Wirtschaftsbeilage 2021
Ein grosser Neubau mit Wohn- und Gewerbeflächen soll das «Tor zu Unterägeri» aufwerten

Seit den 1980er-Jahren werden die denkmalgeschützten Gebäude der alten Spinnerei gewerblich genutzt. Diese hat einst den Wohlstand ins Dorf gebracht. Die heutige Eigentümerin der Liegenschaft steht nun kurz vor einem grossen Entwicklungsschritt auf dem angrenzenden Areal.

Andreas Faessler
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Die Visualisierung zeigt den nächsten Entwicklungsschritt auf dem erweiterten Areal der alten Spinnerei in Unterägeri: Am benachbarten Mülirain entsteht ein grosser Neubau mit Wohn- und Gewerbeflächen.

Die Visualisierung zeigt den nächsten Entwicklungsschritt auf dem erweiterten Areal der alten Spinnerei in Unterägeri: Am benachbarten Mülirain entsteht ein grosser Neubau mit Wohn- und Gewerbeflächen.

Visualisierung: G&A Architekten Altdorf

Der wuchtige Gebäudekomplex der ehemaligen Spinnerei mit freistehendem Rundkamin markiert wie ein Wächter den talseitigen Dorfeingang von Unterägeri. Die im Jahre 1834 vom Industriepionier Wolfgang Henggeler und seinem Bruder Alois gegründete Baumwollspinnerei war der erste Industriebau des Kantons Zug und ist schon allein deshalb von hoher kulturhistorischer Bedeutung. Bereits 1839 auf die doppelte Länge vergrössert, 1846 um eine Weberei und 1848 um die klassizistische Fabrikanten­villa erweitert, wurde die Spinnerei im Laufe der Jahrzehnte abermals aus- und umgebaut. Eine letzte signifikante Erweiterung erfuhr der Komplex anno 1954 mit dem Anbau eines Maschinentraktes. 1979 wurde der Spinnereibetrieb eingestellt.

Seit 1993 steht das gesamte ­Fabrikgebäude mit Hochkamin und Direktionsvilla unter kantonalem Denk­malschutz. Das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) hat die «Innere Spinnerei» von Unterägeri mit ihren «aussergewöhnlichen architektonischen Qualitäten eines früh industrialisierten Flusstales mit typologisch wertvollen Spinnereigebäuden» ins Verzeichnis aufgenommen.

Gestaltungsplan ermöglicht wichtige Entwicklungsschritte

Heutige Eigentümerin und Verwalterin der «Inneren Spinnerei» wie auch der 1846 erbauten «Äusseren Spinnerei» in Neuägeri ist die SAE Immobilien AG. Sie verantwortet die Nutzung und somit die Weiterentwicklung der denkmalgeschützten Liegenschaft und deren Umgebung. Die SAE baut ihren Liegenschaftenbestand laufend aus, dazu gehören in unmittelbarer Umgebung das Gebiet Waldheim oberhalb der Spinnerei sowie der ­Mülirain, die an die alte Fabrikantenvilla anschliessende Hangparzelle an der Alten Landstrasse.

Für das gesamte Areal der Spinnerei Unterägeri liegt ein bewilligter Gestaltungsplan vor, welcher der Eigentümerin entsprechend Entwicklungsplanungen ermöglicht. Solche hat die SAE Immobilien AG konkrete. Geschäftsführer René Koch gibt einen Ausblick: «Nächstes Jahr wird als erster Entwicklungsschritt das Gewerbe- und Wohngebäude an der Alten Landstrasse errichtet», erklärt er. Dadurch werde das «Tor zu Unterägeri» massgebend aufgewertet. Das bestehende Gebäude Alte Landstrasse 192 wird abgebrochen.

Am Mülirain entsteht daraufhin ein rund 40 Meter langer Neubau mit Wohn- und Gewerbeflächen sowie einer Tiefgarage. Der Bau wird mit Betonelementen mit Strukturmatrizen verblendet. Eine rhythmisierte Anordnung der Fenster soll einen Bezug zu den historischen Industriebauten herstellen. «Das Projekt wurde durch G&A Architekten Altdorf in enger Kooperation mit der Denkmalpflege erarbeitet», führt René Koch dazu aus. Die dortige Topografie macht es den Verantwortlichen nicht leicht. Koch: «Eine grosse Herausforderung war die Lösungsfindung für die Umlegung der GVRZ-Leitung aufgrund der sehr engen Platzverhältnisse.» Sowohl die Bauherrin und das Architekturbüro als auch die örtlichen Behörden selbst ­legen grossen Wert auf eine hochwertige Ausführung des Bauprojektes.

Es finde ein regelmässiger Austausch zwischen der Gemeinde und der Eigentümerin der Spinnerei statt, sagt Gemeindepräsident Josef Ribary dazu. «Dieser konstruktive Austausch dient dazu, dass diese altehrwürdigen Gebäude einen Mehrwert sowohl für die SAE als auch für die Gemeinde bringen.» Dieser Mehrwert wird denn auch im zweiten Entwicklungsschritt gegeben sein, wenn die historische Direktionsvilla saniert wird – selbstverständlich wieder in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. «Diese ist für uns sehr wichtig», sagt René Koch. Bereits in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass dank dieser stets gute Endresultate erreicht werden.

Produktionsstandort soll durch Erweiterung gestärkt werden

Eine wesentliche wirtschaftliche Rolle für die Gemeinde Unterägeri spielt die alte «Innere Spinnerei» bereits länger: Seit 1981 mietet die Firma Camfil AG einen Grossteil der alten Produktionsgebäude wie auch die Direktorenvilla und stellt auf rund 8500 Quadratmetern hochwertige Luftfilter her. Die langjährige Mieterin soll ihre Produktion in Zukunft ausbauen und somit wachsen können. Im Rahmen des Gestaltungsplanes für die Liegenschaft sei eine Erweiterung des Fabrikaltbaus bewilligt, führt René Koch aus. «Damit können weitere Produktions- und Lagerflächen geschaffen und die Logistik sowie Erschliessung der verschiedenen Stockwerke verbessert werden.» Obschon ein bewilligter Gestaltungsplan wie der vorliegende Grenzen setze, gewähre er eine zeitnahe Umsetzungsmöglichkeit. «Und er schafft eine gute Ausgangslage für die Beibehaltung des Produktionsstandorts von Camfil.» Durch die geplante Erweiterung könne sich die Firma den Marktbedürfnissen anpassen. Diese hätten sich durch die Corona-Pandemie denn auch entsprechend ­geändert, zumal hochwertigen Luftfiltern dadurch ein ganz neuer Stellenwert zuteil geworden sei.

Wachstum und Wohlstand jetzt wie einst

Aus Sicht der Gemeinde ist die heutige Nutzung der alten Spinnerei am Dorfeingang ideal und zeitgemäss. «Die dortigen Gewerbe generieren Arbeitsplätze. Das ist für Unterägeri ein grosser Gewinn», sagt Gemeindepräsident Josef Ribary dazu. Somit knüpft das historische Gebäudeensemble faktisch an die Errungenschaften von einst an, als seine Nutzung im Dorf für Wachstum und Wohlstand gesorgt hat.

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