BAAR: «Die Versorgung liegt uns am Herzen»

Seit dem Mittelalter kümmert sich die Korporation Baar-Dorf darum, dass den Einwohnern sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Auch heute noch werden Brunnen eingeweiht.

Andrea Muff
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Die neue Brunnenanlage auf dem Spielplatz Oberau in Baar wurde kürzlich der Bevölkerung übergeben. (Bild: Maria Schmid (4. September 2017))

Die neue Brunnenanlage auf dem Spielplatz Oberau in Baar wurde kürzlich der Bevölkerung übergeben. (Bild: Maria Schmid (4. September 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Um den Durst zu stillen, eignet sich ein Glas frisches Wasser ganz besonders. In der Schweiz kommt es bereits genussfertig direkt aus der Leitung. Die Korporation Baar-Dorf hat im Baarer Gemeindegebiet die Versorgung mit Trinkwasser unter ihren Fittichen. Die neuste Brunnenanlage – sie befindet sich auf dem Spielplatz Oberau in Baar – ist am ­vergangenen Mittwoch der Bevölkerung übergeben worden. Für Korporationspräsident Walter W. Andermatt ein freudiger Anlass. Er sagt: «Die Versorgung mit Trinkwasser ist ein ureigenes Interesse der Korporation, sie ist historisch mit uns gewachsen und bleibt bei uns verankert.»

Tatsächlich: Die Trinkwasserversorgung ist eine öffentliche Aufgabe, für welche die Korporation schon seit dem Mittelalter verantwortlich ist und die ihr von der Einwohnergemeinde übertragen wurde – per Vertrag. Denn als im späten 19. Jahrhundert die Gemeinde Baar in Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinde getrennt wurde, besass die Einwohnergemeinde keine Quellen, die Korporation aber schon. «Wir fassen seit jeher unsere Quellen und erhalten vom Kanton Konzessionen für die Nutzung des Grundwassers», erklärt der Korporationspräsident. Begonnen hat die Geschichte mit der Erschliessung der St.-Martins-Quelle nordöstlich von Inwil. Die Geschichte der Wasserversorgung und der Korporation Baar-Dorf ist im Buch «Korporation Baar-Dorf. Geschichte und Geschichten» festgehalten. Das Werk erschien im vergangenen Jahr zum Jubiläum des Hofrodels. Im Hofrodel sind die Statuten der Korporation aus dem Jahre 1416 festgehalten. Doch zurück zur Wasserversorgung: Mangels schriftlicher Nachweise kann über den genauen Zeitpunkt der Erschliessung der St.-Martins-Quelle nur gemutmasst werden. Seit 1553 aber werden die Quellfassungen und Brunnen in einem Verzeichnis erwähnt. So wurde auch festgehalten, dass spätestens ab 1648 die hölzernen Brunnen zu steinernen Brunnenstöcken wurden. Der nächste Materialwechsel wurde nötig, als 1706 die Holzleitungen aus der Brunnenstube der St.-Martins-Quelle zu den Brunnen verfaulten und ersetzt werden mussten. Ab dann wurden die Aufsicht und der Unterhalt einem Brunnenmeister übertragen. «Heute noch werden die Aufgaben von vier Korporationsmitarbeitern, darunter zwei Brunnenmeister, übernommen», wirft Andermatt ein.

Nachfrage nach Wasser ist stetig gestiegen

Wasser wurde damals schon nicht nur in den Haushalten, der Landwirtschaft und im Gewerbe benötigt, sondern auch für die aufkommenden industriellen Produktionsformen spielte es eine immer grössere Rolle. So wurden zusätzliche Brunnen gebaut und Leitungen mit Eisenröhren erstellt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert vermochten die Leitungen und Brunnen der Nachfrage nach privaten Wasserzuleitungen nicht mehr zu genügen. 1895 wurden die St.-Martins- und andere Quellen im Reservoir Burgmatt zusammengefasst. Die Korporation errichtete ein Gussröhrensystem und konnte damit das Trinkwasser in die Haushalte leiten und in eine Hydranten-Anlage zur Brandbekämpfung speisen. «In der Schweiz wird Trinkwasser zur Brandbekämpfung genutzt», bestätigt der Korporationspräsident. In trockenen Jahreszeiten kam es Anfang 20. Jahrhundert aber zunehmend zu Engpässen. Deshalb wurde 1920 im Göbli das erste Grundwasserpumpwerk errichtet. Die Bevölkerungszunahme und die erhöhte Bautätigkeit zu dieser Zeit forderten weitere Massnahmen: Pipelineröhren nach amerikanischem Vorbild, die Errichtung von Reservoiren (Chrüzgutsch, Räbmatt, Burgmatt) und die Fassung des Pumpwerks Sennweid. In den 1990er-Jahren wurde das Grundwasserpumpwerk im Göbli sanierungsbedürftig. Da dieses aber mitten in einem Wohnquartier lag und die Grundwasserschutzzone nicht eingehalten werden konnte, strebte die Korporation Baar-Dorf eine Zusammenarbeit mit der Wasserwerke Zug AG an. So wurde das Pumpwerk Sternen gebaut. Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung von Zug und Baar wurden die Anlagen verknüpft. 2002 erhielt die Korporation als erste im Kanton eine Zertifizierung ihrer Wasserversorgung. «Anfang 2017 wurde unsere Wasserversorgung rezertifiziert. Ihr wurde attestiert, dass sie sehr gut aufgestellt ist», so Andermatt.

Auch die nächste Generation soll gut versorgt sein

Heute unterhält die Korporation ein Trinkwasserleitungsnetz von 115 Kilometern mit einem Verbrauch pro Kopf und Tag von 220 Litern. Der mittlere Tagesverbrauch liegt bei 4500 Kubikmetern. Aus insgesamt vier Reservoiren werden rund 17 600 Einwohner versorgt – 40 Prozent des Verbrauchs ist Grundwasser, der Rest Quellwasser. Die Mitarbeiter kümmern sich um den Unterhalt des Leitungsnetzes, das Überwachen der Schutzzonen, die Qualitätssicherung des Trinkwassers, die Reinigung der Brunnenstuben, Pumpwerke und Reservoire sowie um Hausanschlüsse. Gibt es Kapazitäten für einen Ausbau? «Wir nutzen rund 40 Prozent Grundwasser, was lediglich 12 Prozent des Konzessionskontingents entspricht.» In den vergangenen Jahren wurden Reservoire und Pumpwerke, aber auch fast sämtliche Quellen und Brunnenstuben saniert. Momentan stehen aber vor allem das Umlegen von Leitungen und der Leitungsneubau auf der Tagesordnung – bedingt durch den Bau der Tangente Zug/Baar. So stellt die Korporation Baar-Dorf die Trinkwasserversorgung für die nächste Generation sicher. Auch Walter Andermatt löscht seinen Durst am liebsten mit einem Glas Wasser. Wiederholt betont er die Wichtigkeit des Gutes: «Wasser ist lebensnotwendig, und die Versorgung liegt uns am Herzen.»