deshalb nähmen sie Tiere erst ab 2,5 Jahren in den Stall auf. Sie durchlaufen zuerst ein Integrierungsprogramm. Das heisst, dass sie nur ein paar Stunden mit den anderen Pferden verbringen und dann wieder in ihre Integrierungsbox zurückkehren. Die Zeit im Aktivstall werde stetig nach oben geschraubt, bis «die Neuen» zusammen mit den anderen gehalten werden. Dies klappe aber nicht mit allen Tieren, wie die Stallbesitzerin zu berichten weiss: «Es gibt auch Pferde, die länger brauchen, um sich integrieren zu können. Daneben gibt es auch solche, die man gar nicht in eine Herde integrieren kann. Das haben wir hier aber noch nicht erlebt.» Die Pferde und Ponys in Cham sind im Aktivstall nicht abgeschottet. Neben ihnen leben Kühe und von der angrenzenden Strasse ist viel Lärm zu hören. Auch daran müssen sich die Tiere erst gewöhnen.

Nicht mehr Verletzungen als in Einzelhaltung

Etwas später kommt ein Mädchen, das eines der Pferde zum Reiten abholt. So haben sie Kontakt zu Menschen ausserhalb des Bauernhofes und bekommen noch mehr Auslauf. Deutlich zu sehen ist auf dem Hof Biberlo die klare Körpersprache der Vierbeiner. In der Halle steht ein ranghöheres Pferd und gibt dem anderen durch seine stolze Haltung zu verstehen, dass es hier nichts verloren hat. Stefan Knüsel sagt dazu: «Gäbe es nicht so viel Platz, würde es zur Auseinandersetzung kommen. Das ist ein weiterer Vorteil des Aktivstalls.»

Natürlich gebe es auch hier ab und zu Machtkämpfe, aber es komme zu keinen Verletzungen, was viele Gegner der Herdenhaltung behaupten würden. Auch die Argumente, die Tiere seien schmutziger oder das Fell wäre schwieriger zu pflegen, lässt Knüsel nicht gelten. Die Tiere seien sogar sauberer als vor der Eröffnung des Aktivstalls. Stefan und Claudia Knüsel sind überzeugt, mit dem Aktivstall einen Schritt in die Zukunft der Pferdehaltung gemacht zu haben. Andere Bauernhöfe im Kanton Zug werden dem Beispiel Knüsel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgen.

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