BAAR: «Der öffentliche Raum wird uniformiert»

Das grösste Bauprojekt in der Gemeinde steht kurz vor seiner Vollendung. Experten sehen darin vor allem etwas: Städtebauliche Ratlosigkeit.

Silvan Meier
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Heute sind die Bauten an der Marktgasse identisch, früher prägte architek­tonische Vielfalt das Strassenbild. (Bild Stefan Kaiser)

Heute sind die Bauten an der Marktgasse identisch, früher prägte architek­tonische Vielfalt das Strassenbild. (Bild Stefan Kaiser)

«Das ist optischer Identitätsverlust.» So beurteilt Thomas Baggenstos, Architekt und Präsident des Bauforums Zug, die Überbauung des Hünenberger Generalunternehmens Jego AG an der Baarer Marktgasse. Und so sehen wohl auch viele Baarer das Grossprojekt, das langsam sein wahres Gesicht zeigt, ein ziemlich monotones nämlich. Denn auf rund 150 Metern Länge zieht sich eine Glasfront vom Bühl- bis nahe an den Kreuzplatz, unterbrochen nur durch eine Verbindung zum Falkenweg. Auf diesem Sockelgeschoss sind fünf Kuben angeordnet, die allesamt gleiche Fassaden aufweisen. «Dieses Repetitive ist das Problem», sagt Baggenstos. Zuvor sei die Marktgasse über die heterogene Bauweise charakterisiert worden, wie sie auf der anderen Strassenseite immer noch besteht.

Kritik am städtebaulichen Ansatz und an der fehlenden parallelen Gestaltung der Marktgasse äussert auch Rosmarie Müller-Hotz. «Für mich ist es nicht mehr die Marktgasse, sondern eine anonyme Strasse», sagt die Baarer Architektin und Raumplanerin und kritisiert dabei nicht nur die Architektur. «Der öffentliche Raum wird uniformiert», erklärt sie.

Die Kritik der beiden Experten geht aber über das Projekt an der Marktgasse hinaus. Müller ortet städtebauliche Ratlosigkeit, für Thomas Baggenstos fehlt der politische Gestaltungswille.