BAAR: Am Wochenende sind die Hexen los

Seit 20 Jahren mischen die Sagebrüggler Häxe bei der Fasnacht mit. Nun steht für die Gruppe eine Premiere bevor: die Teilnahme am Masken- und Brauchtumstreffen. Dort kann sie neue Masken präsentieren.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Lehren die Fasnächtler das Fürchten: drei Mitglieder der Sagebrüggler Häxe.

Lehren die Fasnächtler das Fürchten: drei Mitglieder der Sagebrüggler Häxe.

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

So manches Kind nähme wohl Reissaus, würde es im Dunkeln einer der Sagebrüggler Häxe begegnen. Richtig «gfürchig» sehen ihre unter dichtem Haar versteckten, grimmigen Gesichter aus. Doch hinter den grossen Hakennasen und den spitzen Zähnen verstecken sich ganz freundliche Leute, die niemandem ein Haar krümmen könnten.

Einer von ihnen ist Beat Limacher. Der 54-Jährige ist seit rund sechs Jahren Mitglied der Baarer Fasnachtsgruppe und amtet seit zwei Jahren als Präsident. «Alles begann mit einem selbst gebauten Wagen», blickt er auf die Anfänge der Sage­brüggler Häxe zurück. 1996 nahm die Truppe erstmals an einem Baarer Fasnachtsumzug teil. Ein Jahr später wurde der Verein Sagebrüggler gegründet. Heute zählt die Gruppe 22 Mitglieder, die zu einem grossen Teil aus Baar stammen. Der Wagenbau geniesst nach wie vor einen hohen Stellenwert – doch genauso wichtig sind inzwischen die Masken. Diese werden die Häxe am kommenden Wochenende einem grossen Publikum präsentieren können: Der Verein wird sowohl am Nachtumzug als auch am grossen Umzug des Brauchtums- und Maskentreffens (siehe Box) teilnehmen.

Lindenholz und Pferdehaar

Quasi als Geburtstagsgeschenk zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum haben die Häxe im vergangenen Sommer neue Masken angeschafft. Entdeckt haben sie die kunstvoll geschnitzten Holzgesichter in einer Werkstatt in der Nähe von Freiburg im Breisgau auf einer Vereinsreise. «Das Lindenholz wird mit der Airbrushtechnik gefärbt», berichtet Birgit Waldeck, die bereits seit zehn Jahren im Verein aktiv ist. Die struppige lange Haarpracht besteht aus Pferdehaar. «Durchschnittlich 300 Franken kostet die Herstellung einer einzelnen Maske», verrät die 57-jährige Baarerin. Zur «Ausrüstung» der Fasnächtler gehören neben der Maske ein selbst genähter Rock und eine schwarze Jacke mit Kunstfell. Diese wird jeweils mit Plaketten und Trophäen aus der närrischen Zeit bestückt.

Die Vorbereitungen für die Fasnacht sind sehr zeitintensiv. Der Wagen – jedes Jahr mit einem neuen Sujet – muss gebaut, die Gewänder müssen genäht und die Lebkuchen für die Besucher gebacken werden. «Man muss schon etwas angefressen sein, um das alles zu machen», sagt Roschika Limacher (54), die gemeinsam mit ihrem Mann Beat zu den Häxe stiess. Die gemeinsamen Erlebnisse sind der Lohn für den grossen Aufwand. «Die Kameradschaft steht im Vordergrund», sagt der Präsident. Die Gruppe, die mehrheitlich aus Paaren Mitte 50 besteht, trifft sich auch abseits der fünften Jahreszeit, sei es zu Tagesausflügen oder zu Skiweekends. Ein wichtiger Fixpunkt im Vereinsjahr ist die Baarer Chilbi im November. Dort betreiben die engagierten Männer und Frauen jeweils ein Beizli. «Unser legendäres Risotto ist weltbekannt», sagt Roschika Limacher mit einem Lachen.

Im Gespräch mit den drei begeisterten Fasnächtlern wird klar: Sie sind mit viel Herzblut dabei. Obwohl sie hinter ihren Masken unerkannt bleiben, sind die Zeiten vorbei, in denen die Vereinsmitglieder an der Fasnacht so richtig auf den Putz hauten. «Wir kennen das Mass. Stürze vom Besen kommen bei uns nicht vor», scherzt die 54-jährige Roschika Limacher. Und sie schiebt nach: «Nichtsdestotrotz sind wir noch voll im Saft.»

Das erste Mal an einem internationalen Treffen

Die Sagebrüggler Häxe nehmen pro Jahr an drei bis fünf Umzügen in der Region teil. An einem internationalen Maskentreffen sind sie zum ersten Mal dabei. «Wir sind sehr gespannt, insbesondere auf den Nachtumzug», sagt Beat Limacher. Und Birgit Wald­eck fügt an: «Wir freuen uns dar­auf, andere Fasnächtler kennen zu lernen.»

Das Dorfzentrum wird zum Festgelände

Programm Ungefähr im 10-Jahr-Rhythmus organisiert die Fasnachtsgesellschaft Baar ein internationales Brauchtums- und Maskentreffen. Am kommenden Wochenende, am 28. und 29. Januar, findet dieser Grossanlass bereits zum achten Mal in der Räbemetropole statt. Anlass ist einerseits das 70-jährige Bestehen der Fasnachtsgesellschaft Baar, andererseits der 100. Geburtstag des Fasnachtsgründers Geny Hotz. Der Erfinder des Räbechüngs und des Räbegäuggels wurde am 13. Februar 1917 geboren. Er würde sich heute mit Sicherheit über die grosse Resonanz freuen. Gegen 60 Fasnachtsgruppen aus dem In- und Ausland werden nach Baar reisen. Hinzu kommen gut ein Dutzend Guggenmusigen. An den beiden Tagen wird das Dorfzentrum zu einem grossen Festgelände. Wir präsentieren Ihnen auf den folgenden Zeilen eine Programmübersicht:

Samstag, 28. Januar

14 Uhr: Start des Festbetriebs. Das Festzelt beim Gemeindesaal und der Stubä-Wagä öffnen ihre Pforten. Im Festzelt spielen die Baarer Mafiaband Cosa Nostra (15.45 bis 16.30 und 17 bis 18 Uhr) und die Luzerner Guggenmusig Noggeler (16.30 Uhr) auf. Im Stubä-Wagä stehen die Turbo-Örgeler vom Ägerital (19 bis 2 Uhr) auf der Bühne. Auf den beiden Freiluftbühnen beim Rathaus und neben dem Festzelt treten nonstop Guggenmusigen auf.

14 bis 17 Uhr: Brauchtumsmarkt neben dem Festzelt. 14 bis 17 Uhr: Kindernachmittag (für Kinder ab 4 Jahren bis zur 3. Primarklasse) auf dem Rathausplatz. 18 Uhr: Musik im Rockzelt neben dem Schwesternhaus. DJ Fenni und sein Team legen Rockhits auf. Von 21 bis 24 Uhr stehen 7tCover auf der Bühne. Gleichzeitig öffnet die Fruchtbaar auf dem Rathausplatz. 19 Uhr: Nachtumzug mit 34 Gruppen. Umzugsroute: Rathaus–Dorfstrasse–Bahnhofstrasse– Bahnhof – Kreuzplatz – Marktgasse–Gemeindesaal. 19.30 Uhr: Guggen- und Fasnachtsball im Gemeindesaal mit DJ Mario. Dazwischen treten Guggenmusigen auf. 19.45 Uhr: Schlagerparty im Festzelt. Auf der Bühne stehen die Pissnelken (19.45 Uhr), die Jungen Zillertaler (21.40 Uhr) und nochmals die Pissnelken (22.40 Uhr).

Sonntag, 29. Januar

9 Uhr: Start des Festbetriebs. Um 10 Uhr beginnt das Frühschoppenkonzert von Swiss Powerbrass. Um 16.30 Uhr steht die Grümpelband Goldau auf der Bühne. 11.30 Uhr: Auf den beiden Freiluftbühnen beim Rathaus und neben dem Festzelt spielen bis 18 Uhr regelmässig Guggenmusigen auf. 14 Uhr: Grosser Brauchtumsumzug. 62 Fasnachtsvereine, Brauchtumsgruppen, Zünfte und Guggenmusigen nehmen am wohl grössten Fasnachtsumzug teil, der je in der Räbemetropole stattgefunden hat. Umzugsroute: Bühlplatz– Marktgasse – Neugasse – Bahn-hof– Bahnhofstrasse–Dorfstrasse–Rathaus. 15 Uhr: Der Stubä-Wagä und die Fruchtbaar öffnen. Im Stubä-Wagä spielt von 16 bis 19 Uhr eine Delegation der Ländlerformation Ägerispass.

Information

Der Zutritt zum Festgelände ist grundsätzlich kostenlos. Das Tragen einer Baarer Fasnachtsplakette ist aber Ehrensache. Für gewisse Lokale mit Live-Musik gibt es eine Plakettenpflicht. Dasselbe gilt für den grossen Brauchtums­umzug vom Sonntag. Wer dieses Umzugsspektakel so richtig geniessen möchte, sichert sich einen Platz auf der Tribüne, die am Bahnhof Baar platziert wird. Für 45 Franken erhalten Sie einen reservierten Sitzplatz mit Wolldecke und kommen in den Genuss eines Live-Kommentars. Tickets sind bei Radler Raum & Design an der Dorfstrasse 23/25 in Baar erhältlich. Tickets können auch über die E-Mail-Adresse info@raebefasnach.ch reserviert werden. Die Plaketten sind auch für die «normale» Räbefasnacht vom 25. bis 28. Februar gültig.

Weitere Informationen zum gesamten Programm gibt es online unter www.bbm2017.ch . (red)