BAAR: Ein Gourmet-Tempel macht den Abflug

Essen und trinken in luftiger Höhe – ein Konzept, das man in Zug bislang in zwei Hochhäusern kultiviert. Das Restaurant «Baarcity» geht nun aber vorübergehend zu.

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Das noble Speisen über den Dächern von Baar ist offensichtlich ein schwieriges Geschäft. (Bild: Stefan Kaiser (Neue Zuger Zeitung))

Das noble Speisen über den Dächern von Baar ist offensichtlich ein schwieriges Geschäft. (Bild: Stefan Kaiser (Neue Zuger Zeitung))

Wolfgang Holz

«Wir schliessen das Restaurant ab sofort bis nach den Sommerferien und starten dann mit einem neuen Konzept», sagt Investor Günter Zobel. Statt eines Gourmet-Restaurants wie bis anhin soll dann ein Lokal für den breiteren Geschmack und vor allem zu erschwinglicheren Preisen künftige Besucher 41 Meter hoch, über die Dächer von Baar, anlocken. Der bisherige Esstempel hat zwar kulinarisch sehr Appetitliches auf den Teller gebracht – aber der Umsatz stimmte nicht, weil zu wenig Gäste kamen. Ganz im Gegensatz zur aussichtsreichen Dachterrasse mit Open-Air-Feeling, die stets deutlich besser lief als das Restaurant.

Von Anfang an harzte es

Wie das neue Konzept für das neue Restaurant konkret aussehen soll, verrät der Oberägerer Multimillionär noch nicht. «Es soll eine Überraschung werden», sagt der rüstige Investor, der normalerweise alles vergoldet, was er anfasst. Gerade in Baar muss die Gemeinde dem gebürtigen Breslauer und früheren Chemie-Salesman auf Knien danken: Denn ohne das Gotthard-­Center, das Hotel Ibis und das «Baarcity» mit der Migros im Erdgeschoss würde im Zentrum der Stadt tote Hose herrschen. Erst jüngst ist bekanntlich die Coop-Filiale vergrössert worden – und soll laut Zobel noch grösser werden.

Was das Restaurant «Baarcity» im Hochhaus angeht, hat sich der längst eingebürgerte Deutsche indes von Anfang an schwergetan. Bekanntlich konnte das Lokal erst mit zweijähriger Verspätung nach Fertigstellung des «Skyscraper» 2010 eröffnet werden. Zum einen sorgte der zugige Wintergarten mit seinen wasserdurchlässigen Schiebefenstern für Verzögerungen: Er musste umgebaut werden. Zum anderen schaffte es Zobel nicht, einen allfälligen Pächter zu finden, der die millionenteure Einrichtung des Speiselokals mitfinanzieren würde. Am Ende rang sich der Investor, dessen Seminarhotel in Unterägeri übrigens bestens läuft und demnächst noch weiter ausgebaut werden soll, dazu durch, das Panorama-Restaurant selbst zu managen. Das Gourmetlokal, das für 78 Gäste konzipiert und rund 170 Quadratmeter gross ist, scheiterte aber schon relativ schnell an den Haute-Cuisine-Ansprüchen und vor allem an den für Baarer Verhältnissen zu noblen Preisen des engagierten deutschen Spitzenkochs Daniel Stütz aus Stuttgart. Nach dem Pächterwechsel in Gestalt von Paul F. Janssen lief das Geschäft besser – zu günstigeren Preisen. Nun nimmt sich Zobel eine Auszeit und will mit einer neuen Crew reüssieren. «Wir haben Expertisen machen lassen und sind überzeugt, dass wir mit einem neuen Angebot, welches es in Baar noch nicht gibt, ein breiteres Publikum anziehen», so Zobel optimistisch. Dabei sollen künftig auch Veranstaltungen zum Konzept gehören. Am Interieur, das so mancher Lokalbesucher als wenig anheimelnd charakterisiert hat, soll sich nichts ändern. Um den Betrieb im «Baarcity»-Hochhaus nicht ganz einschlafen zu lassen, sollen während der dreimonatigen Schliessung des Restaurants die Hans-Waldmann-Bar und die Dachterrasse weiter geöffnet bleiben. Gemäss Bebauungsplan muss in der obersten Etage ein Restaurant betrieben werden.

Zug für Spitzenküche zu klein

«Im Falle von ‹Baarcity› war ein erster Chef am Werk, der das Lokal auf einen Schlag mit gerechtfertigten 14 Punkten in die Oberliga gebracht hat», lobt Rolf Blaser von der Uptown Gastro AG in Zug, die in 65 Metern Höhe in der «Skylounge» ebenfalls Gäste bewirtet – und ebenfalls schon schwindlige Zeiten in Sachen Umsatz erlebte. Zwar sei dies eine tolle Auszeichnung, aber wohl die Untergrenze des wohl schwierigsten Segments in der Gastronomie. Nicht zufällig ist deshalb aus Sicht der Uptown Gastro AG Spitzengastronomie oft in Hotels untergebracht, die den defizitären Restaurantbetrieb dann mit dem Hotelgeschäft subventionieren. «Andere Spitzenköche müssen sich mit Werbung, Kochbüchern und Auftritten die Gewinne erwirtschaften, die sie aus der Küche nicht erhalten», ist Blaser überzeugt. Dazu komme, dass der Kreis potenzieller Kunden für diese Gastronomie sehr klein sei. «Die Region Zug hat dafür einfach zu wenig Einwohner. Wären da nicht all die Expats, hätten gleich mehrere Lokale Schwierigkeiten. Vielleicht realisiert Herr Zobel seine vor Jahren mir gegenüber gemachte Aussage doch noch, ein Migros-Restaurant zu installieren.»

Nicht einfach für Gastronomie

In der «Skylounge» selbst hat die Uptown Gastro AG den Versuch der gehobenen Mittagsgastronomie nach rund zwölf Monaten abgebrochen und bietet nun nach längerer Pause am Mittag ein kleines asiatisches Angebot an, bei dem jeder Gast seine Portionengrösse selbst bestimmen kann. Gemäss Blaser ist ein Hochhaus grundsätzlich ein schwieriger Ort für Gastronomie. «Der Weg ins Lokal erfordert eine Überwindung durch Lifte und Türen, zudem ist das Restaurant von aussen nicht einsehbar.» Ein Lokal im Hochhaus werde oft mit höchster Preislage assoziiert. Zudem sei die Logistik viel anspruchsvoller und deshalb auch teurer. «Nicht zuletzt ist der Hochhausbau in jedem Fall ein sehr technischer und moderner Bau», sagt Blaser. «Wird er dann noch modern und gar gestylt eingerichtet, dann taugt dies gut für einen Barbetrieb, jedoch für das gesellige Nachtessen fehlt es meist an Gemütlichkeit.»