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AUSSTELLUNG: Eine Stadt zeigt Kunst

«Skulpturen in Baar» ist eröffnet. Im Vorfeld hat das Projekt für hitzige Diskussionen gesorgt. Diese dürften weitergehen.
Falco Meyer
Franziska Zweifel schaut sich mit Sohn Lionel die Skulptur «Atemzug» von Kari Koller im Martinspark an. (Bild: Stefan Kaiser)

Franziska Zweifel schaut sich mit Sohn Lionel die Skulptur «Atemzug» von Kari Koller im Martinspark an. (Bild: Stefan Kaiser)

Baar schenkt sich was: Kunst zum Suchen, versteckt auf vergessenen Plätzen und hinter technischen Schranken. Manchmal auch rücksichtslos prominent, wie der übergrosse Truck­reifen, der die klapprigen Fahr­räder am Bahnhof-Veloständer zerquetscht. Oder ganz fein, wie der Auto-Vogel, der jeden motorisierten Durchfahrer anpfeift. «Skulpturen in Baar» heisst die Ausstellung. Seit gestern offiziell eröffnet, ist sie eine Art Überraschungsei, verteilt über die ganze Gemeinde. «Man kann die Werke auch übersehen», sagt Matthias Haldemann. Er ist der Direktor des Kunstmuseums Zug und Leiter der Jury für die Auswahl der Skulpturen.

Fundstücke von Andrea Röthlin (Bild: PD)
Atemzug von Kari Joller. (Bild: PD)
Fluren von Eva Christen, Inés Hubacher, Heidi Nil und Carmela von Arx. (Bild: PD)
Ortsbezüge von Silvana Iannetta. (Bild: PD)
Transversal von Niklaus Lenherr (Bild: PD)
Überbauen von Norbert Stocker (Bild: PD)
Und von Markus Uhr (Bild: PD)
Wandelbaar von Claude Bernhart Seeberger (Bild: PD)
Wiegenlied von Elisabeth Oppenheimer und Guido Loeckx (Bild: PD)
Erdling von Micha Aregger. (Bild: PD)
Falle und Köder von Piero Maspoli und Markus Uhr. (Bild: PD)
4477 von Eugen Jans. (Bild: PD)
Readymade von Eugen Gut. (Bild: PD)
Weg weisen von Remo Hegglin. (Bild: PD)
Vogelsang von Quido Sen und Andreas Schenk (Bild: PD)
15 Bilder

Baar zeigt Kunst

Start-Tritt

Und er hat Recht: Es sind feine Dinge, oder übergrosse, oder solche, die gar nicht wie Kunst aussehen. Wie etwa das Werk «Readymade» von Emil Gut. Bauelemente und Absperrschranken, aufgestellt wie hingeworfene Spielsteine. Was auf der Website von «Skulpturen in Baar» prompt die erste Reaktion auslöst: «Welche Drogen muss ich nehmen, damit ich hier Kunst sehe», schreibt da einer, und das ist wohl auch im Sinne der Macher. Denn was hier eigentlich beabsichtigt wird, ist nichts anderes, als dem öffentlichen Raum einen Start-Tritt zu verpassen. Ihn anzustossen und ins Rollen zu bringen. Denn Baar schenkt sich Kunst zum Darüber-Streiten, und das gefällt einem ganz besonders. Gemeindepräsident Andreas Hotz schmunzelt und sagt: «Ich freue mich sehr über die gelungene Ausstellung. Es gab schon vorher Kontroversen, und es wird auch während der nächsten drei Monate Diskussionen über die Kunstwerke geben. Und das ist richtig so.» Schlussendlich geht es Hotz dabei um nichts Geringeres als öffentliche Identitätsbildung.

Viel Überzeugungsarbeit

Vier Jahre lang hatte der ganze Prozess gedauert, jetzt stehen die Werke in der Stadt. «Es brauchte viel Überzeugungsarbeit. Allein die Installation der 15 Skulpturen hat Reaktionen und Leserbriefe ausgelöst.» Sagt er und ergänzt lachend: «Und das bei einer Aussenhitze von 35 Grad. Das spricht für die Dynamik und den Zeitgeist in der Gemeinde.» Und schlussendlich geht nichts verloren: «Die Künstler», versichert Haldemann in seiner Ansprache, «geben die Plätze am Schluss unbeschadet wieder zurück.»

Tiger als Dank

Der kleine Platz hinter dem Bahnhof ist derweil voller Menschen. Sie sind für die Vernissage da und werden sich gleich auf den Weg durch die Stadt machen, vorbei an Claude Bernhart Seebergers interaktiver Zeitungswand «Wandelbaar», auf der der Künstler regelmässig Bilder von Baar veröffentlichen wird. Und an dem sich ein fünfjähriger Nachwuchskünstler schon beteiligt hat, mit gezeichnetem Tigerbild, als «Dank für die vielen schönen Skulpturen». Vorbei an Niklaus Lenherrs Bilderreihe «Transversal», die Baar aus grossstädtischer Perspektive betrachtet. Es sind Fotografien von Hochgleisen und Bahnstromverkabelung und Stopper-Block, Baar in Grossformat als Moloch der Mobilität. Vorbei an Markus Uhrs «Und», das in Leuchtbuchstaben auf die Nichtigkeit der Welt hinweist, und auf alles was noch kommt, und auf die Unersättlichkeit, und auf ganze andere Dinge.

«Skulpturen in Baar» schmeisst sich hinterrücks an den Betrachter, unerwartet, aber auf positive Weise: Die Skulpturen fügen der Stadt etwas an, etwas, was vielleicht schon da war oder vielleicht noch sein könnte. Es ist ein Versteckspiel mit glorreichen Visionen, das sich Baar da erlaubt, mit ungewissem Ausgang. Und dann das Ruderboot am Bahnhof, in das man steigen darf. «Wiegenlied» heisst das Ding, und es singt, und man kommt sich kindlich vor, so im Ruderboot zusammengesunken und eingeschläfert. Die Sängerinnen sind aus Baar, möglicherweise wirke das Ganze darum so eindringlich und auch etwas gefährlich, entführt per Holzboot, mitten aus dem Baarer Bahnhofsplatz.

Glücksmünzen

Man kann aber auch Glücksfunde machen, drei Monate lang. Andrea Röthlin verstreut Geld in der Stadt, grosse Münzen aus Bronze. Als wären sie beim Renovieren der Strasse aufgetaucht, Grabbeigaben aus alten Zeiten. Oder spontan gewachsen aus dem Überfluss der Zuger Wirtschaft? «Nein, damit hat es nichts zu tun», sagt Röthlin und lacht. Es sind Glücksmünzen. Statt dass sie vorzeitlichen Menschen die Überfahrt in den Tod bezahlen, sollen sie lebendigen Menschen etwas zum Nachdenken geben. «Spass» steht da, oder «Mut», oder «heitragen», oder «Glanz». Aber manche kleben auch am Boden fest, die sind nicht zum Mitnehmen. «Es soll ein Spiel sein», sagt Röthlin, vielleicht findet jemand eine Münze mit einem Wort, das zu ihm passt.» Und wem die Ausstellung gar nicht gefallen will, der soll sich an Remo Hegglins Installation «Weg weisen» halten. Sie weist ihm den Weg: weit weg.

Hinweis

Es werden Führungen durchgeführt, immer montags um 18 Uhr, donnerstags um 12.15 Uhr und samstags um 10.30 Uhr. Informationen auf www.skulptureninbaar.ch

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