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BAAR: Ein Hilfsprojekt, das Früchte trägt

Der Kinderarzt Raoul Schmid engagiert sich seit bald zehn Jahren gemeinsam mit anderen Schweizer Medizinern gegen Hüftleiden in der Mongolei. Nun wurde er für seine Verdienste geehrt. Für die Zukunft haben Schmid und seine Mitstreiter noch vieles vor.
Rahel Hug
Raoul Schmid während einer Besprechung im Rahmen einer Untersuchung (oben) und bei der Übergabe des Ehrenprofessortitels in der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator (unten). (Bilder: Corinne Wyder/PD)

Raoul Schmid während einer Besprechung im Rahmen einer Untersuchung (oben) und bei der Übergabe des Ehrenprofessortitels in der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator (unten). (Bilder: Corinne Wyder/PD)

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Hüftleiden kommen in der Mongolei sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen sehr häufig vor. Ein Umstand, der die beiden Kinderärzte Thomas Baumann und Raoul Schmid vor bald zehn Jahren dazu bewogen hat, auf diesem Gebiet aktiv zu werden. Sie riefen 2008 das «Swiss Mongo­lian Pediatric Project», kurz Smopp, ins Leben. Eine einfache Lösung für ein gravierendes Problem präsentieren, das nötige Wissen und die medizinischen Geräte dazu liefern und dabei vollständig auf direkte Geldzahlungen verzichten – auf diesen Prinzipien fusst das Hilfsprojekt, das von der Schweizerischen Vereinigung für Ultraschall in der Pädiatrie unterstützt und durch Spenden finanziert wird.

Der Baarer Raoul Schmid wurde kürzlich für seine Verdienste geehrt. In der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator erhielt er vom National Center for Maternal and Child Health den Titel des Ehrenprofessors verliehen. «Es ist eine grosse Anerkennung für unser Projekt», freut sich der 55-Jährige, der seit 1996 seine eigene Praxis in Baar führt. Mit dem Titel könne man die Bekanntheit des Vereins steigern – sowohl national als auch international. «Wir werden dadurch ­vermehrt an Kongressen und Tagungen teilnehmen und unsere Ansätze einem breiten Publikum näherbringen können.»

Schwere Behinderungen und Operationen verhindern

Die hiesigen Ärzte dürfen auf einen grossen Erfahrungsschatz im zentralasiatischen Land zurückblicken. Bereits rund 3500 Kinder wurden laut Angaben von Raoul Schmid bis heute behandelt. Das Schweizer Team bildet die Ärztinnen und Ärzte vor Ort aus und liefert Geräte für die Ultraschalluntersuchung. Durch ­einen internetbasierten Datenaustausch wird die Qualitätskontrolle gewährleistet. Wenn eine Hüftdysplasie – eine Fehlstellung des Hüftgelenks – nämlich früh erkannt wird, können damit eine schwere Behinderung und allfällige spätere Operationen verhindert werden. Kinder, die mit einer Fehlstellung zur Welt kommen, werden mit einer so genannten «Tübinger Schiene» behandelt. Durch das «Gestell» werden die Hüftgelenke des Babys in einem Winkel von über 90 Grad gebeugt und leicht gespreizt. Die Schiene sorgt dafür, dass das Gelenk vollständig nachreifen kann. «Die Behandlung ist unkompliziert und dauert im Schnitt nicht länger als sechs Wochen», berichtet Raoul Schmid. Perfekte Voraussetzungen also, dass die betroffenen mongolischen Eltern die Betreuung nach der Instruktion selber wahrnehmen können.

Dass Raoul Schmid gerade jetzt den Titel als Ehrenprofessor entgegennehmen durfte, ist kein Zufall. «Wir haben inzwischen sämtliche grösseren Spitäler in der Mongolei mit Ultraschallgeräten ausgestattet.» Die Mongolei – das Land ist übrigens fast 40 Mal so gross wie die Schweiz – besteht aus 21 sogenannten ­Aimags, das sind Verwaltungsbezirke, ähnlich den Schweizer Kantonen. In jedem Aimag befindet sich ein zentrales Krankenhaus. Dass diese nun alle abgedeckt sind, heisst aber nicht, dass das Smopp-Team seine Arbeit beenden kann. Schmid erzählt: «Nebst den grossen Spitälern gibt es im Land rund 380 ‹Geburtshäuser›. Unsere Idee ist es, dorthin mobile, kleinere Geräte zu liefern.» Derzeit werde ein Konzept erarbeitet. Die Aufgabe ist knifflig: «In einem Land, in dem die Strassen und somit die Erreichbarkeit schlecht und die Distanzen riesig sind, ist das eine grosse Herausforderung», sagt der Zuger Hüftexperte.

Es ist nicht die einzige Hürde, die Schmid und seine Mitstreiter jeweils antreffen, wenn sie in die Mongolei reisen. «Die Kälte kann extreme Ausmasse annehmen, und die Sprache ist für mich auch nach bald zehn Jahren kaum verständlich.» Mit den Ärzten vor Ort wird auf Englisch oder wenn nötig mit Händen und Füssen kommuniziert. Eine weitere Herausforderung, so berichtet der Kinderarzt, sei die Mentalität der dortigen Mediziner. «Die Frage nach dem Warum wird nicht gestellt.» Raoul Schmid macht ein Beispiel: «Viele Kinder leiden an Infektionen. Diese können Auswirkungen auf die Entwicklung der Hüfte haben. Doch woher die Infektionen kommen, dem geht man selten auf den Grund.»

Die Erkenntnisse nach Europa transferieren

Was bewegt den Baarer Arzt, sich seit fast einem Jahrzehnt für die medizinische Versorgung in einem Land einzusetzen, zu dem er zuvor keinen Bezug hatte? «Der Erfolg motiviert uns», sagt Schmid. «Ausserdem können wir in eine andere Welt eintauchen, unser behütetes Nest verlassen.»

Die Arbeit der Hilfsorganisation ist inzwischen Teil eines landesweiten Präventionsprojekts der mongolischen Regierung. Dieses soll bis ins Jahr 2020 abgeschlossen sein. Raoul Schmid und sein Team wollen das Engagement so lange weiterführen, «bis es uns nicht mehr braucht», wie das Gründungsmitglied sagt. Die Arbeit wird den Ärzten aus der Schweiz jedenfalls nicht ausgehen. Schmid: «Wir möchten auch im orthopädischen Bereich Verbesserungen erreichen, sprich Kinderchirurgen vor Ort ausbilden.» Er spricht dabei Fälle von Hüftleiden an, in denen eine «Tübinger Schiene» eben nicht hilft und ein Eingriff nötig ist. Ausserdem möchte das Smopp-Team bei den Infektionen ansetzen. «Hier werden wir demnächst eine Studie durchführen. Bei unserem diesjährigen Besuch war erstmals eine Infektiologin im Team mit dabei.» Für die Zukunft hat Schmid einen Wunsch: die Erkenntnisse aus dem asiatischen Land nach Europa transferieren zu können. «Die Mongolei ist auf diesem Gebiet nun ganz vorn mit dabei. Davon können auch andere profitieren.»

Hinweis

Weitere Informationen zum Swiss Mongolian Pediatric Project gibt es unter www.smopp.ch. Spenden nimmt der gemeinnützige Verein gerne entgegen. IBAN: CH22 0900 0000 8574 9973 2.

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