Ausbeutung auf Zuger Baustelle

Diese Woche wurde publik: Auf einer Zuger Baustelle schufteten 18 ungarische Plättlileger für knapp drei Franken Stundenlohn.

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Blick auf die Baustelle der Überbauung «Suurstoffi» im Frühling dieses Jahres. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Blick auf die Baustelle der Überbauung «Suurstoffi» im Frühling dieses Jahres. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Politiker, Gewerkschafter und Unternehmer sind empört. Denn bei einer Baustellenkontrolle im vergangenen Monat stellte sich folgender Sachverhalt heraus: 18 Plättlileger aus Ungarn arbeiteten auf der sogenannten «Suurstoffi-Überbauung für 100'000 ungarische Forint. Das sind rund 420 Franken für 20 Arbeitstage. Auf die Stunde heruntergerechnet ergibt das einen Ansatz von weniger als drei Franken. Giuseppe Reo, Regionalsekretär der Unia in Luzern spricht in diesem Zusammenhang von «Sklavenarbeit.» Und der Krienser Unternehmer und Spitzenfunktionär im Plattenleger-Gewerbe, Silvio Boschian, sagt: «Solange dieser Fall nicht restlos aufgeklärt ist, müsste man diese Baustelle sperren.»

Die ungarischen Arbeiter waren für einen sogenannten Unterakkordanten tätig. Das heisst, ihr osteuropäischer Patron zog den Auftrag nicht selber an Land, sondern erhielt ihn von einem Schweizer.

Noch krasser als der Ikea-Fall dieser Konstellation, dem Weitergeben von Bau-Aufträgen, ortet der Luzerner Nationalrat Louis Schelbert, Grüne, den Kern des Problems. Er will, dass künftig bei Verfehlungen, wie im Fall von Rotkreuz, nicht nur der Unterakkordant zur Rechenschaft gezogen wird, sondern wie im beschriebenen Fall auch das Schweizer Unternehmen.

Der Zuger Lohn-Dumpingskandal ist das krasseste Beispiel in einer Reihe von Vorkommnissen, die sich jüngst in der Schweiz ereigneten. Kürzlich publizierte der «Sonntag», dass Ungarn für Ausbau-Arbeiten in einer Ikea-Filiale mit einem Stundenlohn von fünf Franken abgespiesen wurden. Und gestern berichtete der «Blick» über bosnische Schweisser und Schlosser, die für 13 Euro pro Stunde in einere Berner Kehrichtverbrennungsanlage arbeiteten.

Thomas Heer

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der Zentralschweiz am Sonntag.