BAAR: Der «Räbemueter-Umegäuggeler» ist in Amt und Würde

Die Räbefasnacht ist am Samstagabend mit der Inthronisation von Marcel II. de Sepibus furios gestartet. Nichts für Impfgegner.

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Räbevater Marcel II. de Sepibus und Ehrendame Silvia Kalberer freuen sich mächtig auf die kommende Fasnacht. (Bild: Charly Keiser)

Räbevater Marcel II. de Sepibus und Ehrendame Silvia Kalberer freuen sich mächtig auf die kommende Fasnacht. (Bild: Charly Keiser)

Die Nervosität sei der Zufriedenheit gewichen, beschwichtigte am Samstagabend im Baarer Gemeindesaal Roman Heinrich den noch amtierenden Räbevater René III. Simmen. Doch schon wenige Augenblicke später beschied er ihm: «So, René, jetzt wirst du zum Auslaufmodell.» Dieser blieb zuerst staatsmännisch und sagte: «Ich möchte auf keinen Fall verlängern, weil ich meinem Nachfolger die einmalige Zeit als amtierender Räbevater gönne.» Doch die «Coolness» währte nur kurz: Jämmerlich weinte René III., als ihm die Insignien der Macht abgenommen wurden.

Einmalige Gesangseinlage

Doch nicht nur diese René-III.-Show war Sonderklasse. Sein Adieu war absolut einmalig, wie die Nachfrage bei der Räbevatergilde offenbarte. Denn René III. stimmte zum Abschied ein Lied an. Er interpretierte in Schweizerdeutsch und Räbefasnachtstextmodus das Lied «Gute Nacht, Freunde» von Reinhard Mey. «Was ich üch no z säge hetti, isch bunt wie Konfetti – doch ich muess jetzt üch verlah.»

Den Standing Ovations für René III. folgten die Vorstellung und die Ausstaffierung des neuen Oberhaupts der Baarer Fasnacht. Geduldig hörte Marcel II. zu und liess sich die Zeichen der Macht der Baarer Fasnacht überstülpen und überreichen. Nach dem Prosit mit allen Anwesenden schritt Marcel II. zum Rednerpult. Und die Rede des 68. Räbevaters war lang, sehr lang. Doch anders als viele andere Referate war der Beitrag Marcels Extraklasse und keine Sekunde langweilig.

Er las zuerst die Anordnung «Artikel elfundneunzig» vor, die er von seinem Chef, dem Räbechüng, bekommen hatte und bei der es primär ums Impfen ging. Witz auf Witz folgte, und manch eines der Opfer wurde mit einem «Spritze-im-Füdli-Gäuggel» bedacht. Das ist ein Gäuggel auf einem Pflasterstein und mit einer Spritze am Allerwertesten, womit sich Marcel II. als flotter Handwerker outete.

«Wünsch eine tierische Fasnacht»

Es folgten die absurdesten Vergleiche. Der 60-Jährige behauptete keck, der Räbechüng habe ihm Forschungsaufträge erteilt. Er verglich die Kirche mit der Räbefasnacht. Papst = Räbevater, heute Franziskus = heute Marcellus, folgerte das Fasnachtsoberhaupt, der als Hobby «mit der Räbemueter umegäuggle» angibt. Er präzisierte: «Das bedeutet für mich: Ich bin ein ganzes Jahr der Papst von Baar.»

Mit Bausünden an der Marktgasse gings weiter. «Wir haben zwei Sünder», sagte der Baarer Papst, «für die Bewilligung unsere gemeindlichen Städteplaner und für die Ausführung die Firma Jesses Gott, abgekürzt JeGo.» Marcel II. zog den Neubau an der Marktgasse durch den Kakao. So habe er sich zum Beispiel sagen lassen, dass für die Farbgebung der Häuserzeile extra ein Farbspezialist zugezogen worden sei, «ich wundere mich aber, dass dieser seine Arbeit noch nicht aufgenommen hat». «Ich wünsche euch allen eine tierisch gute, aber keine tierisch ernste Fasnacht», sagte der Tierarzt. Und er schloss: «Tüend nid zwüescht.»

Lange musste dann Marcel II. auf seinem Thron den Huldigungen folgen. Sechzehn an der Zahl – rund drei bis vier Stunden in der Zeit. Um 10 Uhr in der Früh soll ein Vorstandsmitglied zu Hause eingetroffen sein, war gestern Nachmittag aus der Räbemetropole zu erfahren. «Aber er steht neben mir und hilft beim Aufräumen», betonte der Informant um 15.30 Uhr. Räbedibum, räbedibum, räbedibum!

Charly Keiser

René III. Simmen betrauert seine Exthronisation. (Bild: Charly Keiser)

René III. Simmen betrauert seine Exthronisation. (Bild: Charly Keiser)