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AUSSTELLUNG: Katastrophen und Skandale in Zug

Im Staatsarchiv lagern viele Akten aus vergangenen Tagen. Wer sich morgen Zeit nimmt, kann dort in die Geschichte des Kantons eintauchen und findet Zeugnisse von dunklen Momenten vor.
Marco Morosoli
Ein seltener Blick auf die Vorstadtkatastrophe von 1887 vom See aus. (Bild: Staatsarchiv Zug)

Ein seltener Blick auf die Vorstadtkatastrophe von 1887 vom See aus. (Bild: Staatsarchiv Zug)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Wer sich das Zuger Staatsarchiv als einen Hort von vergilbten, verstaubten und ungeordneten Akten vorstellt, liegt falsch. «Bei uns lagern zwar viele alte Unterlagen, wir sind aber zukunftsorientiert», sagt der Zuger Staatsarchivar Ignaz Civelli. Davon kann sich jedermann morgen am Archivtag selber ein Bild machen. Das Staatsarchiv öffnet seine ansonsten verborgenen Schätze temporär für die Öffentlichkeit. Es gibt regelmässige Führungen durch die Zuger Schatzkammer der Geschichte.

Die Aufgabe dieser Institution im Verwaltungsgebäude besteht darin, Zeugnisse vergangener Zeiten geordnet aufzubereiten und in die Ewigkeit hin­überzuretten. Das an sich ist schon eine grosse Herausforderung, denn Papier kann bei unsachgemässer Lagerung zerbröseln, Fotos können vergilben, und bei digital aufbereiteten Datensätze besteht die Gefahr, dass sie dereinst nicht mehr genutzt werden können, weil die Daten nicht mehr lesbar sind.

Damit dies nicht geschieht, orientiert sich das Staatsarchiv an international gültigen Archivstandards. Die Sammlung, die auch in 100 und mehr Jahren noch gelesen werden kann, läuft unter dem Label «Digitales Langzeitarchiv». In dieses Gedächtnis für die Zukunft transferiert werden zum Beispiel die von der Verwaltung des Kantons Zug elek­tronisch produzierten Akten. Es wird jedoch nicht alles digitalisiert. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Der Vorteil dieser Speicherart liegt darin, dass es bald einmal möglich sein wird, ­einen digitalen Lesesaal anzubieten. Einige der Schautafeln in der Ausstellung nehmen sich denn auch dieser Problematik an.

Als die Zeitschrift «Bravo» noch als «Schund» galt

Die Ausstellung im Staatsarchiv bietet aber nicht nur einen Einblick über die dortige Arbeit. In den vergangenen Monaten sind innerhalb des Teams interessante Geschichten aufgetaucht, zu denen im Staatsarchiv Unterlagen vorhanden sind. Skandale haben dabei sehr viel mit zeitgenössischen Ansichten gemein. In den Anfangszeiten des Films: Der Zuger Regierungsrat hat im Jahr 1912 eine Kinoverordnung erlassen. In dieser wurde bestimmt, wer welche Filme anschauen durfte. Die Befürchtung der Exekutive ging dahin, dass gewisse Filme Sitte und Moral gefährden würden. Kaum zu glauben, aber wahr: 1935 wurde der Walt-Disney-Film «Mickey Mouse» erst ab 18 Jahren freigegeben. Heute erheitert die Maus Kleinkinder in allen Weltteilen.

Der Kanton Zug führte aber auch eine «Schwarze Liste» für gedruckte Titel. Auf dieser war die Jugendzeitschrift «Bravo» aufgeführt. Diese Zeitschrift ­verschwand aber nicht aus der ­Auslage der Kioske. Um ein Exem­plar zu erwerben, musste der Käufer allerdings 20 Jahre alt sein. Wer Näheres zu all diesen «Fällen» erfahren will, wird im Staatsarchiv fündig werden.

Die Pest raffte fast einen Drittel der Bewohner dahin

Auch Katastrophen haben in der Ausstellung einen Platz. So gibt es Details zur Vorstadtkatastrophe im Jahre 1887 oder der letzten Pestepidemie im Kanton Zug zu der Zeit, als in Europa der Dreissigjährige Krieg wütete. Hilfsmittel ist hier ein Sterbebuch eines Ägerer Pfarrers. Anhand des Zahlenmaterials kann davon ausgegangen werden, dass in den Jahren 1628 und 1629 im Kanton wohl jeder dritte Einwohner gestorben ist. Auf die heutige Zeit aufgerechnet, wären dies 40000 Pesttote – eine schockierende Zahl. Erwähnenswert ist auch die erste gedruckte Kantonsgeschichte. 1818 öffnete der Kanton sein Archiv zu Forschungszwecken. Franz Karl Stadlin, ein Arzt und Geschichtsschreiber, wollte eine vierteilige Geschichte über den Kanton Zug schreiben. Doch schon der erste Band hat für Irritationen gesorgt. Stadlin hätte der Regierung das Werk vor dem Druck zeigen sollen. So sollte verhindert werden, dass «unangenehme Erinnerungen» publik gemacht werden. Der Autor hat sein Werk aber der Obrigkeit nicht vorgelegt. Als die «weltliche und geistliche Elite» das Buch in die Hände bekam, ging ein Aufschrei durch den Kanton. Die Würdenträger waren «schockiert». Die Konsequenz: Das Buch wurde verboten und alle noch «greifbaren Exemplare» wurden eingezogen. Doch Stadlin liess nicht locker. Er liess sein Buch einfach in Luzern drucken. Dorthin reichte der Zuger Bann nicht.

Hinweis

Samstag, 18. November: Zuger Archivtag zum Thema «Verbrechen, Skandale, Katastrophen» im Staatsarchiv an der Aabachstrasse 5 in Zug. Es gibt Führungen, Filme, eine Ausstellung und ein Bistro. Der Archivtag dauert von 10 bis 17 Uhr. Mehr Infos im Internet unter: www.zg.ch/staatsarchiv.

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