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Hünenberg: Aus zwei Ökihöfen wird einer

Die Entsorgungsstelle auf dem Zythus-Areal wird der geplanten Überbauung weichen müssen. Der Hünenberger Bauchef Thomas Anderegg reagiert im Interview auf die in einem «Offenen Brief» geäusserte Kritik.
Interview: Rahel Hug
Der Kanton will das Areal bei der Stadtbahnhaltestelle Zythus in Hünenberg See überbauen. Bild: Stefan Kaiser (8. Mai 2018)

Der Kanton will das Areal bei der Stadtbahnhaltestelle Zythus in Hünenberg See überbauen. Bild: Stefan Kaiser (8. Mai 2018)

Dass die Gemeinde Hünenberg den Ökihof auf dem Zythus-Areal schliessen will und eine neue, zentrale Entsorgungsstelle im Gebiet Schlatt plant, kommt nicht überall gut an. Marie-Theres Annen aus Hünenberg See hat dem Gemeinderat kürzlich einen «Offenen Brief» geschickt. «Wie sollen dann Hünenberger entsorgen, die nicht (mehr) Auto fahren? Die direkte Buslinie zwischen Dorf und Seegebiet ist aufgehoben; und zu Fuss anrücken mit Material ist nur etwas für ganz Sportliche», schreibt sie. Annen kritisiert auch die kürzlich beschlossene Schliessung der Ökihöfe im Dorf und im Zythus am Montag – und fragt, weshalb der «umsichtige, beliebte Sammelstellen-Leiter» entlassen worden sei.

Hintergrund des Briefes ist die geplante Überbauung des Zythus-Areals. Der Kanton will das Gebiet bei der S-Bahn-Station in Hünenberg See weiterentwickeln. Entstehen sollen Wohnungen, Verkaufsflächen, Büro-, Praxis- sowie Gewerbeflächen. Marie-Theres Annen stellt die Planung auf dem Areal generell in Frage und fürchtet eine «Zubetonierung». Da der Bus 44 nicht mehr bestehe, verkomme Hünenberg See zunehmend zur «Provinz». Der Bauvorsteher Thomas Anderegg (CVP) nimmt im Interview Stellung zum Thema.

Thomas Anderegg, hat der Gemeinderat nach der Ankündigung vom 5. Mai, den Ökihof beim Zythus zu schliessen, weitere Rückmeldungen erhalten?

Zusätzlich zum erwähnten Schreiben sind zwei E-Mails von Hünenbergern aus dem Seegebiet eingetroffen, die sich kritisch zur geplanten Arealüberbauung geäussert haben. Generell konnten wir aber feststellen – und der Stimmungsbarometer vom 5. Mai bestätigt dies –, dass die Informationen zur Machbarkeitsstudie grossmehrheitlich positiv aufgenommen worden sind. Rund zwei Drittel der Besucher waren mit dem Anlass zufrieden bis sehr zufrieden. Aufgrund der unterschiedlichen Interessen war es absehbar, dass auch kritische Voten kommen würden.

Ein Punkt, den Frau Annen und ein weiterer Leserbriefschreiber zu bedenken geben, ist die Entsorgung ohne Auto, die künftig schwierig sein wird. Hat sich der Gemeinderat darüber Gedanken gemacht?

Die Entsorgungsmöglichkeit ohne Auto wird sich grundsätzlich nicht wesentlich verändern. Es wird sowohl auf dem Zythus-Areal wie auch bei der Zentrumsüberbauung im Dorf weiterhin Entsorgungsmöglichkeiten geben, wie sie bei Grossverteilern häufig anzutreffen sind. Güter, die typischerweise im Ökihof entsorgt werden (Sperrgut, Alteisen, Karton und weitere), entsorgen nur noch die wenigsten Leute ohne Auto. Es wird einzelne Leute geben, die aufgrund der neuen Lokalitäten nicht mehr alle Güter zu Fuss werden entsorgen können. Dies ist aber heute schon für einige Quartiere oder Wohngebiete der Fall.

Hat die kürzlich beschlossene Schliessung der Ökihöfe am Montag Reaktionen nach sich gezogen?

Wie immer, wenn ein Angebot reduziert wird, gab es auch Kritik. Die Anzahl der kritischen Rückmeldungen hielt sich aber in einem sehr engen Rahmen. Hünenberg hatte im Vergleich zu anderen Gemeinden ausserordentlich grosszügige Öffnungszeiten. Mit der Schliessung an einem Tag können Kosten eingespart werden. Die Wahl fiel auf den Montag, weil an diesem Tag in den beiden Nachbargemeinden Cham und Risch die Ökihöfe geöffnet sind. Auch mit der Schliessung am Montag hat Hünenberg immer noch die drittlängsten Öffnungszeiten im Kanton Zug hinter Baar und Zug.

Im «Offenen Brief» ist von der «kurzfristigen Entlassung des umsichtigen, beliebten Sammelstellen-Leiters» die Rede. Was hat es damit auf sich?

Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit dem erwähnten Ökihof-Mitarbeiter hat nichts mit der Ökihof-Strategie des Gemeinderates zu tun. Über die Auflösungsgründe dürfen wir aus personalrechtlichen Gründen aber nicht näher Auskunft geben.

Wie nimmt der Gemeinderat Stellung zu der im Brief geäusserten Kritik betreffend der baulichen Entwicklung des Zythus-Areals?

Der Gemeinderat hat Marie-Theres Annen seine Meinung mitgeteilt und auf die Kritik geantwortet, soweit sich die Kritik nicht auf persönliche Meinungsäusserungen beschränkte. Der Gemeinderat steht einer Entwicklung und Aufwertung des Zythus-Areals, wie sie vom Kanton dargelegt worden ist, grundsätzlich positiv gegenüber. Die Gemeinde ist aber weder Eigentümerin einer der betroffenen Parzellen noch Bauherrin des Projekts.

Können Sie die Sorge verstehen, dass das Seegebiet, auch wegen der ÖV-Verbindungen, zur «Provinz» verkommen könnte?

Der Gemeinderat bedauert es nach wie vor, dass die Buslinie 44 vor Ablauf der ursprünglich vorgesehenen Versuchsphase eingestellt wurde. Dies betrifft aber vor allem die im Dorf wohnhaften Hünenbergerinnen und Hünenberger, die keinen Anschluss mehr zu den ÖV-Verbindungen beim Zythus haben. Das Seegebiet hingegen ist mit den beiden Stadtbahnhaltestellen sowie den Buslinien Richtung Cham und Rotkreuz sehr gut erschlossen.

Zum neuen Ökihof im Schlatt: Gibt es diesbezüglich bereits weitere Informationen?

Der Gemeinderat klärt zurzeit anhand einer Machbarkeitsstudie das weitere Vorgehen ab.

Wann könnte ein allfälliger neuer Ökihof gebaut werden, wenn alles nach Plan verläuft?

Die Realisierung eines neuen Ökihofs im Schlatt bedingt einerseits die Zustimmung der Korporationsversammlung (Landabtausch) und andererseits die Zustimmung der Stimmberechtigten der Einwohnergemeinde (Zonenplanänderung und Baukredit). Weiter wird die Zustimmung verschiedener Ämter des Kantons und des Bundes erforderlich sein. Idealerweise könnte der neue Ökihof im Schlatt eröffnet werden, bevor auf dem Zythus-Areal mit der Überbauung begonnen und der dortige Ökihof geschlossen würde.

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