Ausstellung
Kunst: Aus den Strichen wächst ein Garten

In der Zuger Galerie Renggli zeigt die Luzerner Künstlerin Monika Feucht neue Zeichnungen und Objekte. Die Werke sind kontrastreich und verwirrend zugleich.

Monika Wegmann
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Monika Feuchts Werke wirken dreidimensional.

Monika Feuchts Werke wirken dreidimensional.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 3. März 2021)

Die Erleichterung über die Wiederöffnung des Kunstbetriebes ist spürbar gross: bei der Galeristin Carla Renggli in Zug ebenso wie bei der Luzerner Künstlerin Monika Feucht, der die aktuelle Ausstellung «Signum-Systeme» gewidmet ist. Sie sagt am Mittwoch an der Eröffnung: «Sie hätte schon vor einem Jahr stattfinden sollen. Aber durch Corona wurde alles anders. Jetzt freue ich mich sehr.» Und so bespielt sie mit ihren fantasievoll durchdachten Werken die stimmungsvollen Räume der Galerie.

Bereits im Eingangsbereich wird der Blick des Besuchers unwillkürlich von dem grossformatigen, zweiteiligen Werk «Jardin Inconnu» angezogen. Schemenhaft wächst und wuchert hier ein hängender Garten. Aus einer mit Bleistift gezogenen linierten Struktur entwickelt Monika Feucht durch das Übereinanderlegen von Schichten ein System von Verästelungen. Sie erklärt:

«Wenn ich etwas Anregendes in dieser Struktur sehe, gehe ich dem nach.»

Wie immer hat sie auch bei diesem Werk stehend gearbeitet, ohne Plan, Strich um Strich – ihrer Fantasie folgend. Bei den Zeichnungen erreicht sie so durch das Modulieren der Striche und Linien eine Dreidimensionalität. Jedem, der sich das Bild genau ansieht, ist klar: Hier ist Geduld vonnöten. Die Künstlerin lacht, gibt aber zu, dass sie für solch grosse Werke viel Zeit aufwendet. «Weil ich jeweils nur einzelne Teile auf dem Papier bemale, dauert es acht Monate bis ein Jahr. Das ist eine meditative Arbeit. Daneben arbeite ich jedoch immer parallel an anderen Bildern.»

Das Spielerische

Obwohl die Zeichnungen mit dem Bleistift so etwas wie ein Markenzeichen von Monika Feucht sind, verfügt sie über ein weites Feld der Formgebung. Dies verdeutlichen die tanzenden kleinen Figürchen «Spirit die Marmi» beim Eingang. Die spielerisch wirkenden Objekte entstanden aus den Zeichnungen von der Marmorabdeckung in der Küche ihres Ateliers in Genua. «Die Marmorstrukturen sahen fast figürlich aus. Ich habe sie weiterentwickelt, vergrössert, ausgeschnitten und bemalt.» Aus dem Atelieraufenthalt in Genua 2018 resultieren weitere Werke, welche sich auf den Innenraum beziehen, wie «La Cena», eine Kollektion von Tischsets, die auf Spiegelungen im Teller beruhen, oder «Meubler sa Solitude», wo sie mit Leuchtfarben der damaligen Tristesse entgegenwirkt. Die Ateliers bedeuten noch heute für die Künstlerin eine Inspirationsquelle der Erinnerung.

Auch grossformatige Arbeiten sind ausgestellt.

Auch grossformatige Arbeiten sind ausgestellt.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 3. März 2021)

Auch aus Natur und Umwelt schöpft Monika Feucht oft ihre Anregungen. Wenn sie etwas entdeckt, beispielsweise in der Zeitung, schneidet sie solche Teile aus und klebt sie in eines ihrer Notizhefte. So kann ein Tier durch ihre Kreation zu einem anderen Wesen werden, wobei die Künstlerin Menschen- und Tierelemente spielerisch oder auch augenzwinkernd verbindet, so wie bei der Serie «Signum» im Obergeschoss.

Dreidimensionalität und Schattenwurf

Zwischen den Malereien sind weitere kleine skulpturale Objekte «Bete de Somme», einmal als mit Gaze umwickelte Ästchen oder in ähnlicher Form in Bronze zu finden, welche ihre Ideen auf eine andere Art transportieren. «Mich interessiert das Dreidimensionale und besonders der Schattenwurf. Die Bronze ist für mich ein neues Material, das mir die Möglichkeit zum Weiterentwickeln verschafft», so die Künstlerin, der die Ideen nicht auszugehen scheinen. Beeindruckend sind ihre flächigen Zeichnungen und genauso ihre vielseitigen künstlerischen Ausdrucksformen. Die Arbeiten erscheinen geheimnisvoll, und lassen bei den visuellen Transformationen zwischen Gegenständlichem und Abstraktion viel Raum für die Fantasie.

Monika Feucht (65) ist in Meggen aufgewachsen. Nach der Schule für Gestaltung in Luzern studierte sie an der Hochschule Design und Kunst. Ihr künstlerisches Schaffen wurde mit diversen Stipendien und Atelieraufenthalten gewürdigt. Inzwischen sind etliche ihrer Werke Teil von privaten und öffentlichen Sammlungen.

Die Ausstellung «Signum-Systeme» mit Zeichnungen und Objekten von Monika Feucht läuft bis 3. April in der Galerie Renggli, Zug, Ober-Altstadt 8. Sie ist geöffnet: Mi–Fr, 14–18 Uhr, Sa 10–16 Uhr.