AUTOBAHNERÖFFNUNG: A4-Eröffnung: Jetzt rollt der Verkehr

Zwei Zentralschweizer waren unter den Ersten, die die neue Autobahn A4 im Knonaueramt offiziell befahren durften. Um 14 Uhr wurde die neue Strasse für alle freigegeben.

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Die Ruhe ist vorbei, der Verkehr auf der A4 rollt. (Bild René Meier/Zisch)

Die Ruhe ist vorbei, der Verkehr auf der A4 rollt. (Bild René Meier/Zisch)

Peter Notter aus Beckenried war die erste Person, die per Auto die neue Autobahn durchs Knonaueramt befahren konnte. Der erste Lastwagenfahrer war Remo Stauffer aus Rothenburg, der mit seinem Pistor-Lastwagen vor Ort war. Die beiden wurden von der Polizei aufgehalten und gefragt, ob sie bei der Premiere dabei sein wollten. Natürlich sagten beide sofort Ja. Auch ein erster Motorradfahrer konnte die Strecke befahren. Es ist der 91-jährige Ernst Baltisberger aus Affoltern am Albis. Der (noch immer aktive) Velo- und Töffmechaniker war laut eines Berichts des «Tages Anzeigers» mit seinem Motorrad «Gotthard-Balti» dabei, ein Oldtimer Marke Eigenbau.

Um 14 Uhr für den Verkehr freigegeben
Die Ampeln in Fahrtrichtung Luzern wurden laut einer Mitteilung des Kantons Zürich um 14 Uhr auf Grün gestellt. Eine halbe Stunde später wurde auch die Fahrtrichtung Zürich freigegeben.

Impressionen und Stimmen zur Eröffnung sowie eine Testfahrt über die neue Strecke:

Mit der A4 durchs Knonaueramt werden nicht nur die dortigen Gemeinden vom Durchgangsverkehr entlastet. Das ganze schweizerische Nationalstrassennetz erfährt
in mehrfacher Hinsicht eine markante Aufwertung. Zusammen mit der neulich eröffneten Westumfahrung Zürich schliesst die Autobahn durchs Knonaueramt wichtige Lücken im Nationalstrassennetz, die auch die Zentralschweiz betreffen:

? Auf der Nord-Süd-Achse erhält die Schweiz nun eine neue Alternativstrecke: Neben der A2 zwischen Basel und Luzern steht den Reisenden und dem Schwerverkehr nun ab Basel die Route A3 – Westumfahrung Zürich – A4 zur Verfügung.
? Der Raum Luzern / Schwyz / Zug wird sicherer und enger an die Stadt Zürich angebunden als dies bisher via Knonaueramt und Sihltalstrasse der Fall war.
? Die gesamte Nordostschweiz rückt näher ans Tessin. Besonders wichtig ist die neue A4 für die Erschliessung der Nordostschweiz durch den Güterverkehr. Der Schwerverkehr aus dieser Region wird direkter an die Nord-Süd-Transitroute angehängt.
? Eine erhebliche Entlastung bringt die A4 für die Gemeinden im Knonaueramt: Berechnungen gehen davon aus, dass die Ortsdurchfahrten um 40 bis 50 Prozent zurückgehen. Bei den Lastwagen ist sogar mit einer Reduktion um 80 Prozent zu rechnen.

Nebst diesen entlastenden Faktoren trägt die neue A4 aber auch dazu bei, dass an einigen Stellen künftig mit zusätzlichem Verkehrsdruck zu rechnen ist:
? Die Nordumfahrung Zürich dürfte für die Verkehrsteilnehmenden generell an Attraktivität gewinnen. Ebenfalls Mehrverkehr ist auf der Fortsetzung im Süden, auf der Strecke Blegi-Rütihof sowie in geringerem Ausmass zwischen Rütihof und Luzern zu erwarten. Mit dem Ausbau der Nordumfahrung Zürich und dem Sechsspur-Ausbau zwischen Blegi und Rütihof im Rahmen der Engpassbeseitigung auf dem Nationalstrassennetz wird diese Problemlage jedoch in absehbarer Zeit entschärft.
? Wachsen dürfte der Verkehrsdruck im Weiteren auf den Autobahnanschluss Brunau/Sihlhochstrasse mit Auswirkungen auf die Verbindung Basel – Chur. Dies vor allem am Morgen wegen möglichem Rückstau bis zur Verzweigung Süd.

Historische Schere im Einsatz
Zum Festakt waren neben Verkehrsminister Leuenberger auch die Baudirektoren der Kantone Zürich und Zug, Markus Kägi und Heinz Tännler, anwesend. Die drei Politiker durchschnitten nach einem Salutschuss von Kantonspolizisten in historischen Landjäger-Uniformen und Ansprachen das Band. Die Schere dafür kam bereits an der Landi-Eröffnung 1939 zum Einsatz.

Mit der Eröffnung hat die Wasserwerke Zug AG (WWZ) zwei neue Erdgastankstellen an der Autobahnraststätte «My Stop» in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen mitteilt, können Erdgas-Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen an speziell gekennzeichneten
Zapfsäulen mit dem umweltschonenden Treibstoff betankt werden.

Lange Entstehungsgeschichte
Mit der Eröffnung der A4 im Knonaueramt wurde ein Schlusspunkt unter eine jahrzehntelange, bewegte Geschichte gesetzt. Bereits 1970 waren die Bauarbeiten für die damalige N4 aufgenommen worden.

Fünf Jahre später wurden die Bauarbeiten am ersten Teilstück abgeschlossen. Danach mussten sämtliche Projektierungsarbeiten eingestellt werden, weil eine Kommission die N4 und weitere Autobahnabschnitte überprüfte. Im Mai 2001 gab Verkehrsminister Leuenberger grünes Licht zum Bau und zur Fertigstellung des Autobahnabschnitts.

ap/ana/rem