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BAAR: Auf diesen Preis hat er gebrannt

Hermann Röllin hat nach Ansicht einer Fachjury den besten Kirsch der Schweiz gebrannt. Ein Besuch in seinem Schopf.
Hermann (r.) und Armin Röllin prosten sich mit einem preisgekrönten Destillat aus ihrer Brennanlage zu. (Bild: Stefan Kaiser)

Hermann (r.) und Armin Röllin prosten sich mit einem preisgekrönten Destillat aus ihrer Brennanlage zu. (Bild: Stefan Kaiser)

Raphael Biermayr

Es herrscht ein wunderbares Durcheinander: Sägen, Kessel, Lappen, ein Feuerlöscher und vieles mehr hängen und stehen in diesem Schopf in Notikon, einem Weiler an der Nordgrenze Baars. Doch das alles ist Beiwerk. Der Star hier drin ist kupferrot und surrt: die Schnapsbrennanlage. Sie reicht bis unter die Decke und ist damit schätzungsweise doppelt so hoch wie ihr Eigentümer Hermann Röllin. Wobei, Eigentümer stimmt nicht mehr, der 65-Jährige hat den Hof an Sohn Armin abgetreten.

Mitgearbeitet wird dennoch. Und sobald es die Zeit erlaubt, wird gebrannt – erfolgreich gebrannt. Der «Zuger Kirsch Zopf» ist als bester seiner Art in der Schweiz ausgezeichnet worden und hat 56 Konkurrenten hinter sich gelassen (siehe Box). Röllin ist stolz. Schliesslich kommt er aus dem selbst ernannten Chriesi-Kanton, wo nicht weniger als 21 Kirsch-Distillerien aufgeführt sind. Vor ein paar Jahren nahm er die Prämie für den besten Birnenschnaps entgegen, das habe ihm gestunken, sagt er in anderen Worten. «Kirsch ist am schwierigsten, er hat so viele Eigenschaften», erklärt er und spreizt den kleinen Finger von der gedunsenen Bauernhand ab, um vom aktuellen Destillat zu probieren.

Lange Tradition

Seit 1859 wird in Notikon Schnaps gebrannt. Ein Kessel von damals steht als Andenken im Schopf. 1919 ging der Hof in den Besitz der Menzinger Familie Röllin über. Die Geheimnisse des Brennens werden seither von Generation zu Generation weitergegeben.

Röllin hantiert an der Anlage, erzählt von «offenen Böden» und dem Komfort eines die Temperatur selbstregulierenden Heizkessels, vom Vorteil von Holzfässern bei der Lagerung und vom Ärger über die hohen Steuern: Rund ein Drittel des durchschnittlichen Verkaufserlöses geht an den Staat. Die sogenannte «Monopolgebühr» geht auf die 1930er-Jahre zurück, der Bund wollte damit die Ausbreitung des Alkoholismus bekämpfen. Die Brenner hoffen schon lange, dass diese Abgaben gelockert werden. Reich wird man also nicht als kleiner Brenner, wie es die Röllins und die meisten anderen im Kanton Zug sind. Doch den Baarern, die auf ihrem Hof darüber hinaus Milch- und Obstwirtschaft betreiben, geht es ohnehin um das Rare. Sie brennen nur Kirschen und Obst von den fast 500 sogenannten Hochstammbäumen in Notikon. Das den Schnaps verdünnende Wasser stammt wegen des Mineralgehalts nicht aus einer der eigenen Quellen, aber aus dem Kanton Zug. Woher genau, verrät Hermann Röllin nicht. «Sonst würden es ja andere auch von da holen», sagt er lächelnd.

Weltweiter Vertrieb ohne Internet

50 Liter vom ausgezeichneten «Zopf» mit Jahrgang 2011 hat Röllin hergestellt. Viel sei nicht mehr übrig. Er verkaufe seine Brände weltweit an Liebhaber – ohne Vertriebssystem. «Internet mache ich nicht», drückt es Röllin aus, er setze auf Mundpropaganda. Dass er sich und sein Tun zu vermarkten weiss, merkt man, als es um das Foto für diesen Artikel geht. Hermann Röllin verlässt den Schopf. Als er zurückkehrt, hat er die Arbeitskluft gegen ein Edelweisshemd und die Gummistiefel gegen zur Hose passende Schuhe eingetauscht. Dem Sohn drückt er auch ein Edelweisshemd in die Hand. Schliesslich posieren beide mit einem Gläschen preisgekrönten Schnaps in der Hand.

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