Baar
Der Zuger Patrick Fischer spricht vor Unternehmern über seine Art der Führung

Er ist seit sechs Jahren Coach der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Nicht immer eine leichte Aufgabe, da er innerhalb kürzester Zeit seine Philosophie an den Mann bringen muss. Im Unternehmerzentrum der Raiffeisen-Gruppe in Baar sprach er über seine Strategien und Geheimnisse beim Führen von Menschen. Was ihn als Person sympathisch macht: Er steht zu seinen Fehlern und spricht offen darüber.

Marco Morosoli
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Patrick Fischer, hier an der vergangenen Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga.

Patrick Fischer, hier an der vergangenen Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga.

Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi (31. Mai 2021)

Der Fussball und die EM 2020 sind derzeit in aller Munde. Aber noch läuft in Nordamerika die Eishockey-Meisterschaft in der National Hockey League. Die Halbfinals sind jetzt im Gange. Die schnellste Mannschaftssportart der Welt sorgt aber auch hierzulande immer noch für einen vollen Saal. Dieses Kunststück schaffte Patrick Fischer, als er am 16. Juni im Unternehmer-Zentrum in Baar einen Auftritt hatte.

Um seine Führungsprinzipien zu präsentieren, braucht der 45-jährige Coach der Schweizer Eishockeymannschaft keine Diagramme und andere Elemente aus der reichhaltigen Power-Point-Bibliothek. Zu sehen gibt es Elefanten, Enten und einen Adler. Was den Auftritt Fischers sympathisch macht: Er benutzt kein abgehobenes Vokabular. Fischer lässt seine Karriere auf dem Eis in knappen Sätzen Revue passieren. Eine Verletzung habe ihn auf den Boden der Realität zurückgeholt. Den zweiten Bruch auf seinem Lebensweg erlebte der ehemalige Stürmer, nachdem er seine Aktivkarriere beendet hatte. In seinem kürzlich erschienenen Buch «Game Time» beschreibt er diese Phase so:

«Nach meinem Rücktritt im Mai 2009 hatte ich keine Ahnung, wie es mit mir weitergehen sollte. Ich wusste nur, dass ich in Zukunft mit Menschen arbeiten und Menschen inspirieren wollte.»

Diese Mission habe er aber erst beginnen können, nachdem er im eigenen Leben aufgeräumt habe: «Also begab ich mich auf meinen Seelenpfad und tat, was mein Herz mir sagte.» Der emotionale Fischer war ein anderer als derjenige, welcher als Spieler sehr talentiert aber auch ehrgeizig gewesen war. Ohne diese Gabe würde heute wohl kaum sein EVZ-Dress mit der Nummer 21 im Dachbereich der Bossard-Arena hängen.

«Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Plan»

Als Patrick Fischer in seinem Vortrag weiterfuhr, zeigte sich auch schnell, wieso es ihm die Enten sprichwörtlich so angetan haben. Diese Tiere würden fortwährend schnattern, auch wenn dies absolut nicht angebracht sei. Jammern ohne Ende könne er nicht leiden. Der Adler hingegen, so analysierte Fischer weiter, sorge sich um den Überblick, reagiere bedacht und handle stets fokussiert.

In seinem Vortrag in Baar mischte Fischer immer wieder Sätze ein, die seine Leitlinien sind: «Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Plan», «Wer nicht will, findet Wege» oder «Du bist, was du tust». Der auffallende Gegensatz zwischen seinen Charakterzügen als Spieler, als Trainer und als Mensch habe viele seiner Wegbegleiter überrascht. Seine Reise zu Indianern im Amazonasgebiet Perus hatte bei Patrick Fischer den Charakter einer Reinigung des Ichs. Und so hat Fischer unter positivem indianischem Einfluss eine Führungsphilosophie gefunden, welche das Lebensbejahende in den Fokus rückt. Die positive Denkweise äussert sich bei Fischer im Satz: «Den Mut haben, deine Wahrheit zu leben.» Er mahnt auch an, dass sich das Individuum bremse, wenn es Angst habe, «was die anderen über ihn denken».

Stufe für Stufe erklimmen

Da Patrick Fischer die Eishockey-Nationalmannschaft als Spieler wie als Trainer kennt, ist die Bruchlinie der Denkweise in diesem Ensemble deutlich sichtbar. Früher sei es das Ziel gewesen, so Fischer, an der WM nicht abzusteigen. Heutzutage wolle die Equipe Stufe für Stufe erklimmen. Der Zuger, der mittlerweile im Kanton Luzern wohnt, weiss, dass dieser Wechsel des Fokus schwierig ist. Kritiker erwähnen dabei ab und an die Selbstüberschätzung der Schweizer. Die Betonung des Schweizerischen durch Fischer finden andere zu gekünstelt. Dass es an der diesjährigen Eishockey-WM nicht für die Halbfinal-Qualifikation gereicht hat, beurteilt Fischer selbstkritisch:

«Wir waren zu ängstlich, und ich fand nicht die richtigen Worte.»

Dazu gehöre es auch, den Druck auszuhalten, der sich in solchen Situationen aufbaue. Das Überstehen des Viertelfinals ist für den Coach eine sehr grosse Hürde. Hinterher ginge es jeweils viel leichter. Fischer sagt jedoch auch: «Rückschläge gehören dazu.» Zudem ruft er dazu auf, die Angst zu überwinden, die uns zurückhalte. Was die anderen über einen denken, darf «uns nicht kümmern». Er hat bei diesem Denkmuster eine freiheitliche Lebenseinstellung im Kopf und sagt: «Du musst den Mut haben, deine Wahrheit zu leben.» Das Jammern hingegen – das Bild mit den Enten passt hier perfekt – bringe keinen Fortschritt.

Nach dem interessanten Vortrag stellte Stefan Born – er ist für das Raiffeisen Unternehmerzentrum in Baar tätig – noch ein paar Fragen an den Referenten. Er wollte wissen, welcher Schweizer-Meister-Titel sein schönster gewesen sei. Patrick Fischer überlegte länger und entgegnet ihm: «Der Titel mit den Elite-Junioren des EVZ im Jahre 1994.» Dazu ist anzufügen, dass Patrick Fischer mit Lugano und Davos einen Schweizer Meistertitel holte.

Aus dem Publikum wollte einer wissen, wie er es in der Nationalmannschaft mit den Regeln halte. Fischer entgegnete: «In der Garderobe und am Esstisch gibt es keine Smartphones.» Es befremde ihn immer wieder, wenn er Familien sehe, welche allesamt in sich gekehrt in ihr Smartphone starren würden. Da vermisse er die Wertschätzung.

Da nicht alle angemeldeten Interessenten dem Vortrag von Patrick Fischer folgen konnten, gibt es am Mittwoch, 23. Juni, eine zweite Auflage des Referats im Unternehmens-Zentrum der Raiffeisen-Gruppe.