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Auf schwierigem Weg in die Zukunft im «Murimoos»

Murimoos werken und wohnen will mit Sparmassnahmen aus den roten Zahlen kommen. Unter anderem erfolgten Kündigungen, die Arbeitszeit wurde auf 48 Stunden angehoben, und Investitionen reduzierte man auf ein Minimum.
Eddy Schambron
Die im Bau befindliche Gewerbehalle von Murimoos werken und wohnen belastet das Unternehmen finanziell langfristig. (Bild: Eddy Schambron)

Die im Bau befindliche Gewerbehalle von Murimoos werken und wohnen belastet das Unternehmen finanziell langfristig. (Bild: Eddy Schambron)

Murimoos werken und wohnen muss sich für die Zukunft rüsten. Die roten Zahlen haben nicht nur einen Sparkurs zur Folge, sondern zu Kündigungen im Kader geführt. «Wir mussten uns von zum Teil langjährigen Mitarbeitern trennen, andere Mitarbeitende haben selber gekündigt, weil sie den heute nötigen Wandel nicht mittragen wollen», bestätigt Geschäftsführer Michael Dubach, der seit dem 1. Oktober 2018 das Murimoos übernommen hat. Konkret wurden bei einem Bestand von 110 Mitarbeitenden, die 73 Vollzeitstellen bekleiden, 5 Kündigungen ausgesprochen.

Fünf Abgänge erfolgten oder erfolgen durch eigenen Entscheid aus verschiedenen Beweggründen. Der Auftrag des Vorstandes des Trägervereins an den neuen Geschäftsführer lautet, die mittlerweile 85-jährige Institution auf Kurs zu bringen. Dubach ist sich bewusst, dass die Kündigungen vorerst eine Verunsicherung ins Personal gebracht haben. «Aber wir haben auch viele positive Rückmeldungen, dass die neue Geschäftsführung ihre Aufgabe wahrnimmt.»

Infrastruktur teilweise «desolat»

«Wir haben schon länger bemerkt, dass Veränderungen nötig sind und es eine starke Führung braucht», erklärt Heidi Schmid, Präsidentin des Trägervereins Murimoos werken und wohnen. Heute gelte es, Versäumnisse aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Infrastruktur sei zum Teil in einem desolaten Zustand, Neubauten, etwa die Gewerbehalle oder die Biogas-Anlage, wurden komplett fremdfinanziert, was das Unternehmen finanziell längerfristig belastet. Anstehende gesamtbetriebliche Pendenzen seien nicht erledigt oder angestrebten Veränderungen verweigert worden.

In der Vergangenheit habe sich der Vorstand streng oder zu streng an die Trennung von operativer und strategischer Leitung gehalten, erklärt Schmid selbstkritisch die heutige Situation. Und hat mit der Neubesetzung der Geschäftsleitung entsprechend gehandelt: «Mit Michael Dubach haben wir bewusst eine Person mit grosser Führungskompetenz gewählt, der auch die Landwirtschaft kennt und den Betrieb in die Zukunft führen kann.» Ziel sei jedoch immer, die notwendigen Änderungen ohne negative Auswirkungen für die Klienten vorzunehmen.

In der Landwirtschaft waren die Überstunden und Feriensaldi teils immens, stellt Dubach fest. Über 500 Stunden waren kein Einzelfall. Deshalb wurde die Arbeitszeit von 42 Stunden neu auf 48 Stunden angehoben, «was angesichts des landwirtschaftlichen Normalarbeitsvertrages von 55 Stunden im Branchenvergleich immer noch gut ist». Bei wenigen, bestimmten Posten wurden bereits im Sommer 2018 Lohnanpassungen vorgenommen, es kam zu den bereits erwähnten Kündigungen, die teils schon früher zur Diskussion standen, und zu weiteren Sparmassnahmen. Zwei landwirtschaftliche Bereiche werden zu einem zusammengeführt. Im Rahmen der Jahresarbeitszeit werden Überstunden abgebaut.

Transparente Informationen

Ausserdem werden die geplanten Investitionen auf ein Minimum reduziert. «Auch so werden wir bei einer korrekten Rechnung noch keine schwarze Null erreichen», macht Dubach klar, der sich vor die Aufgabe gestellt sieht, unter anderem genau dieses Resultat zu erreichen. «Es ist klar, dass es nicht allen Mitarbeitenden gleich behagt, wenn genauer hingeschaut wird. Aber ich führe das Unternehmen zusammen mit der Geschäftsleitung nach normalen Unternehmensgrundsätzen.»

Dubach betont, dass die Mitarbeitenden immer transparent informiert worden seien. «Es war ihnen nach der Mitarbeiterinformation vom November und Dezember klar, dass diese Ausgangslage auch personelle Konsequenzen haben wird.» Das bestätigt Ingo Hauser, Leiter Geschäftsbereich Wohnen und stellvertretender Geschäftsführer, und stellt fest: «Viele beurteilen den neuen, präsenteren Führungsstil als positiv.» Im Murimoos würden viele gute, motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten. «Sie werden durch die neue Führung bestärkt und ihre Arbeit erhält dadurch mehr Gewicht.»

Getragen wird die Umstrukturierung durch den Vorstand: «Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit unseres Geschäftsführers und seinem Team, und wir vom Vorstand bringen uns auch stärker ein», bekräftigt Schmid.

Murimoos wohnen und werken steht damit vor grossen Herausforderungen. «Für den Kanton, der uns schon vor einem Jahr aufgefordert hat, Massnahmen zu treffen, sind wir eine wichtige Institution, das ist auch in den jüngsten Gesprächen deutlich zum Ausdruck gekommen», erklärt Schmid. Aber klar ist auch, dass im Wohnbereich etwas gehen muss, um die Klientenzahl halten zu können, eine besondere Herausforderung vor dem Hintergrund mangelnder Finanzen.

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