BAAR: Ab sofort gilt Tempo 30 mitten im Dorf

Für den Verkehr auf der Dorfstrasse ändert sich nun einiges. Oder doch nicht? Autofahrer und Fussgänger müssen sich auf jeden Fall umgewöhnen.

Wolfgang Holz
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Frisch gestrichen: Zone 30 auf der Dorfstrasse. (Bild Stefan Kaiser)

Frisch gestrichen: Zone 30 auf der Dorfstrasse. (Bild Stefan Kaiser)

Jetzt ist es schwarz auf weiss. Genauer gesagt, ist es mit weisser Farbe auf den schwarzen Asphalt gemalt: «Zone 30». Diese Botschaft prangt neuerdings in grossen Lettern und Zahlen auf der Rathausstrasse im Norden des Dorfzentrums und auf der Dorfstrasse bis zum Sternenweg im Süden. «Bis Ende des Jahres müssen wir die Massnahme umgesetzt haben, deshalb laufen jetzt die Strassenarbeiten», wie Baars Sicherheitschef Oliver Wandfluh gestern auf Anfrage mitteilte.

Durch diese Massnahme sollen die Dorfstrasse beruhigt und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöht werden.

Früher kamen die Raser nachts

Das heisst also konkret: Ab sofort gilt Tempo 30 in der Baarer Dorfmitte – auch wenn dafür die eine oder andere Hinweistafel noch fehlt. Die Signalisationen für «Zone 30» sind, wie gesagt, bereits auf der Strasse bestens sichtbar. «Wahrscheinlich wird sich durch Tempo 30 am Tag nicht viel verändern, aber in der Nacht», sagt Wandfluh und verweist darauf, dass es in Baar immer wieder Raser gegeben habe, die nachts durchs Dorf brausten. Erst vor kurzem hat sich ein alkoholisierter Junglenker sogar auf der Dorfstrasse mit seinem Fahrzeug überschlagen, weil er mit Karacho auf einen Poller geprallt war. Am Tag indes wird sich der Verkehr vermutlich nicht viel langsamer durchs Dorf bewegen als jetzt – zumal die Gemeinde bei Messungen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp über 30 Stundenkilometern auf der Dorfstrasse registrierte.

Achtung: Rechts hat Vortritt

Und dennoch soll sich der Verkehr noch weiter beruhigen und die Sicherheit erhöht werden. Doch dafür müssen sich Autofahrer und Fussgänger erst einmal umgewöhnen.

Autofahrer, weil nun nicht mehr wie bisher der Vortritt für den Verkehr auf der Dorfstrasse gilt, sondern für Fahrzeuge, die jeweils von rechts in die Dorfstrasse münden. Will heissen: Selbst Autos, die beispielsweise aus der kleinen Kirchgasse in die Dorfstrasse einbiegen, haben Vortritt vor jenen viel zahlreicheren Fahrzeugen auf der Dorfstrasse. Diese nicht unbedingt sinnvolle Regelung gehört aber zum System von Tempo 30.

Grund: Der Rechtsvortritt soll auch zur Geschwindigkeitsreduktion des Verkehrs beitragen. Aber auch die Fussgänger in der Dorfstrasse müssen sich ab sofort umorientieren. Und zwar zu ihrer ganz persönlichen Sicherheit. Denn durch die Einführung von Tempo 30 auf der Dorfstrasse müssen vier Zebrastreifen weichen. Die gelben Streifen dieser vier Überwege – darunter etwa jene auf der Höhe der Credit Suisse und vor der Einmündung der Altgasse – sind bereits aus dem Strassenbelag herausgefräst worden.

Einige Zebrastreifen erhalten

Grund: In Tempo-30-Zonen darf es im Prinzip gar keine Zebrasteifen geben – ausser direkt vor Schulen. «Wir haben gekämpft und einige der Zebrastreifen, die auf den zentralen Schulwegen liegen, erhalten können», so SVP-Gemeinderat Oliver Wandfluh. Konkret bedeutet dies: Rund um die Kreuzungspunkte Rathausstrasse/Marktgasse und Dorfstrasse/Inwiler­strasse/Leihgasse habe man die Zebrastreifen erhalten können. «Der Kanton wollte gleich alle Fussgängerüberwege streichen.»

Andererseits können nun Fussgänger an jeder Stelle der Dorfstrasse die Strasse queren und müssen keinen Zebrastreifen benützen. Doch auch für Fussgänger ist nun erhöhte Vorsicht geboten. Denn im Unterschied zum Queren der Strasse auf Zebrastreifen geniessen Fussgänger beim freien Queren eben keinen Vortritt.