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BAAR: Couverts als Kunstwerke

Geny und Annemarie Hotz haben das Zuger Kulturleben massgeblich mitgeprägt. Der KunstKiosk stellt die bunt illustrierten Umschläge der Liebesbriefe von ihm an sie aus – kleine Kunstwerke.
Dorotea Bitterli
Die Besucher bekommen auf kleinem Raum eine Menge geboten. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 31. August 2017))

Die Besucher bekommen auf kleinem Raum eine Menge geboten. (Bild: Werner Schelbert (Baar, 31. August 2017))

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Geny Hotz war Grafiker, Zeichner, Plastiker, Bühnenbildner, Buchgestalter, Erschaffer von Baarer Fasnachtsfiguren, Initiant literarischer und kabarettistischer Programme, Gründer von Kleinbühnen – kurz: ein Kulturpionier wie kein zweiter im Kanton Zug. Im Februar 2017 wäre er hundert Jahre alt geworden. Sein Schaffen, seine Weggefährten und die Ära seines Wirkens werden im Verlauf des Jahres an mehreren Orten gewürdigt, sei es von der Eugen-und-Annemarie-Hotz-Stiftung, dem Kunsthaus Zug oder der Baarer Theater­gesellschaft.

Der kleine, intime Kunst­Kiosk Baar aber eignet sich wie kein anderer Ort dafür, etwas zu thematisieren, was aus Eugen Hotz’ Leben nicht wegzudenken ist: die tiefe und lebenslange Beziehung zu seiner Frau Anne­marie. «Der KunstKiosk ist auf Liebe eingestellt», schreibt Maria ­Greco, die zusammen mit Brigitt ­Andermatt die exklusive Ausstellung kuratiert hat. Eugen Hotz war verbunden mit einer Vielzahl von jungen Literaten, Juristen, Journalisten, Fotografen, Politikern und Künstlern, die sich zwischen 1941 und 1951 in der «Zentrale» – die in seinem Elternhaus, der Gastwirtschaft Kreuz, ihren Sitz hatte – regelmässig trafen. Annemarie aber war seine lebenslange Gefährtin: Mit ihr gründete er das Cabaret Durzug, entwarf Kostüme und Bühnenbilder; mit ihr schuf er ein kreatives Heim an der Zuger Ägeristrasse, die «Zentrale II»; mit ihr gründete und leitete er Burgbachkeller und Rathuus-Schüür; und beide erhielten 1982 das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Baar.

Die Briefe schickte er nicht nach Hause

Den Anfang dieser Weggemeinschaft dokumentieren seine Liebesbriefe der Jahre 1947 bis 1949. Deren Inhalt bleibt Geheimnis, aber im Baarer KunstKiosk sind 47 Couverts an «Fräulein Annemarie Schmid» zu bewundern, wie sie nur ein verliebter Künstler versenden kann – und wie sie heute wohl von keinem Postamt mehr angenommen würden. In unterschiedlichen Grössen, mit farbigen Zeichnungen und Illustrationen versehen.

Annemaries Adressen sind meist ihre beiden Arbeitsplätze – in ihr Elternhaus wagte er seine Briefe nicht zu schicken. Handgeschrieben fügen sie sich ein in fantasievolle Schnörkel und verzierte Majuskel, in Banner, Schleifen oder Blumenkränze. Ein Singvogel zwitschert die Adresse, oder eine Brieftaube trägt sie im Schnabel. Öfters bringt sie der Briefträger; immer wieder aber auch ein fein gezeichneter, eleganter mittelalterlicher Ritter samt Pferd – hat sich Geny Hotz als Minnesänger empfunden?

Die gut besuchte Vernissage am vergangenen Donnerstag wurde umrahmt von einer Kostprobe der szenischen Lesung, die Maria Greco mit Rémy Frick und der Akkordeonistin Irène Lötscher geplant hat: «Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer». Goethe, Napoleon, Victor Hugo oder Clara Schumann kamen ­ zu Wort, und ihre innig-leidenschaftlichen Formulierungen rundeten den Eindruck ab: Es geht um die «Himmelsmacht», die unter und hinter den Geschichtsläufen das innere Leben zusammenzuhalten und reich zu machen vermag.

Hinweis Szenische Lesung «Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer», mit Maria Greco, Rémy Frick und der Akkordeonistin Irène Lötscher, im Robert-Fellmann-Park Baar. Am 8. und 9. 9. je um 19.30 Uhr, am 10. 9. um 11 Uhr. Mehr: www.kunstkiosk-baar.ch

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