Aufbruchstimmung im Oberägerer «Ländli»

Ein Teil des Areals könnte künftig neu überbaut werden. Auch die Schwesterngemeinschaft erfährt Veränderungen.

Rahel Hug
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Ein Teil des Ländli-Areals aus der Vogelperspektive. Links im Bild ist das Mutterhaus zu sehen.

Ein Teil des Ländli-Areals aus der Vogelperspektive. Links im Bild ist das Mutterhaus zu sehen.

Bild: Patrick Hürlimann (Oberägeri, 27. Oktober 2020)

Die Ideen, wie sich das Gebiet Ländli am östlichen Siedlungsrand von Oberägeri entwickeln könnte, sind vielfältig. Der Standort weise ein grosses Potenzial auf, heisst es im «Räumlichen Bild Ägeri», in dem die Schwerpunkte der künftigen Entwicklung des Ägeritals zusammengefasst sind. So könnte das Ländli dereinst zu einem Campus für ein grosses Unternehmen und somit zu einem Dienstleistungsstandort werden, wo neue Arbeitsplätze entstehen. Eine Idee ist auch, das Busdepot der Zugerland Verkehrsbetriebe vom Oberägerer Dorfzentrum ins Ländli zu verschieben.

Auch das Hotel und Seminarhaus Ländli, getragen vom evangelischen Diakonieverband Ländli, befindet sich mitten in einem Entwicklungsprozess. «Wir sind im Wandel, weg vom klassischen Kurhausimage hin zum modernen Hotel und Seminarhaus», sagt Stefan Gutknecht, der gemeinsam mit Stephan Blanc die Geschäftsleitung innehat. Der Startschuss zu dieser Umbruchphase fiel bereits im Frühjahr 2016, als im Zentrum Ländli das Gesundheitszentrum geschlossen wurde. Wo früher die Arztpraxis, Physiotherapieräume und die Pflegestation beheimatet waren, tagen heute Seminargäste und Geschäftsleute. «Viele Zimmer wurden renoviert, sind heute farbiger und mit Designelementen versehen», erklärt Gutknecht. Man richte sich viel stärker auf spontane, kürzere Aufenthalte, auf Familien mit Kindern sowie auf Seminare aus. «Unsere Gäste sind jünger geworden.»

29'000 Übernachtungen im Jahr 2019

Der eingeschlagene Weg habe bisher gut funktioniert. 2019 konnte das Ländli über 29'000 Übernachtungen verzeichnen. Und auch die erste Coronawelle habe man relativ gut überstanden. «Im Sommer hatten wir einige gute Monate. Wir haben gemerkt, dass die Schweizerinnen und Schweizer im eigenen Land Ferien gemacht haben.» Das Hotel betreibt aktuell 98 Zimmer, rund 40 Angestellte arbeiten im Ländli.

Einzelne Ländli-Schwestern sind im Betrieb integriert und arbeiten tatkräftig mit, beispielsweise in der Hauswirtschaft oder der Seelsorge. Auf dem Ländli-Areal stehen mehrere Gebäude, die nicht mehr optimal genutzt sind, unter anderem auch eine Gärtnerei und verschiedene Werkstätten. Die Gebäude rechts der breiten Zufahrtsstrasse – wenn man das Areal vom See her betrachtet – wären von einer allfälligen künftigen Bebauung betroffen, gibt Gutknecht Auskunft. Im Jahr 2019 habe man eine Marktanalyse und anschliessend eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die nun vorliege. Grundsätzlich gehe es darum, das Ländli, das bisher als eine Art «Insel» wahrgenommen werde, zu öffnen, die Verbindung zu Oberägeri und zum ganzen Tal zu stärken und weitere, neue Nutzungen zu ermöglichen.

Preisgünstige Wohnungen sollen entstehen

Für die zwei Geschäftsleiter stehen dabei preisgünstige Wohnungen im Vordergrund. «Hier gibt es klar einen Mangel im Ägerital und wir können uns gut vorstellen, für die Erstellung von zahlbarem Wohnraum Hand zu bieten», so Stefan Gutknecht. Der obere Gürtel des Ländli, wo sich Hotel und Mutterhaus befinden, soll bestehen bleiben. Über Details kann und will der Co-Geschäftsleiter noch nicht sprechen: «Wir befinden uns erst in der Phase der Prüfung.» Auf den Zeitplan angesprochen, sagt Gutknecht: «Wir reden von einem Fünf-Jahres-Horizont.» Um das Areal zu bebauen, wäre zunächst eine Umzonung nötig, über die die Stimmbevölkerung entscheiden könnte.

Schwestern sind ins Mutterhaus umgezogen

Das Ländli hat kürzlich den Betrieb des Schwestern-Pflegeheims Wiesengrund eingestellt. Die pflegebedürftigen Ordensschwestern sind ins Mutterhaus umgezogen und werden nun durch ein Spitex-Team begleitet. Schwestern mit sehr hohem Pflegebedarf würden künftig extern platziert werden. «Der Betrieb eines eigenen Pflegeheims für 16 Schwestern war zusehends defizitär», sagt Reto Wüthrich, Präsident des Diakonieverbandes Ländli. Da ein grosser Teil der 51 Schwestern noch durchaus selbstständig wohnen könne, sei diese Entwicklung zukunftsweisend. Das Mutterhaus – eines der grössten Gebäude auf dem Ländli-Areal – wurde umgebaut, die Schwestern leben dort nun in unterschiedlichen Wohngruppen und Einzelwohnungen. «Sie geniessen mehr Selbstständigkeit und können so lange wie möglich daheimbleiben», sagt Wüthrich zu den Vorteilen. Das Wiesengrund-Gebäude soll bis zu einer allfälligen Überbauung (siehe Haupttext) zwischengenutzt werden. «Die Ausschreibung soll Anfang 2021 erfolgen», informiert der Vereinspräsident. Denkbar sei eine Wohnnutzung, zum Beispiel als Personalhaus für eine Zuger Firma, oder andere kurzfristige Nutzungen der gut 30 Einzimmerstudios.