BAAR: Alle Trumpf-Lehrlinge haben eine Stelle gefunden

24 Lehrlinge müssen sich nach der Teilschliessung der Trumpf Maschinen AG nach einem neuen Ausbildungsplatz umsehen. Die Lösungen liessen aber nicht lange auf sich warten.

Samantha Taylor
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Die Produktion der Trumpf Maschinen AG in Baar wird geschlossen. (Bild: Manuela Jans-Koch (Baar, 18. September 2015))

Die Produktion der Trumpf Maschinen AG in Baar wird geschlossen. (Bild: Manuela Jans-Koch (Baar, 18. September 2015))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

«Trumpf dankt für die enorm grosse Solidarität»: Das war vor kurzem in unserer Zeitung in einem Inserat zu lesen. Grund für die Dankbarkeit des Konzerns ist die Unterstützung durch andere Unternehmen aus der Region. Mehrere Firmen haben die Lehrlinge übernommen, die bei der Trumpf Maschinen AG in Baar angestellt waren. Dies, nachdem Trumpf im Herbst des letzten Jahres bekannt gegeben hatte, dass Teile der Unternehmung am Standort in Baar geschlossen werden (siehe Box).

Insgesamt 24 Lehrlinge beschäftigt Trumpf. Sieben von ihnen werden in diesem Sommer ihre Ausbildung abschliessen und können dies auch noch am Standort in Baar tun. Für die anderen 17 war eine Anschlusslösung nötig. Eine solche bieten nun insgesamt elf Firmen aus dem Kanton und der Region an. Es sind diese die V-Zug (Zug), Roche (Rotkreuz), Komax Wire (Rotkreuz), Bucher Hydraulics (Neuheim), OVD Kinegram (Zug), WT Technologie AG (Cham), Mefag (Unterägeri), Pilatus-Flugzeugwerke (Stans NW), Maxon Motor (Sachseln OW), Schindler (Ebikon LU) sowie Thermoplan (Weggis LU).

Zusammenarbeit bestand bereits

«Wir haben eine Kauffrau im ersten Lehrjahr und einen Konstrukteur im 3. Lehrjahr übernommen», sagt Karin Freyenmuth, Kommunikationsverantwortliche bei Roche Diagnostics. Der Konstrukteur habe Anfang Januar gestartet, die Kauffrau werde im März folgen. «Der Konstrukteur hat sich bereits sehr gut integriert und eingearbeitet», so Freyenmuth weiter.

Bei der V-Zug arbeiten seit Anfang Jahr vier Jugendliche, die ihre Lehre bei Trumpf begonnen haben – zwei Automatikerinnen im ersten und zweiten Lehrjahr, ein Konstrukteur im ersten Lehrjahr und ein Polymechaniker im dritten Lehrjahr. «Sie haben sich alle sehr gut integriert und zeigen tadellose Leistungen», sagt Christian Roth, Spezialist Personalentwicklung. Dass sie sich so rasch integriert hätten, liege sicher auch daran, dass drei von ihnen bereits bei der V-Zug Berufsbildung und überbetriebliche Kurse besucht hätten. «Einige kannten den Betrieb bereits, und die Berufsbildner kannten sie», so Roth. Die V-Zug sei schnell bereit gewesen, Lernende zu übernehmen. Im Berufsbildungswesen unterstütze man sich gegenseitig. Im Rahmen einer Ausbildungskooperation habe man zudem zuvor sehr gut mit Trumpf zusammengearbeitet. «Die Lehrberufe Automatiker, Konstrukteur, Polymechaniker gehören zu unseren Kernkompetenzen. Da können wir entsprechend viele Einsatzmöglichkeiten für die Lernenden und gegebenenfalls sogar Möglichkeiten für Anschlusslösungen nach der Lehre bieten», sagt Roth. Es sei darum naheliegend gewesen, Lernende aus diesen Lehrberufen zu übernehmen. «Ich fühle mich in meiner neuen Stelle sehr wohl. Ich wurde gut eingearbeitet und habe auch schon ein paar Sachen aus der Berufsbildung gekannt», bestätigt Jens Näf. Der 16-Jährige aus dem Kanton Schwyz ist im ersten Lehrjahr als Konstrukteur und wird nun noch dreieinhalb Jahre bei der V-Zug tätig sein. Für die Stelle habe er sich entschieden, weil es ein breites Feld an Tätigkeiten biete. «Der Betrieb ist sehr interessant», sagt Näf.

Eine Unternehmung hätte alle genommen

«Pro aktiv» auf Trumpf zugegangen ist man seitens Schindler. «Wir haben von der Situation rund um Trumpf aus den Medien erfahren. Und da wir Bedarf nach einem Lernenden hatten, gingen wir auf die Unternehmung zu», sagt Thomas Langenegger, Kommunikationsverantwortlicher. Der Konstrukteur im zweiten Lehrjahr habe seine Arbeit Anfang Februar aufgenommen.

Ebenfalls Anfang Februar haben zwei Produktionsmechaniker im ersten und zweiten Lehrjahr bei den Pilatus-Werken angefangen. Da man generell die Berufslehre fördere, habe man sich hier gerne eingesetzt. «Wir wollten mithelfen, dass die Lernenden ihre Ausbildung fortsetzen können», sagt Pilatus-Sprecher Jérôme Zbinden.

Ein grosszügiges Angebot kam von Maxon Motor. «Nachdem wir die Nachrichten rund um die Zukunft von Trumpf gehört haben, haben wir uns gemeldet und angeboten, alle Lernenden zu übernehmen», sagt Thomas Müller, Leiter Berufsbildung. Man habe die Jugendlichen dann zu einer Besichtigung des Betriebs eingeladen. «Am Ende haben wir nun zwei Lernende übernommen», so Müller weiter.

Bei Trumpf selbst ist man erfreut über diese Bilanz. «Wir sind natürlich sehr froh, dass wir für alle Lernenden eine Anschlusslösung finden konnten», sagt Mediensprecherin Natascha Brügger. Man habe in diesem Prozess ausserdem grosse Unterstützung von allen Seiten erfahren. «Die enorme Solidarität von Unternehmen aus der Zentralschweiz war eindrücklich. Einige Firmen sind sogar von sich aus auf uns zugekommen», so Brügger.

Auch Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist mit der Bilanz zufrieden: «Von Anbeginn war dies ja ein Hauptanliegen sowohl des Unternehmens als auch unsererseits. Ich habe in der damaligen Besprechung mit der Konzernleitung auf die Bedeutung der Ausbildung für die Lernenden hingewiesen», erklärt er. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten mit dem Amt für Berufsbildung habe in diesem Fall gut geklappt, sagt Michel und betont: «Für mich ist das auch ein Ausdruck davon, dass die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kanton und Wirtschaft im Berufsbildungsbereich funktioniert.»