Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Baar: Die Andermatts müssen ihre Leidenschaft aufgeben

Am 24. März kommt das Vieh und die Fahrhabe des Weberhofs in Allenwinden unter den Hammer. Was die freiwillige Versteigerung für die Familie bedeutet, schildert die betroffene Bäuerin.
Andrea Muff
Heidi und Hans Andermatt haben lange mit sich gehadert. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 21. März 2018))

Heidi und Hans Andermatt haben lange mit sich gehadert. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 21. März 2018))

Traktoren, Motormäher, Kreiselheuer, Sattelschlepper, Maishäcksler, Hundehütte, Viehwagen, Milchkannen, Siloballen, Glocken und Treicheln: Wenn die Fahrhabe eines landwirtschaftlichen Betriebs versteigert wird, ist die Liste lang. Am 24. März wird es in Allenwinden so weit sein: Auf dem Weberhof findet eine «freiwillige öffentliche Versteigerung» mit Festwirtschaft statt. Ein Gantrufer wird die Versteigerung übernehmen.

Was laut Anzeige im Zuger Amtsblatt nach einer fast schon feierlichen Veranstaltung tönt, ist in Wirklichkeit eine hochemotionale Angelegenheit, und von «freiwillig» kann nicht die Rede sein. Hans und Heidi Andermatt müssen den Betrieb aus Altersgründen aufgeben.

Mögliche Nachfolger in der Familie gibt es keine. «Wir haben vier Kinder, aber aus verschiedenen Gründen, seien diese gesundheitlich oder familiär, kann keines von ihnen den Hof weiterführen», erklärt Heidi Andermatt und fügt hinzu: «Meinem Mann und mir war das aber schon früh bewusst, und wir konnten uns darauf einstellen, dass wir irgendwann unseren Bauernhof aufgeben müssen.»

Keine leichtfertige Entscheidung

Hans Andermatt ist jetzt 65 Jahre alt, seine Frau mit 59 Jahren nur wenig jünger. Auch gesundheitlich ist der körperliche Beruf zunehmend eine Herausforderung – der Bauer hatte in den letzten Jahren zwei Unfälle. «Wir haben uns für die Entscheidung, eine Versteigerung zu machen, viel Zeit gelassen», sagt die Bäuerin und spricht von etwa zwei bis drei Jahren Bedenkzeit. Sie fragt rhetorisch: «Was wollen wir sonst mit all den Maschinen und dem Vieh machen?»

Von Kindesbeinen an waren die beiden in der Landwirtschaft tätig – der Weberhof in Allenwinden ist seit mehreren Generationen in Familienhand. «Es ist für mich sehr schwierig, das alles aufzugeben. Ich bin, seit ich denken kann, Bäuerin», sagt Heidi Andermatt und fügt hinzu: «Das Schwierigste für uns ist, unser Vieh zu versteigern.»

Die 20 Milchkühe der Andermatts kommen ebenfalls unter den Hammer. Darunter auch ein Kälbchen, das im September auf die Welt gekommen ist. «Das Tier ist mir sehr ans Herz gewachsen, aber wenn wir das Kälbchen behalten würden, dann müssten wir auch über andere Tiere diskutieren», führt die Landwirtin aus. «Aber wir müssen realistisch sein», sagt sie gefasst.

Wer ersteigert die Sachen?

Der Satz wird in den letzten Tagen offenbar zum Mantra, ob es tröstet, ist fraglich. Denn Hans und Heidi Andermatt sind nach eigenen Angaben mit Leib und Seele Bauer und Bäuerin – ein Leben ohne Muhen im Stall ist für die beiden unvorstellbar. Und trotzdem wird es nach dem 24. März so weit sein. «Schwierig ist auch, dass wir keinen Einfluss mehr haben, wer unsere Maschinen und wer die Tiere bekommt», erklärt sie. Denn bei einer Versteigerung erhält derjenige mit dem höchsten Gebot den Zuschlag. «Wir wissen unter Umständen nicht einmal, wo die Tiere hingehen.»

Das Land ist verpachtet

Was den Landbesitz anbelangt, hat es die Familie Andermatt deshalb ein wenig anders gemacht: Die Parzellen hat sie an zwei Landwirte aus ihrer Nachbarschaft verpachtet. «Wenn wir sehen, dass ein Bauer mit seinen Obstbäumen gut umgeht, können wir davon ausgehen, dass er dies auch mit unseren tun wird», resümiert Heidi Andermatt.

Ein weiteres Anliegen von ihr und ihrem Mann sei, dass das Land nicht zerstückelt werden soll, sondern möglichst zusammenbleibt. «Es ist in guten Händen.» Sie hoffen, dass auch einige Maschinen von Bekannten oder Freunden gekauft werden.

Der Abend nach der Versteigerung werde schwierig, das weiss Heidi Andermatt jetzt schon. «Momentan bin ich nicht ich selbst. Es ist eine unbeschreibliche Situation.» Auch die Angst vor der Zukunft schwingt mit, denn die Andermatts werden weiter auf dem Weberhof wohnen bleiben.

Hans Andermatt wird vom Landwirt, der ein Teil des Lands der Andermatts gepachtet hat, angestellt. Er wird sich um dessen Rinder kümmern. Heidi Andermatt versucht ihre Gefühle abschliessend in Worte zu fassen: «Unser Herzblut steckt im Betrieb, und es ist unvorstellbar, dass es einfach vorbei sein wird.»

Heidi und Hans Andermatt haben lange mit sich gehadert. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 21. März 2018))

Heidi und Hans Andermatt haben lange mit sich gehadert. (Bild: Stefan Kaiser (Allenwinden, 21. März 2018))

Auch die Maschinen kommen unter den Hammer.

Auch die Maschinen kommen unter den Hammer.

Die Familie führt den Weberhof seit mehreren Generationen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 21. März 2018))

Die Familie führt den Weberhof seit mehreren Generationen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 21. März 2018))

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.