AUSSTELLUNG: Bauforum Zug provoziert mit Utopien

Zug, Baar, Steinhausen und Cham wachsen zusammen. Die Zukunft dieser Gemeinden malt sich das Bauforum aus – und die Bürger sollen mitplanen.

Susanne Holz
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Endlich: Baar kommt in dieser Utopie zu Seeanstoss. (Bild: Visualisierung Bauforum Zug)

Endlich: Baar kommt in dieser Utopie zu Seeanstoss. (Bild: Visualisierung Bauforum Zug)

«Ich atme diese Landschaft ein und habe daran zu beissen.» Gestern hielt Max Huwyler eine Lesung in der Baarer Rathus-Schüür ab, und zwar im Rahmen einer Vernissage des Zuger Bauforums. «Ich bin auch eine Stadt – Utopien für Zug», so nennt sich die Wanderausstellung, deren erste von vier Stationen Baar ist. «Seit Jahrzehnten wachsen die Gemeinden rund um die Lorzenebene stark und kommen sich immer näher. Mittendrin hält sich der Grünraum der Lorzen­ebene», so das Bauforum. Als «Herzstück des Kantons» und «grüne Lunge» bezeichnen Bauforum und Richtplan diesen Grünraum. Doch welche Gestalt wird er in Zukunft haben?

Utopie oder Horrorszenario?

Damit niemand «daran zu beissen haben» wird, fordert das Bauforum die Bevölkerung auf, eigene Visionen zu entwickeln. Und stellt zugleich die seinen vor. Zuerst in Baar, dann in Cham (ab dem 29. April), in Steinhausen (ab dem 20. Mai), zuletzt in Zug (ab dem 10. Juni). Die Planungsideen des Bauforums werden in jeder Gemeinde leicht variieren – und vor allem: provokativ sein. Beim Baarer Rathausbrunnen zeigt seit gestern ein grosses Plakat Vision Nummer eins: Die gesamte Lorzenebene ist bis auf einen breiten grünen Keil an Inseln zusammengewachsen. Baar stösst an den See an, die Lorzenebene ist zur Lagunenstadt geworden, Venedig lässt grüssen. «Utopie oder Horrorszenario?», so wird auf dem Plakat gefragt.

Das Bauforum ist sich sicher: «Wenn wir das Wachstum in der Zuger Lorzen­ebene aktiv gestalten wollen, braucht es die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit – und Planungsideen über Gemeindegrenzen hinaus.» Zug, Baar, Steinhausen und Cham – sie wachsen immer mehr zusammen. Gemeinsam sind die vier Gemeinden am unteren Seebecken über 60 000 Einwohner stark. Bei der Vernissage in Baar meint Thomas Baggenstos, Präsident des Bauforums: «Utopien und Visionen zur künftigen Lorzenebene gibt es seit mehreren Jahren – nun sind starke Planungsideen gefragt. Die Bilder der Ausstellung werden provozieren und zum Nachdenken auffordern.»

U-Bahn von Risch bis Oberägeri

Drei grosse Plakate umfasst die Ausstellung beim Rathausbrunnen. Auch darauf zu sehen: die «Tarifzonen-U-Bahn 2048». Da gibt es die Station «U-Kolinplatz» oder «U-Baar City» oder auch «U-Buonas Risch». Angedacht werden «eine U-Bahn durch zwei Tunnel unter dem See und minutenschnelle Verbindungen zu den Berggemeinden». Auf dem Plakat daneben die Aufforderung: «Machen Sie mit – hier ist Raum für Ihre Visionen». Gestern Abend haben noch nicht viele zum Stift gegriffen, einer hat geschrieben: «U, hure schön!»

Im Dreiwochenrhythmus besucht das Bauforum nun mit seiner Ausstellung die Gemeinden der Lorzenebene. Zum Dialog laden nicht nur die Plakate an zentralen Plätzen ein, sondern auch der Blog «ichbinaucheinestadt.ch».

Die Lagunenstadt in der Lorzenebene

Seit Jahrzehnten wachsen die Gemeinden rund um die Lorzenebene stark und kommen sich immer näher. Mittendrin hält sich der Grünraum der Lorzenebene. Kanton und Gemeinden bemühen sich um eine gemeinschaftliche, sinnvolle Planung dieses Lebensraums, einem Herzstück des Kantons. Doch genügt das? Begründen die Freiflächen und zaghaften Grünkorridore wirklich die im Richtplan beschriebene «grüne Lunge»? Würde die Region nicht mehr profitieren, wenn die Gemeinden in der Lorzenebene gemeinsam stark verdichtete Zonen, geschützte Siedlungsbereiche und Freiräume planen würden?

Provokative Visionen

Um das Potenzial des gemeinsamen Planens aufzuzeigen, lädt das Bauforum Zug anhand von vier provokativen Planungsideen die Bevölkerung ein, ihre Visionen zur Zukunft ihres Lebensraums zu entwickeln. In der ersten Vision (siehe Bild) lädt das Bauforum die Bevölkerung von Baar ein, sich vorzustellen, dass die ganze Lorzen­ebene bis auf einen breiten, grünen Keil an Inseln zusammenwachsen würde. So würden kilometerlange Ufer und grosszügige Parkanlagen entstehen. Baar käme zum Seeanstoss, die Lorzen-ebene würde zur Lagunenstadt, fast wie Venedig oder Stockholm.

Die Öffentlichkeit als Konstante

Ein Rückblick auf Planungen in den Zuger Gemeinden zeigt, dass diese immer wieder abbrechen. Solche Brüche werden beispielsweise in Arkadenlinien sichtbar, die in Zentren mal beginnen und wieder aufhören, weil in der Fortsetzung entweder (noch) nicht neu gebaut oder die Planungsidee schon wieder verworfen wurde. Tatsächlich ändert sich unser gebauter Lebensraum weniger schnell, als Planungsideen und Politiker wechseln. Die Öffentlichkeit hingegen zeigt in der Planung erstaunlich viel Konstanz: Sie ist direkt betroffen, und ihre Bedürfnisse und Interessen bleiben. Darum zielt das Bauforum Zug mit seinen Planungsvisionen auf die Öffentlichkeit. Sie soll für die Frage der grossräumigen Planung und für ihre wichtige Rolle in der Planung sensibilisiert werden.