BAAR: Als die Räbegäuggel erstmals durch die Strassen zogen

Eine Fotoausstellung zeigt die Anfänge der Räbefasnacht. Sie ist gleichzeitig eine Dorfgeschichte in Bildern.

Silvan Meier / Neue Zz
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Josef und Claire Zeberg zeigen mit den historischen Fasnachtsbildern, dass der Räbegäuggel ursprünglich anders ausgesehen hat. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Josef und Claire Zeberg zeigen mit den historischen Fasnachtsbildern, dass der Räbegäuggel ursprünglich anders ausgesehen hat. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Er ist die Konstante der Baarer Fasnacht. Seit 1947, dem Gründungsjahr der Räbefasnacht, ist der Räbegäuggel die Hauptfigur. Unverwechselbar wegen seiner «Saublatere», den Schellen, den Farben Rot und Blau – und der kühnen, spitzen Nase. Die Kunstfigur von Geny Hotz, «Erfinder» und Mentor der Baarer Räbefasnacht, scheint sich über all die Jahre nicht verändert zu haben. Doch der Schein trügt. Das zeigt die Fotoausstellung in der Schrinerhalle, die am 10. Februar ihre Tore öffnet.

Claire und Josef Zeberg haben rund 400 Fotos aus der Anfangszeit der Baarer Räbefasnacht aufgearbeitet. 1947 wurde mit Brauereibesitzer Christian Buck der erste Räbevater durchs Dorf kutschiert – begleitet von den Räbegäuggeln. Doch die haben anders als heute, das zeigen die historischen Bilder, keine Spitz-, sondern eine unförmige Knollennase. Ihr Schöpfer Geny Hotz scheint damit allerdings nicht zufrieden gewesen zu sein. Schon die Bilder vom Fasnachtsumzug 1949 zeigen den Gäuggel so, wie man ihn noch heute kennt.

Der Fotograf ist unbekannt

So anders die Fasnacht in den Jahren 1947 bis 1950 war, so findet man viele Elemente auch heute noch. Der Räbevater mit seinem Hofstaat, die fantasievollen, oft aufwendig gestalteten Fasnachtswagen und die grosse Begeisterung der Baarer. Bilder aus dem Jahr 1950 zeigen einen Menschenauflauf auf der Dorfstrasse. «Da wird man heute fast neidisch», sagt Josef Zeberg und lacht.

Der ehemalige Räbevater ist heute Ehrenobmann der Räbeväter und Archivar. Im Fasnachtsarchiv haben er und seine Frau Claire die Fotos aus den Anfangszeiten entdeckt. Allerdings nicht als Negative oder in Originalgrösse, sondern kleine Kopien im Briefmarkenformat. Die nummerierten Bilder seien wohl ausgestellt worden, damit Interessierte Abzüge bestellen konnten, mutmasst Zeberg. Wer die Aufnahmen gemacht hat, weiss er aber nicht. Seine Frau Claire hat im vergangenen Sommer die Mammutaufgabe auf sich genommen, und die rund 800 Aufnahmen gesichtet und eingescannt. 400 Bilder hat sie vergrössert und bearbeitet. Sie werden bis am 22. Februar öffentlich gezeigt.

Ziegenböcke statt Traktoren

Die Bilder legen aber nicht nur Zeugnis von der Fasnacht ab. Sie zeigen auch, wie Baar sich verändert hat. In den Anfangsjahren werden die Fasnachtswagen nicht wie heute von Traktoren, sondern noch von Pferden, Kühen oder gar einem Ziegenbock gezogen. Ein einziger Jeep war 1947 unterwegs. Er zog einen Wagen, mit dem sich die Baarer über eine erfolglose Rettungsexpedition der US-Armee lustig machten. Ein US-Flugzeug mit hochrangigen Militärs war im November 1946 im Berner Oberland auf dem Gauligletscher abgestürzt. Die US-Armee stellte sich bei der Rettung der Abgestürzten derart dilettantisch an, dass sie zum Gespött der ganzen Schweiz wurde.

Andere Sujets thematisieren das Frauenstimmrecht und den Umgang mit Alkohol. Entsprechende Gesetzesänderungen stiessen damals offenbar nicht auf Gegenliebe der Baarer. «Dem sägi nümme fris Alpeläbe, wenn i de Schnaps mues abgäh, halbvergäbe», steht auf einem Wagen. Auch Lokales wurde aufs Korn genommen. So zum Beispiel das Tram, das rumpelnd zwischen Zug und Baar verkehrte und immer wieder aus den Schienen sprang.

Das Dorfbild hat sich verändert

Lohnenswert ist aber auch ein Blick auf die Häuserfronten hinter den Fasnächtlern und den Umzugszuschauern. Da fehlt neben dem Restaurant Hans Waldmann das «Kreuz». Dieses Restaurant, das bereits wieder einem Neubau Platz machen musste, existierte 1947 noch gar nicht. Die Bilder zeigen auch, wie reich an Beizen die Marktgasse, die Rathaus- und die Dorfstrasse noch waren. Und noch etwas fällt auf: Zu vielen Hauseingängen führt eine Doppeltreppe hinauf. Heute sucht man solche Eingänge im Strassenbild vergeblich.

Diesen Wandel aufzuzeigen, ist einer der Beweggründe für das Ehepaar Zeberg, den Aufwand auf sich zu nehmen. «Mir geht es aber auch darum, allen Fasnächtlern, die sich für die Tradition einsetzen, zu danken», betont Zeberg. «Die Ausstellung soll auch Motivation sein, sich weiterhin für die Räbefasnacht zu engagieren.» Und nicht zuletzt hofft er, bei vielen Baarern Erinnerungen zu wecken. «Ich freue mich jetzt schon auf die Freude, wenn jemand sich, Familienangehörige oder Freunde auf den Bildern erkennt.»


Hinweis
Fotoausstellung «Fasnachtsumzüge 1947 bis 1950» in der Schrinerhalle an der Dorfstrasse 27 in Baar: Montag, 10. Februar, 18 Uhr, Vernissage.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag, 9 bis 12 Uhr.
Eintritt frei mit der Plakette der Baarer Räbefasnacht 2014.