Baar
Die Altersheime erhalten eine neue Trägerschaft – ohne den Verein Frohes Alter

Nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und dem Verein Frohes Alter sollen die Altersheime von einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft geführt werden. Für den Verein Frohes Alter lässt der Gemeinderat eine Tür offen.

Harry Ziegler
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Seit mehr als drei Jahren verhandeln der Verein Frohes Alter (VFA) und die Einwohnergemeinde Baar über die rechtliche Struktur und die zukünftige Trägerschaft der Altersheime Bahnmatt und Martinspark. Diese Verhandlungen sind gescheitert. «Trotz grosser Kompromissbereitschaft des Gemeinderats zeichnet sich keine einvernehmliche Lösung ab», teilt der Baarer Gemeinderat mit. Er hat sich deshalb entschlossen, die verfahrene Situation selber zu lösen. Er wird eine gemeinnützige Aktiengesellschaft gründen. Offen ist, ob mit oder ohne den VFA.

Seit 1977 ist die Aufgabe der Führung der beiden Altersheime zur Zufriedenheit aller Beteiligten durch eine Leistungsvereinbarung dem VFA übertragen. Allerdings habe sich vor allem die rechtliche Situation im Laufe der Zeit geändert. «Der VFA und die Gemeinde sind sich einig, dass ein Verein nicht mehr die geeignete Trägerschaft für die Altersheime ist», schreibt der Gemeinderat. Es seien neue Aufgaben hinzugekommen, «die eine Professionalisierung der Strukturen und Formen des Zusammenwirkens der Akteure bedingen». So führt seit Anfang Jahr Viviva nicht nur die beiden Heime, sie expandiert auch in die neuen Formen der Altersbetreuung, wie sie der Gemeinderat in der Strategie «Wohnen im Alter in Baar» vorsieht.

Geschäft wurde abtraktandiert – seither wird ein Ausweg gesucht

«Der Gemeinderat und der VFA haben nach einer geeigneten rechtlichen Form für die neue Trägerschaft gesucht und sie in der gemeinnützigen Aktiengesellschaft (gAG) gefunden», so der Gemeinderat in der Medienmitteilung. Eine solche gAG könne rasch auf veränderte Bedürfnisse reagieren, bleibe aber steuerbefreit und sei nur ihrem Auftrag, der Sicherstellung der Altersbetreuung in Baar, verpflichtet. Im August 2020 hätten die Mitglieder des VFA über die Transformation in eine gAG abstimmen sollen. Nur: Das Geschäft wurde an der Mitgliederversammlung abtraktandiert. Seither suchen VFA und Gemeinde nach einem Ausweg aus der vertrackten Situation. Vergeblich. Alle vom Gemeinderat gemachten Vorschläge wurden seither vom VFA-Vorstand abgelehnt.

Verhandlungen waren schwierig

«Wir bedauern sehr, dass wir zu keiner Einigung gekommen sind», wird Gemeinderat Pirmin Andermatt in der Mitteilung zitiert. «Die Zusammenarbeit mit dem VFA hat in den letzten Jahren gut funktioniert. Die Verhandlungen haben sich aber – auch wegen personeller Wechsel im VFA-Vorstand – schwierig gestaltet», so Pirmin Andermatt.

Trotz des Alleingangs der Gemeinde ist die Zusammenarbeit mit dem VFA nicht beendet. Bis Ende 2022 bleibt die Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Verein bestehen. Ab dem 1. Januar 2023 wird die gAG die Verantwortung übernehmen. Dies mit einem Vertreter des VFA im Verwaltungsrat, «sofern sich der Vorstand und die Mitglieder des VFA nun doch für diesen gemeinsam vereinbarten und vom Vorstand ursprünglich akzeptierten Vorschlag entscheiden», heisst es in der Mitteilung. Im Betrieb ändert sich mit der Einsetzung einer neuen Trägerschaft nichts. Die Mitarbeitenden der Altersheime Baar werden zu den aktuell geltenden Konditionen übernommen.

Volksabstimmung ist nötig

Um die gAG zu gründen, benötigt der Gemeinderat die Zustimmung des Volks. Konkret wird am 26. September über die Übertragung der Gebäude Bahnmatt und Martinspark als Sacheinlage in die gAG sowie eine Bareinlage in noch nicht bestimmter Höhe abgestimmt. Für das Land werde ein Baurechtsvertrag abgeschlossen. Diese Schritte seien die Grundlage, damit die gAG über genügend Kapital und damit den nötigen Spielraum verfüge.