BAAR: Ebel hat fasnächtlich die Nase vorn

Die Fröschenzunft Inwil blickt mit einer Ausstellung auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück und macht die Räbefasnächtler noch heute etwas neidisch.

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Sie haben die Jubiläumsausstellung organisiert (von links): Ernst und Ruth Bürge sowie Albert Suter. (Bild: Stefan Kaiser)

Sie haben die Jubiläumsausstellung organisiert (von links): Ernst und Ruth Bürge sowie Albert Suter. (Bild: Stefan Kaiser)

Silvan Meier

Die Baarer sind stolz auf ihre Räbefasnacht. Die grösste und lauteste im Kanton sei sie, lassen sie gerne verlauten. Die älteste ist die Baarer Räbefasnacht aber nicht und das nicht nur im Kanton, sondern sogar innerhalb der Gemeindegrenzen. Denn die Fröschenzunft Inwil kann dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiern. Sie tut dies mehrheitlich nicht im Ebel, wie Inwil im Volksmund genannt wird, sondern in Baar und schlägt damit eine Brücke zu den Anfängen. Im Jahr 1946 hat die Fasnachtsgesellschaft Inwil, wie sie damals noch hiess, den ersten Fasnachtsumzug organisiert; das nicht etwa in Inwil, sondern in Baar. «Das hat die Baarer angestachelt», sagt Fröschenzunft-Ehrenmitglied Ernst Bürge und lacht. Eine initiative Gruppe um Grafiker Eugen Hotz rief kurz darauf die Räbefasnacht ins Leben. Auch wenn die Baarer den Inwilern in Sachen Grösse mittlerweile den Rang abgelaufen haben, zeigt die Fröschenzunft dieses Jahr, wie man Fasnacht feiert. Vom Fasnachtsfreitag bis zum Güdeldienstag lassen die Inwiler das legendäre Fröschenloch in der Rathus-Schüür aufleben (siehe Box).

Atomauto und Friedensgeige

Bereits diesen Freitag beginnt in der Schrinerhalle eine Jubiläumsausstellung. Massgeblich zusammengetragen wurden die Bilder und Archivstücke von Ernst Bürge. Er war als Ernst IV. im Jahr 1989 der 29. Zunftmeister und hat jahrelang im Vorstand der Fröschenzunft mitgearbeitet. Nun steht er in der Baarer Schrinerhalle an der Dorfstrasse inmitten von rund 180 Bildern, die die Geschichte der Inwiler Fasnachtstradition dokumentieren und erzählt von früheren Jahren. Schon in den 1940er- und 1950er-Jahren hat die Fröschenzunft eindrückliche Wagen gebaut. Bei der Premiere im Jahr 1946 zogen die Ebeler Fasnächtler mit einem Atomauto und anspielend auf das Ende des Zweiten Weltkriegs – mit einer Friedensgeige durchs Dorf. Auch in den Folgejahren hat sich die Fröschenzunft vor allem dem Weltgeschehen gewidmet. Zu sehen waren Umzugswagen zur Ölpolitik, ein anderes Jahr fuhren die Inwiler mit einer fliegenden Untertasse durchs Dorf, und auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Indien und der Sowjetunion im Jahr 1955 waren ein Jahr darauf ein Fasnachtsthema: «Propaganda-Bluff in Indien» hiess das Umzugssujet damals. Die Ausstellung führt den Betrachter weiter durch die Jahrzehnte bis in die Gegenwart. «Wir haben bewusst Fotos aus der gesamten 70-jährigen Geschichte ausgewählt», erklärt Bürge. «Denn auch die jüngste Vergangenheit ist interessant.»

Das Original ist erhalten geblieben

Wichtig war Bürge bei der Auswahl vor allem eines: «Es sollen Leute abgebildet sein.» Zwar weiss er gerade bei älteren Fotografien nicht, welche Menschen zu sehen sind. Doch vielleicht erkenne sich der eine oder andere Besucher auf einem der Bilder. Als langjähriger Aktuar hat Ernst Bürge das Fotoarchiv der Fröschenzunft bei sich zu Hause gelagert und gepflegt. Insbesondere die Bilder aus den letzten rund 30 Jahren hat er oft selber geschossen. Die Bilder zeigen aber nicht nur Inwiler und Baarer Fasnächtler. Sie dokumentiere auch die Geschichte der beiden Dörfer und deren bauliche Entwicklung.

Und natürlich erklären sie ohne Worte die Geschichte, wie aus der Fasnachtsgesellschaft Inwil die Fröschenzunft wurde. Bis 1953 sind nämlich keine der grünen Amphibien auf den Bildern zu sehen. «Dann wurde der erste Froschkönig gewählt», erzählt Ernst Bürge. Die Ehre wurde dem verstorbenen Hans Schicker zuteil. Er trug als Erster die Fröschenmaske mit Krone. Im Jahr darauf wurde aus der Fasnachtsgesellschaft die heutige Fröschenzunft. Und auch wenn mit der Umbenennung des Froschkönigs in Fröschenzunftmeister im Jahr 1961 die Maske ihren Zweck verlor, so ist sie doch erhalten geblieben und ist nun, wie Ernst Bürge sagt, das Prunkstück der Ausstellung. «Sie wurde lediglich restauriert und neu bemalt.»

Hinweis

Fotoausstellung der Fröschenzunft Inwil in der Baarer Schrinerhalle an der Dorfstrasse: heute Freitag, 18.30 bis 21.30 Uhr, Vernissage; danach wochentags jeweils von 16.30 bis 21.30 Uhr, am Wochenende von 14 bis 18.30 Uhr (bis 8. Februar).