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AUSBILDUNG: Einmal über den Tellerrand schauen

Rina Hanke hat drei Wochen lang in einem englischen Restaurant gearbeitet. Ein europäisches Austauschprogramm hat ihr das ermöglicht. Auch das GIBZ hat seinen Teil dazu geleistet.
Marco Morosoli
Rina Hanke hat in England wertvolle Erfahrungen gesammelt. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 15. September 2017))

Rina Hanke hat in England wertvolle Erfahrungen gesammelt. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 15. September 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Einmal in der Fremde arbeiten, ist sehr beliebt. Das zeigen Arbeiten von Absolventen des Gewerblich-Industriellen Bildungszentrums Zug (GIBZ). Im Detail wird dort geschildert, was die Lehrlinge während ihres Aufenthaltes in Deutschland, Italien, Grossbritannien und in der Slowakei alles erlebt und auch gelernt haben (siehe Box).

Diese Abschlussarbeit hat Rina Hanke zwar noch nicht geschrieben. Aber den Stoff dazu hat sie schon einmal beisammen. Sie hat drei Wochen in Christchurch in der südenglischen Grafschaft Hamsphire gelebt und in der Küche des Restaurants Noisy Lobster gearbeitet. Die 19-Jährige erzählt voller Enthusiasmus über ihre Zeit auf der Insel: «Ich durfte gleich am ersten Tag einen frisch gelieferten Hummer vorbereiten.» Überrascht sei auch die Küchenmannschaft gewesen, als sie sich dort vorgestellt habe. In Grossbritannien seien Küchenteams nämlich meist männlich.

Ein Schweizer Gericht auf der Speisekarte

Bereits am zweiten Arbeitstag im «lärmigen Hummer» hatten die neuen Kochkollegen eine vertraute Aufgabe für die Köchin auf Zeit auf Lager: «Ich musste eine richtige Schwiizer Röschti zubereiten.» Diese Schweizer Spezialität wurde sogleich auf die Speisekarte gesetzt. Die wohl bei vielen Briten neuartige Kreation sei dann im Lokal auch sehr gut gelaufen. Aufgefallen ist der gelernten Köchin aus Oberrieden im Kanton Zürich auch, wie «altmodisch die Küche in diesem Restaurant» gewesen ist. Da müsse noch jeden Tag der Herd eingefeuert werden.

Gestaunt hat Rina Hanke zudem gleichentags, als ein Heilbutt angeliefert worden ist. «Solche Fische bekommen wir in Schweizer Küchen eher nicht als Ganzes zu Gesicht», sagt sie. Die Arbeit des Filetierens habe dann der Küchenchef übernommen: «Ich war so beeindruckt, dass ich nicht einmal ein Bild gemacht habe.» Ebenfalls zum Austauschprogramm gehörte ein Tag in der restauranteigenen Bäckerei. Rina Hanke sagt, dass sie dort viel gelernt habe: «Der Arbeitsbeginn um 5 Uhr morgens war ein wenig zu früh für mich.» Schläfrig sei sie aber schnell nicht mehr gewesen, denn die Bäcker hätten lauten Metal Sound gehört. Auch eine Methode, um wach zu werden.

Neben ihrer Arbeit, über die sie täglich Protokoll führen musste, ist auch noch Zeit geblieben, um ein wenig die Umgebung zu erkunden. Christchurch, wo sie bei einer Gastmutter logiert hat, liegt ganz in der Nähe von Bournemouth. Das ist ein Ort, in dem es viele Touristen hat. Auch bei Sprachschülern ist die Stadt sehr beliebt. Rina Hanke hat denn auch Schweizer getroffen. Doch trotzdem sagt sie: «Ich habe in den drei Wochen im Englischen Fortschritte gemacht. Einerseits habe ich in der Fachsprache dazugelernt, aber natürlich auch von der dort praktizierten Umgangssprache profitiert.»

Sehr schnell hat sich Rina Hanke auch mit dem englischen Wetter arrangieren müssen: «Ich bin nie ohne einen Regenschirm aus dem Haus gegangen.» Erwähnenswert findet sie auch, dass die Engländerinnen immer geschminkt seien. Das treffe auf alle Altersklassen zu. Beeindruckt hat Rina Hanke noch eine andere britische Gepflogenheit: «Die britischen Männer lassen den Frauen beim Einsteigen in einen Zug den Vortritt. Es ist auch selbstverständlich, dass Männer den Frauen im Bus den letzten Sitzplatz überlassen. So viel Freundlichkeit erlebt man in der Schweiz oft nur um halb drei morgens beim Verlassen einer Bar.»

Sie würde gleich noch einmal gehen

Rina Hanke hat auf der Insel eine gute Zeit gehabt: «Ich habe bei der Arbeit tolle Leute kennen gelernt.» Neuland sei für sie auch gewesen, dass «ich in dieser Zeit auf mich alleine gestellt war». Doch dies habe ihr gut getan: «Im Ausland zu arbeiten, erweitert den Horizont.» Und sie hat jetzt auch vielen Schweizer Köchen etwas voraus. Sie hat eine gewisse Routine im Umgang mit «Seafood» erlangt.

Möglicherweise kann sie diese neu gelernte Fingerfertigkeit ja schon sehr bald wieder einmal anwenden. Sie hat sich entschlossen, in Luzern die Hotelfachschule zu machen. Ihre Lehre hat die in Oberrieden wohnende Köchin im Zuger Kantonsspital absolviert und vor den Sommerferien erfolgreich abgeschlossen. Deshalb ist sie auch in Zug zur Schule gegangen. Derzeit drückt Rina Hanke noch einen Tag in der Woche im GIBZ die Schulbank. Sie hat sich für die Berufsmittelschule der technischen Richtung entschieden. Diese dauert vier Jahre, währenddem die Kochlehre nach drei Jahren abgeschlossen wird.

Jetzt wartet noch eine Arbeit auf sie: Sie muss ihre Eindrücke in der Küche und drum herum zu Papier bringen. Wer ihren Schilderungen zuhört, kann davon ausgehen, dass sie dies mit Genuss macht. Ohne Umschweife sagt sie: «Ich würde es wieder machen.»

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