BAAR: Der Ruhestand kann noch warten

Die Schmuckkünstlerin und Kulturveranstalterin Brigitte Moser erhält den Zuger Anerkennungspreis 2016. Auch nach über 50 Berufsjahren steckt die 71-Jährige noch immer voller Schaffenskraft und Energie.

Monika Wegmann
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Brigitte Mosers Geschäft ist Atelier und Galerie zugleich. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 7. Dezember 2016)

Brigitte Mosers Geschäft ist Atelier und Galerie zugleich. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 7. Dezember 2016)

«Dieser Preis ist für mich noch immer unglaublich, und ich war total überrascht, als ich die Mitteilung erhielt», sprudelt es aus Brigitte Moser heraus. Durch die Brille mit dem dunklen Rand strahlen ihre Augen die Besucherin an. Hat sie sich schon überlegt, was sie mit den 15 000 Franken machen wird, eine Weltreise oder eine Anschaffung? «Ich habe schon studiert, was damit geschehen soll. Aber ich habe nicht im Sinn, auszuruhen. Ich könnte alles auf mein AHV-Konto tun oder mir einen Traum erfüllen und nach Russland reisen. Doch mit Putin ist das keine Option», gibt sie offen zu.

Es ist ihr sogar in den Sinn gekommen, das Geld für ein Kultur- oder besser Schmuckprojekt einzusetzen oder dafür zu spenden, denn der Schmuck liegt ihr seit jeher am Herzen. «Was damit passiert, nehme ich vorneweg», sagt die Baarerin schlicht.

«Die Fantasie geht nie zu Ende»

Der Schmuck und die Kunst gehören bei Brigitte Moser untrennbar zusammen (siehe Kasten). Auch wenn sie als Arbeiterkind ­zufällig in den Beruf hineingekommen sei, den sie mit 71 Jahren ­weiterhin ausübt, könne sie sich nichts anderes vorstellen. «Schmuck ist mir nie verleidet. Ich kann immer etwas Neues erfinden, das Austüfteln bereitet mir Freude», sagt sie und lacht schelmisch. Aber sie verhehlt nicht, dass ihr Weg schwierig gewesen sei. «Der Schmuck ist ein Teil von mir, die Fantasie geht nie zu Ende. Ich kann jungen Leuten, die bei mir schnuppern, etwas geben. Bei der Kultur finde ich wichtig, auch über meine Nasenspitze hinauszudenken. Ich beziehe gerne andere Menschen mit ein.» Der jetzige Preis stehe auch für die vielen Talente, die sie im Laufe ihres Lebens in sich entdeckt habe. Es freut Brigitte Moser ganz besonders, wenn sie andere Menschen animieren kann, sich für die Sachen, die sie macht, zu interessieren.

Ein Höhepunkt war für die Baarerin die Schmuck-Ausstellung 2015 in der Burg Zug. «Zehn Jahre und drei Direktoren hat es bis zur Realisierung gedauert», sagt sie heiter und ist noch heute stolz über den Erfolg. Auf grosse Resonanz war auch 2016 die von ihr mit organisierte Ausstellung «Frisch von heute» mit den ­Ü-60-Künstlern gestossen. «Alle haben den Anlass genossen. Die älteren Künstler sind heute in den Galerien nicht mehr gefragt. Wir wollten sie zeigen, man darf sie nicht vergessen», sagt Brigitte Moser eindringlich.

Für solche kulturellen Engagements arbeitet sie oftmals in der Nacht und entwickelt Ideen und Konzepte. Wenn die Realisierung ansteht, zieht sie für Büro und Laden Hilfe bei: «Trotzdem bin ich im Laden meist präsent, denn der Umgang mit Schmuck erfordert Handarbeit.»

Die Zuger Kultur erlebt sie als vielfältig

Im Ladenatelier in Baar stellt Brigitte Moser regelmässig Künstlern eine Plattform zur Verfügung. Für sie ein Geben und Nehmen, das für beide Seiten wertvolle Kontakte schaffe. Die Zuger Kultur bezeichnet die Baarerin als lebendig und sehr vielfältig. Derzeit seien etliche junge Künstler sehr motiviert am Werk, vor allem im Atelier 63, das von Stadt und Kanton unterstützt werde. «Die Kunstszene ist jetzt faszinierend und spannend, auch in den Bereichen Theater und Musik.» Wichtig sei, dass die Kultur von der öffentlichen Hand gefördert werde.

Woher nimmt die 71-Jährige, stets chic gekleidet und mit burschikoser Frisur, die Energie, um rund 50 Jahre im Beruf aktiv zu sein und sich für so viele Kulturprojekte zu engagieren? Brigitte Moser muss nicht lange überlegen, spontan erklärt sie: «Ich rauche und trinke gerne ein Glas Wein. Es ist die Freude am Leben und daran, etwas zu gestalten, an dem sich viele Leute beteiligen können. Es ist noch nichts mit Ruhestand, ich bin immer aktiv und mache einfach weiter – und neue Ideen sind bereits da.»

Ein leidenschaftliches Engagement für den Schmuck und die Kultur

Brigitte Moser, 1945 in Baar geboren und da aufgewachsen, absolvierte eine Goldschmiedelehre in Zug. 1971 eröffnete sie ein Atelier in Baar, 1999 die Galerie Kunst und Kultur in Zug, 2009 die Schmuck-Galerie in Baar, wo sie heute noch tätig ist.

In den vergangenen Jahren nahm sie mit ihren eigenen Kreationen an Schmuckausstellungen im In- und Ausland teil. 2008 wurde ihr der Baarer Kulturpreis verliehen, 2016 der Preis «Der vergoldete David» vom deutschen Forum Schmuck und Design.

Jetzt folgt der Zuger Anerkennungspreis 2016, der am 2. Februar 2017 vom Regierungsrat offiziell überreicht wird und ihre herausragenden Leistungen Zuger Kulturleben würdigt: Ihr Engagement gilt dem Zuger Kulturleben, beispielsweise als Mitgründerin des Vereins Zuger Privileg und des Vereins Kunst-
Kiosk Baar, zudem wirkte sie organisatorisch an diversen Ausstellungen und Kunstprojekten mit. Auch in ihrem Schmuckladen finden regelmässig Kunstausstellungen statt. (mw)

Monika Wegmann
redaktion@zugerzeitung.ch