BAAR: Ascom mit ambitionierten Zielen

Kommunikationssysteme für den Gesundheitssektor sollen den Technologiekonzern Ascom zurück auf die Erfolgsspur bringen. Die Ambitionen sind hoch.

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Seit vergangenem Jahr ist der Deutsche Holger Cordes Ascom-Chef: Er will den Technologieanbieter grundlegend umbauen und so wieder auf die Erfolgsspur bringen. (Bild: KEYSTONE/ASCOM/INGRID JOST)

Seit vergangenem Jahr ist der Deutsche Holger Cordes Ascom-Chef: Er will den Technologieanbieter grundlegend umbauen und so wieder auf die Erfolgsspur bringen. (Bild: KEYSTONE/ASCOM/INGRID JOST)

Um 3 bis 6 Prozent will Ascom im laufenden Jahr wachsen, im Gesundheitsbereich soll es gar noch mehr sein. Die operative Marge (EBITDA) für das Gesamtjahr 2017 soll 14 bis 15 Prozent betragen. Der leicht höhere Auftragsbestand im fortgeführten Geschäft am Ende des Jahres bilde eine solide Basis für diese Ziele, heisst es dazu im Geschäftsbericht.

Gleichzeitig bestätigte Ascom am Donnerstag seine Mittelfristziele für 2020. Dannzumal wird ein Umsatzwachstum zwischen 7 und 10 Prozent und eine EBITDA-Marge von 20 Prozent anvisiert.

Digitalisierung als Chance

Nach dem Verkauf des verlustreichen Geschäfts mit Testsystemen für Mobilfunknetze und der damit verbundenen Reorganisation sieht sich das Management um den neuen Konzernchef Holger Cordes gut positioniert, um zum Wachstum zurückzufinden - und zwar ohne grosse Akquisitionen, wie das Unternehmen betont.

Die Nachfrage nach drahtlosen Kommunikationssysteme profitiert laut Ascom von der zunehmenden Digitalisierung, die auch den Gesundheitssektor erfasst. Weltweit liegen die Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik im Gesundheitswesen bei jährlich 150 Milliarden Dollar und wachsen um über 7 Prozent.

Zwar sind Spitäler und Pflegeheime bereits heute mit Informatiksystemen ausgerüstet. Aber auf den letzten Metern zum Patienten im Spitalbett dominiert nach wie vor das Papier als Kommunikationsmittel. Genau hier will Ascom die Arbeitsprozesse digitalisieren. Dazu zählt auch ein eigens entwickeltes Smartphone für das Pflegepersonal, mit dem unter anderem Patientendaten eingegeben oder abgerufen werden können.

Hoher Jahresverlust

Im vergangenen Jahr erzielte Ascom bereits 63 Prozent des Umsatzes der verbliebenen Sparte Wireless Solutions im Gesundheitswesen. Das Wachstum betrug 5 Prozent. Über die ganze Sparte stagnierte der Umsatz dagegen bei rund 300 Millionen Franken.

Auf Gruppenebene gingen die Erlöse wegen des Verkaufs der Sparte Network Testing von 411 Millionen auf 354 Millionen Franken zurück. Die EBITDA-Marge betrug knapp 5 Prozent. Ohne die Restrukturierungskosten hätte die Marge 14 Prozent betragen.

Der Verkauf von Network Testing an den französischen Netzwerkausrüster Infovista brachte Ascom im August 30 Millionen Dollar in bar ein. Dazu kamen nachrangige Verkäuferdarlehen. Allerdings hatte die Veräusserung aufgrund buchhalterischer Vorschriften einen ausserordentlichen Verlust von 145,1 Millionen Franken zur Folge. Das führte zu einem Konzernverlust in praktisch gleicher Höhe von 145,7 Millionen Franken.

Wechsel an der Spitze

Die Anzahl der Mitarbeitenden betrug per Ende Dezember 1188. 2002 waren es noch 7300 gewesen. Die stark geschrumpfte Mitarbeiterzahl ist die Folge diverser Rosskuren und Verkäufen, die wegen der hohen Verluste in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden.

Der langjährige Verwaltungsratspräsident Juhani Anttila war wegen der schlechten Ergebnisse zunehmend unter Druck geraten. Im November kündigte der 63-jährige an, das er nach 15 Jahren an der kommenden Generalversammlung vom 19. April nicht mehr antreten wird.

Sein Nachfolger soll der 54-jährige Andreas Umbach werden. Der schweizerisch-deutsche Doppelbürger, der seit 2002 Konzernchef von Landis+Gyr ist, gehört dem Ascom-Verwaltungsrat bereits seit 2010 an und leitet das Vergütungskomitee. (sda)