Autofahrer in Hünenberg erhält vom Bundesgericht die Quittung für Unaufmerksamkeit

Ein Autofahrer kollidiert auf der Gegenfahrbahn mit einem anderen Fahrzeug. Vor Bundesgericht fordert er eine mildere Strafe – vergebens.

Manuel Bühlmann
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Der Autofahrer hatte noch versucht, die Frontalkollision zu verhindern. Vergeblich – er konnte nicht mehr ausweichen. Der Unfall ereignete sich in einer Kurve bei Hünenberg. Der Lenker des anderen Fahrzeugs hatte erst die Sicherheitslinie überquert und war dann halb auf die Gegenfahrbahn, halb auf die Grünfläche neben der Strasse geraten. Der Mann, der sein Auto an jenem frühen Morgen im März 2018 korrekt gelenkt hatte, wurde verletzt. Die Folgen des Zusammenpralls: Schleudertrauma, Rückenschmerzen, verschobenes Becken. Der Unfallverursacher, der unverletzt geblieben war, wurde im Mai 2019 vom Zuger Strafgericht wegen fahrlässiger grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 160 Franken und einer Busse von 1600 Franken verurteilt. Ein Verdikt, das vom Obergericht bestätigt wurde.

Der Beschuldigte wollte sich damit nicht abfinden und gelangte mit einer Beschwerde ans Bundesgericht in Lausanne. Er beantragte eine Busse von 500 Franken und eine Verurteilung wegen einfacher statt grober Verkehrsregelverletzung. Nur vermeintlich ein kleiner Unterschied: Bei einer groben Verletzung handelt es sich um ein Vergehen, das einen Strafregistereintrag und mindestens drei Monate Führerausweisentzug zur Folge hat. Eine einfache Verkehrsregelverletzung gilt hingegen als Übertretung, die lediglich mit einer Busse bestraft und in der Regel nicht ins Strafregister eingetragen wird, fehlbare Fahrzeuglenker müssen ihr Billett in diesen Fällen zudem weniger lang abgeben.

Unkontrolliert ins andere Auto geprallt

Vor Bundesgericht argumentiert der Unfallverursacher, er habe die Kontrolle über sein Auto nur während kurzer Zeit verloren. Als er diese wiedererlangt habe, sei ihm nicht mehr genügend Zeit geblieben, «um in dieser höchst prekären Situation einen Entscheid zu fassen und in die Tat umzusetzen, um eine Kollision noch vermeiden zu können». Sein Dilemma: Sollte er weiterhin versuchen, das Auto wieder auf die eigene Fahrspur zurückzulenken oder nicht? Für den Beschuldigten steht fest: Er habe sich nur einer fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht.

Das Bundesgericht lässt sich davon allerdings nicht überzeugen: Der Beschuldigte werde nicht wegen eines Entscheiddilemmas in prekärer Situation zur Rechenschaft gezogen, sondern weil er wegen Unaufmerksamkeit «einen gravierenden Fahrfehler mit der kausalen Folge einer schweren Kollision» begangen habe. Dass er – wie von ihm geltend gemacht – in der hektischen Situation zu wenig Zeit für den Entscheid zur Verfügung gehabt habe, sei «die inhärente Konsequenz des seiner Unaufmerksamkeit geschuldeten Fahrmanövers und kann ihn nicht entlasten». Das Bundesgericht hält in seinem am Mittwoch veröffentlichten Urteil fest. Die Beschwerde des Unfallverursachers wird abgewiesen; zu Busse, bedingter Geldstrafe und Anwaltshonorar kommen die Gerichtskosten von 3000 Franken.

Urteil 6B_1300/2019 vom 11. Februar 2020