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BAAR: Die ersten «reformierten Glocken» läuten seit 150 Jahren

Die erste reformierte Kirche im Kanton Zug feiert Jubiläum. Bei einem exklusiven Rundgang weist Sigrist Gilbert Théraulaz auf die Freuden und die Tücken des alten Gemäuers hin.
Andrea Muff
Gilbert Théraulaz gibt den Kelchen den letzten Schliff. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 26. September 2017))

Gilbert Théraulaz gibt den Kelchen den letzten Schliff. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 26. September 2017))

Es ist die erste reformierte Kirche, die im Kanton Zug gebaut wurde: Sie steht in Baar und feiert dieses Jahr ihren 150. Geburtstag. Anlässlich dieses Ereignisses gibt die Reformierte Kirche Bezirk Baar Neuheim zusammen mit der Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte einen Kunstführer heraus, verfasst von Brigitte Moser. Der Festgottesdienst und die Vernissage finden am kommenden Sonntag statt (siehe Hinweis).

Einer, der fast täglich seine Zeit im Gotteshaus verbringt, ist Sigrist und Betriebswart Gilbert Théraulaz. Er nimmt uns mit auf einen Rundgang. Der 59-Jährige arbeitet bereits seit 12 Jahren in der reformierten Kirche Baar und hält den 150-jährigen Sandsteinbau in Schuss. Théraulaz erklärt: «Früher hat man zwar sehr stabil gebaut, aber natürlich gibt es heikle Sachen.» So etwa die dünnen Fensterscheiben: Mit einem Holzstab, der an der Spitze einen kleinen Haken hat, öffnet der Sigrist gekonnt vorsichtig ein Fenster. «Es ist mir auch schon passiert, dass ich mit dem Stab abrutschte und eine Scheibe kaputtgemacht habe.» Reparieren könne er einen solchen Schaden nicht selbst, dafür müssen Profis her. Ansonsten ist der vierfache Familienvater unter anderem für die Reinigung der Kirche, das Pflegen des Umschwungs und das Vorbereiten der Gottesdienste zuständig.

Bei Taufen und Abendmahl kommen auch Teile aus dem Kirchenschatz zum Zug. So ist die erste Taufschale noch heute in Gebrauch. Die Inschrift auf dem Boden «A. Bremi, Zürich, 1863» verweist auf den Urheber und das Entstehungsjahr. Mit besonderer Vorsicht zeigt der 59-Jährige zwei der insgesamt vier Kelche und einen der beiden Krüge. Auch diese Utensilien finden heute noch Verwendung: Deshalb werden sie von Théraulaz regelmässig geputzt und poliert. Historisch wertvoll ist auch die Lutherbibel aus dem Jahre 1772, die der Sigrist für die Gottesdienste bereitstellt. Die Bibel gehörte dem Pfarrer Alfred Klaus, der sie bei seinem Weggang 1975 der Kirche vermachte.

Der Ausblick von der Empore zeigt einen nüchternen und hellen Raum. Zu Beginn sei ein Gebäude, das für 1000 Gläubige Platz bietet, geplant gewesen, erzählt Théraulaz. Die Anzahl sei dann aber auf 300 Plätze reduziert worden. Heute finden noch 250 Personen Platz.

Zweitälteste reformierte Kirche der Zentralschweiz

Noch einen Stock höher als die Empore befinden sich die drei Glocken. Gilbert Théraulaz erklärt, was das Besondere an ihnen ist: «Sie läuteten bereits bei der Einweihung. Damit die Gemeinde sich die Glocken leisten konnte, hatte sie auf den Einbau einer Heizung verzichtet.» Besagte Kirche in Baar ist nach der Matthäuskirche in Luzern das zweitälteste reformierte Gotteshaus in der Zentralschweiz. Die Glocken allerdings sind die ersten «reformierten Glocken» der Zentralschweiz, weiss Théraulaz. Das manuelle Läuten der Glocken gehört heute nicht mehr zu den Aufgaben des Sigrists. «Die funktionieren elektrisch», sagt er. Zu den Glocken führt eine alte Holzleiter, die in eine Leiter aus Eisen überführt, und diese endet bei einer schmalen Falltür – in etwa sechs Metern Höhe. Sehr sicher sieht die Konstruktion nicht aus: «Das geht schon», meint der Sigrist und lacht. Bei besonderen Festen wie jenem am kommenden Sonntag steigt er jeweils die dünnen Stufen hinauf und montiert die Fahne der Gemeinde Baar.

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Hinweis

Am Sonntag, 1. Oktober, beginnen Festgottesdienst und Vernissage um 9.30 Uhr in der reformierten Kirche Baar. Anschliessend gibt es einen Apéro. Am Mittwoch, 4. Oktober, findet um 18 Uhr eine Führung mit Brigitte Moser statt.

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