BAAR: Akrobaten entdecken Springseil

An der Rope-Skipping- Schweizer-Meisterschaft wurde gestern um die Wette gehüpft. Wer an blosses Seilspringen denkt, wird dem Event bei weitem nicht gerecht.

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In der Waldmannhalle in Baar wurde am 21. März die Vielfalt des Seilhüpfens unter Beweis gestellt. (Bild: Maria Schmid)

In der Waldmannhalle in Baar wurde am 21. März die Vielfalt des Seilhüpfens unter Beweis gestellt. (Bild: Maria Schmid)

Lionel Hausheer

Ein kleines Mädchen mit Springseil steht ein wenig verloren in der Mitte der Halle. Plötzlich dröhnt irische Rockmusik aus den Boxen, und das Mädchen wirbelt umher, sodass man ihren Bewegungen nur mit Mühe folgen kann. Nach einer Minute und fünfzehn Sekunden steht das Mädchen abrupt still, und die Waldmannhalle wird vom Klatschen der Zuschauer erfüllt. Die diesjährige Rope-Skipping-Einzel- Schweizer-Meisterschaft zeigt vor allem, was Rope Skipping nicht ist: einfaches Seilspringen.

Sportart wird belächelt

«Man lächelt immer ein wenig, wenn man von unserem Sport hört», sagt Angi Etterli. Sie weiss das, denn sie ist mit diesem Sport bereits seit achtzehn Jahren verbunden. Damals hat sie ihn nach Baar gebracht. Mit nur fünf Mitgliedern hat es begonnen, inzwischen sind es über hundert Skipper im Baarer Verein. «Die Faszination ist, wie man das herkömmliche Seilspringen neu verbindet», meint Angi Etterli, und die wachsende Gruppe von Rope Skippern scheint diese Faszination zu teilen.

Drei Disziplinen entscheidend

Einer der Angefressenen ist Simon Pfiffner. Er verteidigt heute seinen Titel als Schweizer Meister. Um Gesamtsieger zu werden, muss man in drei Disziplinen gute Wertungen der Richter erhalten: Speed über dreissig Sekunden, Speed über drei Minuten und Freestyle. Bei den Speeddisziplinen zählt ausschliesslich die Anzahl Sprünge. Die Disziplin Freestyle sei ein wenig mit einer Kür beim Eislaufen zu vergleichen, sagt Simon Pfiffner. Es ist die kreative Disziplin, bei der zu Musik verschiedene akrobatische Figuren gesprungen, oder fast ein wenig getanzt, werden. Jede dieser Disziplinen habe ihren Reiz, erklärt der amtierende Schweizer Meister. Im Speed gehe es für ihn ganz einfach darum, schneller und besser als die anderen zu sein.

Handstand zwischen Seilen

«Richtig gepackt hat es mich vor zirka fünf Jahren, als ich an einem Wettbewerb in Deutschland den akrobatischen Aspekt des Sports entdeckt habe.» Simon atmet immer noch schwer, soeben ist er im Schnittpunkt zweier entgegengesetzt schwingender Seile im Handstand gesprungen. Dies jedoch nicht für den Wettbewerb, sondern als Teil der Showgruppe «Just Jump», die für Unterhaltung zwischendurch sorgte. Seine Kür für den Wettbewerb folgt später.

Mozart mit Bass unterlegt

Lara Zedi war Teil des Teams, das an die Weltmeisterschaft nach Hongkong konnte. An der diesjährigen Schweizer Meisterschaft springt sie zu Mozarts «Eine kleine Nachtmusik». Unterlegt mit einem pumpenden Bass. Wie eine Sprungfeder springt sie im markierten Feld umher. «Während des Wettbewerbs merkt man gar nicht, wie anstrengend es ist, hinterher bin ich dann aber trotzdem ziemlich kaputt.» Das sollte niemand wundern, denn Rope Skipping ist trotz allem wie Seilspringen und das ist anstrengend.