Leserbrief

Aves hält wenig vom Klimawandel

«Klimaveränderung gab es schon immer», Ausgabe vom 22. Dezember

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Noch 2011 gehörten über 100 Bundesparlamentarier der Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz (Aves) an. Sie wollte die Schweiz mit billigem Atomstrom versorgen. Nach dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima und mit der Einsicht, dass westeuropäische AKW unter Berücksichtigung der Versicherungs- und Endlagerkosten keine Gewinne mehr erzielen können, begann der Stern der Aves zu sinken. Die vom Volk akzeptierte Energiestrategie 2050 gab dem Schweizerischen Dachverband den Rest.

Rudolf Balsiger (Leserbrief vom 22. Dezember 2018) lässt sich davon nicht beeindrucken und rechnet uns vor, dass die Schweizer nur 0,000000222 Prozent des klimarelevanten CO2 ausstossen. Fakt ist aber, dass wir unter Einbezug der importierten Güter jährlich 100 Millionen Tonnen CO2 (100 000 sehr grosse Güterzüge) oder mehr als 0,25 Prozent des weltweiten Ausstosses produzieren. Richtig ist, dass der natürliche CO2-Kreislauf etwa 94 bis 97 Prozent ausmacht, der vom Menschen verursachte aber nur etwa 3 bis 6 Prozent. Trotz allem: Diese 3 bis 6 Prozent haben in den letzten 70 Jahren eine merkliche Klimaerwärmung und einen CO2-Anstieg von 300 auf 400 ppm bewirkt.

Wahrscheinlich wollte Herr Balsiger zum Ausdruck bringen, dass die Reduktion der globalen Klimaerwärmung um den Schweizer Anteil von 0,25 Prozent unerheblich ist. Das stimmt. Dennoch will ich nicht erst reagieren, wenn völlig klar ist, dass mit wenig Aufwand die Klimaerwärmung begrenzt werden kann. Dass eine fortschrittliche CO2-Politik unserer Wirtschaft schaden würde, kann niemand beweisen. Sicher fördert sie unsere Innovationskraft.

Claudio Meisser, Mitglied der schweizerischen Akademie der technischen Wissenschaften (SATW), Cham