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BAAR: Abrupter Beginn einer neuen Ära bei Sika

Sika-Chef Jan Jenisch nimmt nach fünf Jahren an der Spitze den Hut – mitten im Übernahmestreit mit Saint-Gobain. Nun soll er als CEO Lafarge-Holcim auf Vordermann bringen. Der neue Sika-CEO Paul Schuler kommt aus Einsiedeln.
Der neu gewählte CEO Paul Schuler (links) und Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Sika-Hauptsitz. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 22. Mai 2017))

Der neu gewählte CEO Paul Schuler (links) und Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Sika-Hauptsitz. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 22. Mai 2017))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Plötzlich ging alles sehr schnell. Vergangene Woche informierte Sika-CEO Jan Jenisch den Verwaltungsratspräsidenten darüber, dass er die Firma verlassen werde. «Ein solcher Abgang war immer Teil unserer Risikoanalyse und Nachfolgeplanung. Dennoch war es eine Überraschung», sagte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Montag am Hauptsitz in Baar. Der 50-jährige Jenisch bekam ein Angebot, das ein Manager in seinem Alter wohl nicht ablehnen kann: Er wird CEO beim Zementriesen Lafarge-Holcim (siehe Kasten).

Bereits am Sonntag hatte Jenischs Nachfolger bei Sika den Vertrag unterschrieben: Paul Schuler wird per 1. Juli neuer Sika-CEO. Der 1955 in Einsiedeln geborene Schuler ist ein Eigengewächs: Nach einem Karrierebeginn bei der Ems-Chemie kam Schuler 1988 zum Zuger Baustoffkonzern, wo er in den letzten knapp 30 Jahren verschiedene Funktionen innehatte, unter anderem war er Chef des Nordamerika-Geschäfts. Seit zehn Jahren ist der Betriebswirtschafter Mitglied der Konzernleitung. Derzeit leitet er die umsatzmässig grösste Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA). Das Auswahlverfahren für einen neuen EMEA-Chef sei im Gang, sagte Hälg.

Schuler sei schon seit Längerem als möglicher Nachfolger von Jan Jenisch aufgebaut worden, so Paul Hälg. Er sei sozusagen «der natürliche Nachfolger». Allerdings stellt Schuler nur eine mittelfristige Lösung für Sika dar; in drei bis vier Jahren ist Schuler im Pensionsalter. «Bis dann wird wiederum eine Nachfolgeregelung bereit sein», sagt Schuler.

Die Frist ist kein Zufall: Bis zur Pension von Paul Schuler könnte möglicherweise der Streit um die Besitzerverhältnisse von Sika gelöst sein. Bekanntlich will die Erbenfamilie Burkard ihre Kontrollmehrheit an Sika für 2,75 Milliarden Franken dem französischen Industriekonzern Saint-Gobain verkaufen. Seit über zwei Jahren wehrt sich der Sika-Verwaltungsrat gegen den Deal. Schuler hat die Abwehrschlacht gegen Saint-Gobain an der Seite von Jan Jenisch stets unterstützt.

Zwar hat das Kantonsgericht Zug 2016 dem Verwaltungsrat Recht gegeben, das Verfahren ist derzeit aber beim Zuger Obergericht hängig. Allgemein wird erwartet, dass das Urteil danach bis ans Bundesgericht in Lausanne weitergezogen wird. Die Idee hinter der Personalie Schuler könnte sein, dass am Ende des Streits mit einem jungen CEO eine neue Ära eingeläutet wird.

Gut für Lafarge-Holcim, schlecht für Sika

Die meisten Analysten sehen den Abgang von Jenisch als Rückschlag für Sika im Übernahmekampf. Sika verliere mit Jenisch einen wertvollen Exponenten im Kampf um die Eigenständigkeit, schreibt die ZKB. Vontobel spricht von einem «Verlust», die ZKB von einem «Rückschlag» für Sika. Für die UBS ist der Weggang von Jenisch das «Ende einer Ära». Demgegenüber sieht der Bernstein-Analyst Paul Schuler als «erfahrenen Nachfolger» und «sicheren Wert». Die Sika-Aktie gab am Montag um 4 Prozent nach. Aus der Warte von LafargeHolcim wird die Personalie ganz anders eingeschätzt. Der Vontobel-Analyst schreibt, es seien aus der Sicht von Lafarge-Holcim «sehr gute Neuigkeiten.» Mit seiner guten Erfolgsbilanz werde Jenisch Lafarge-Holcim erfolgreich zu einem noch profitableren Unternehmen machen.

Auch die ZKB schreibt in einem Marktkommentar, Jenisch sei als profunder Kenner der globalen Baubranche bestens mit den Märkten und Produkten von Lafarge-Holcim vertraut. An der Börse legten die Lafarge-Holcim-Papiere am Montag um 6,3 Prozent zu. Einig sind sich die Analysten darin, dass der Abgang keine grossen Folgen für das operative Geschäft von Sika haben werde. Für Paul Hälg ist die Ernennung von Schuler die ideale Lösung, «weil er den Betrieb in- und auswendig kennt», wie der Verwaltungsratspräsident sagt. Die Strategie ändere sich unter seiner Führung nicht.

Sika bestätigte am Montag den Ausblick für 2017 mit einem erwarteten Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent. Erstmals dürfte dieses Jahr ein Umsatz von über 6 Milliarden Franken erreicht werden. Der Gewinn soll weiterhin leicht überproportional steigen. Der neu gewählte CEO sieht keinen Grund, an der Strategie zu rütteln. «Ich habe nicht den Ehrgeiz, mich da profilieren zu müssen», sagt Schuler. Aus dem Rechtsstreit mit Saint-Gobain will sich der CEO raushalten.

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