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BAAR: Die Verunsicherung ist gross

Die Revision des Inventars schützenswerter Denkmäler kommt voran. Nun ist sie auch für Baar abgeschlossen. Nicht alle betroffenen Eigentümer sind darüber glücklich.
Das Kino Lux in Baar. (Bild: Werrner Schelbert / Neue ZZ)

Das Kino Lux in Baar. (Bild: Werrner Schelbert / Neue ZZ)

Carmen Desax

Immer wieder war die Denkmalpflege in letzter Zeit in der Kritik. Gefordert wurden Richtlinien und Reglemente, an die sich die Denkmalpflege halten muss. Gar auflösen sollte sich die Behörde, wie einzelne Politiker forderten (wir berichteten). Das Denkmalschutzgesetz verlangt zudem, dass alle schützenswerten Denkmäler in einem Inventar zusammengefasst und einsichtbar sein müssen. Manuela Weichelts Departement des Innern reagierte und erstellt derzeit für jede Gemeinde ein solches Inventar. Nach Zug und Neuheim liegt die Liste nun auch für Baar vor. «Es ist uns wichtig, dass die Revision des Inventars in allen Gemeinden in einem vernünftigen Zeitraum abgeschlossen werden kann», erklärt Denkmalpflegerin Franziska Kaiser. Sie meint weiter: «So wissen die Leute im Vornherein, dass ihr Haus schützenswert sein könnte.» Durch das Erfassen sämtlicher schützenswerter Gebäude sei die Rechtssicherheit sowohl für die Behörde wie auch für die Hauseigentümer grösser. Die Aufnahme ins Inventar bedeute aber noch nicht, dass die Gebäude tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt sind, sondern bloss, dass sie es werden könnten.

Hat ein Eigentümer vor, sein betroffenes Haus zu renovieren, sollte er sich am besten vor der Planung mit dem Denkmalschutz in Verbindung setzen. «Wir sind froh, wenn der Eigentümer vor dem Einreichen eines Baugesuchs mit uns Kontakt aufnimmt», gibt Kaiser Auskunft. Dann könnten die Rahmenbedingungen festgemacht und besprochen werden. Erst dann wird auch gründlich untersucht, ob das Gebäude schützenswert und damit überhaupt bestimmten Auflagen ausgeliefert ist.

Angespannte Stimmung in Baar

In Baar sind rund 300 Gebäude im neuen Inventar erfasst. Für die betroffenen Eigentümer fand letzte Woche eine Informationsveranstaltung, organisiert von der Direktion des Innern, statt. Der Andrang war gross, etwa 200 Personen folgten der Einladung. «Die Leute beschäftigte vor allem eine Frage konkret: Was bedeutet das für mich?», so Kaiser. Viele können den Eintrag nicht verstehen, das bestätigt auch Paul Lan­genegger, Baarer Gemeinderat: «Die Stimmung war sehr gereizt.» Die Verunsicherung bei den Eigentümern sei gross. «Es gab viele Fragen zum Beispiel zur Beurteilung der Gebäude», so Lan­genegger. «Das Vorgehen der Denkmalpfleger mutete viele wohl als nicht seriös an.»

Zudem hätten die Besitzer Angst, dass ihr Heim nun an finanziellem Wert verliert. Konkrete Antworten konnte die Denkmalpflege nicht geben. Das liegt insbesondere daran, dass die Liste ja nicht endgültig ist, sondern bloss eventuell schützenswerte Gebäude aufgenommen wurden. Auch die Gemeinde Baar selber ist mit sieben Gebäuden betroffen, daher kann Paul Langenegger die Erregung verstehen: «Diese angespannte Stimmung habe ich erwartet», sagt der Gemeinderat. Er selber würde es vorziehen, wenn man sich bereits gegen einen Eintrag auf der Liste wehren könnte.

Verunsicherung bei Eigentümern

«Wehren kann sich ein Besitzer, indem er die Abklärung der Schutzwürdigkeit beantragt», erklärt Kaiser. Werde dabei das Haus tatsächlich als schutzwürdig eingestuft, folge ein formeller Beschluss, gegen den der Eigentümer Beschwerde einreichen könne. Zuerst komme es dann allerdings zu einer Interessenabwägung mit dem Eigentümer. Die Inventarliste hingegen sei nur ein Hinweis und keine Festschreibung, so Kaiser.

Heini Schmid setzt mit seiner Kritik am gleichen Punkt wie Paul Langenegger an. Der CVP-Kantonsrat und Baarer Immobilienbesitzer ist ebenfalls von der Revision betroffen. «Man kann ja nichts machen», meint er konsterniert. Er unterstütze die Überarbeitung des Inventars allerdings sehr. Ortsprägende und identitätsstiftende Gebäude sollen auf jeden Fall geschützt werden. «Je neuer ein Bau, desto umstrittener ist aber der Denkmalschutz», sagt Schmid. Dieser gelte ja nicht nur für Bauten aus dem Mittelalter. Er glaube, die Leute könnten nicht verstehen, wie ihr Haus, das sie selber gebaut haben, plötzlich unter Denkmalschutz stehen soll. Ausserdem gebe es viele Sonderopfer, wie er es nennt. In einer Altstadt zum Beispiel sei jeder Nachbar auch vom Denkmalschutz betroffen, in Baar seien das aber bloss einzelne Eigentümer.

Schmid macht zudem zwei Punkte aus, die er als verbesserungswürdig sieht: Erstens plädiert er dafür, dass die Kriterien, mit denen die Denkmalpfleger arbeiten, vom Kantonsrat abgesegnet werden. Zweitens soll jeder prüfen können, ob sein Eigentum tatsächlich geschützt ist, auch wenn kein Bauprojekt ansteht. «Grundsätzlich dient die Sicherheit jenen, die nicht auf der Liste stehen, und nicht jenen, die darauf sind», so der Kantonsrat.

Veränderungen sind möglich

Denkmalpflegerin Kaiser ist sich dessen bewusst und meint: «Es kann auch sein, dass nicht ein ganzes Gebäude geschützt wird.» Ist im Innern bereits umgebaut worden und keine historisch wertvolle Substanz mehr vorhanden, dann sei bloss noch das Äussere schützenswert. «Innen kann dann problemlos umgebaut werden.»

«Es gab aber auch viele, die Freude haben an ihrem alten Haus und froh sind, nun auf der Liste zu stehen», sagt Kaiser. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige Sparkasse an der Florastrasse 3. Auch auf das Schulhaus Inwil verweist Kaiser. Es wurde 1970 gebaut und vor kurzem saniert. «Trotzdem wollten wir es auf die Liste nehmen, es ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Gebäude sanft renoviert und erweitert werden kann und seinen Charakter doch so behält.»

Revision bis 2018 abgeschlossen

In einem zweiten Schritt werden nun die Gemeinden Cham, Menzingen, Risch und Steinhausen angegangen. Als dritte Etappe folgen schliesslich Hünenberg, Walchwil, Unterägeri und Oberägeri. Bis Ende 2018 sollen alle schützenswerten Denkmäler erfasst worden sein. «Es braucht eine periodische Nachführung, so alle zehn bis fünfzehn Jahre», so Kaiser. Auch der Denkmalbegriff könne sich über eine längere Zeitspanne verändern.

Die ehemalige Sparkasse an der Florastrasse in Baar. (Bild: Neue ZZ)

Die ehemalige Sparkasse an der Florastrasse in Baar. (Bild: Neue ZZ)

Reiheneinfamilienhäuser an der Aberenterrasse in Baar. (Bild: Neue ZZ)

Reiheneinfamilienhäuser an der Aberenterrasse in Baar. (Bild: Neue ZZ)

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